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Potsdam Potsdam ruft Großschadensereignis wegen Corona aus
Lokales Potsdam

Katastrophenfall in Potsdam: Großschadensereignis wegen Corona

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19:51 18.12.2020
Covid-Intensivstation am 27.11.2020 im Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die Infektionen reißen nicht ab, die Kliniken sind voll: Am Freitag hat sich Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) gemeinsam mit Feuerwehr und Rettungsdienst im Krisenstab dazu entschieden, den Großschadensfall für die Landeshauptstadt auszurufen. Erstmals war am Morgen die Corona-Inzidenz auf über 200 geklettert.

Ein solches Großschadensereignis ist im brandenburgischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz definiert: Ein Geschehen, das eine große Anzahl Menschenleben gefährdet und zu deren wirksamen Bekämpfung die Kräfte und Mittel der Träger des örtlichen Brandschutzes und des Rettungsdienstes nicht ausreichen. Überörtliche oder zentrale Kräfte sollen stattdessen, so das Gesetz, die Führung übernehmen oder Einsatzmittel stellen.

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Schubert will mit dieser Maßnahme offenbar den schlimmsten Entwicklungen zuvorkommen. „Wir haben noch nicht die Erkranktenzahlen und Überlastungen in den Krankenhäusern wie im Süden des Landes oder in Sachsen. Aber wir werden nicht warten, bis sich die Lage auch bei uns in diese Richtung entwickelt. Deshalb ist es jetzt nötig, nicht nur Entscheidungen zur Beschränkung von Kontakten zu treffen, sondern auch alle Möglichkeiten zu nutzen um Kräfte in der Bewältigung der Lage zu bündeln“, erklärte er die Entscheidung.

Verpflichtung für alle Kliniken

Der Fachbereichsleiter Feuerwehr, Ralf Krawinkel, erklärte zu den Konsequenzen der Entscheidung: „Wir können so weitere Bettenkapazitäten in den Krankenhäusern nutzen, die ärztlichen Leiter Rettungsdienst haben erweitere Kompetenzen und die Kräfte des Katastrophenschutzes werden unter einheitlicher Führung eingesetzt.“

Für die Potsdamer Kliniken – und zwar nicht nur die großen Einrichtungen, also das Bergmann-Klinikum und das St-Josefs-Krankenhaus, sondern möglicherweise auch für kleine Privatkliniken und -zentren – bedeutet das, dass sie nun verpflichtet sind, Aufnahme- und Behandlungskapazitäten bereitstellen zu können.

Nach dem brandenburgischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz trifft die Entscheidung über das Vorliegen eines Großschadensereignisses die zuständige untere Katastrophenschutzbehörde, in diesem Fall die Landeshauptstadt Potsdam. Das Großschadensereignis ist in seinen Auswirkungen die letzte Stufe unter der Erklärung des Katastrophenfalls.

Landesweiter Vorstoß

Nach Cottbus ist Potsdam damit die zweite Gebietskörperschaft in Brandenburg, die diesen Schritt geht, die Klassifizierung „Massenanfall von Erkrankten“ ist in den beiden einzigen Großstädten des Landes dieselbe. Nun soll auf Wunsch der Stadt auch das Land Brandenburg den Großschadensfall für das ganze land prüfen – das Gesetz sieht diese Möglichkeit vor.

Die angespannte Situation in den Krankenhäusern gilt aktuell aber auch für weitere Kliniken der Region –und es ist mit einem weiteren anstieg der Patientenzahlen zu rechnen. „Wir unterstützen die vorausschauende Entscheidung der Stadt Potsdam. Auch wir geraten mit den steigenden Patientenzahlen an unsere Grenzen. Wir werden in den kommenden Wochen jedes verfügbare Bett in den Krankenhäusern brauchen“, erklärte Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer Ernst von Bergmann.

Von Saskia Kirf