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Potsdam Kein Ersatz fürs Rechenzentrum
Lokales Potsdam Kein Ersatz fürs Rechenzentrum
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16:15 11.12.2016
Blick über die Kreuzung Breite-/Dortustraße auf das Kunsthaus im alten Rechenzentrum. Rechts im Hintergrund die Nikolaikirche.
Blick über die Kreuzung Breite-/Dortustraße auf das Kunsthaus im alten Rechenzentrum. Rechts im Hintergrund die Nikolaikirche. Quelle: Volker Oelschläger
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Potsdam

Die Stadt trifft Vorsorge für eine länger dauernde Nutzung des alten Rechenzentrums an der Breiten Straße als Kunst- und Kreativhaus. In einer Pressemitteilung sind in der vergangenen Woche drei Varianten mit unterschiedlicher Laufzeit für ein längerfristiges Bestehen des Kunsthauses vorgestellt worden, dessen Verträge nach aktuellem Stand im August 2018 ablaufen. In einer der MAZ vorliegenden ausführlicheren Information für die Stadtverordneten finden sich dazu allerdings Empfehlungen, die über die Betrachtung des aktuellen Standorts hinausgehen.

Demnach würde das Kunsthaus im Rechenzentrum erst aufgegeben, wenn für die Nutzer ein „adäquater Ersatz“ gefunden ist. So heißt es ergänzend zum ersten Szenario mit einer um fünf Jahre bis 2023 verlängerten Nutzungsdauer: „Parallel sollte ein adäquater Ersatzstandort gefunden werden.“ Im zweiten Szenario mit einer Laufzeitverlängerung um zehn Jahre bis 2028 wird bekräftigt: „Wie im Szenario 1 sollte dennoch parallel ein adäquater Ersatzstandort gefunden werden.“

Die alte Garde-Husaren-Kaserne ist als Ersatz für das alte Rechenzentrum zu klein. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der einzige bislang diskutierte „adäquate Ersatzstandort“ ist die Garde-Husaren-Kaserne am Eingang des Kulturviertels Schiffbauergasse. Doch nach einer begleitend zur Mitteilung über das Rechenzentrum an die Stadtverordneten gegebene Information zur Husarenkaserne ist nicht nur offen, ob und wann das aktuell noch zu großen Teilen vom Bundespolizeipräsidium genutzte Gebäude zur Verfügung stehen könnte. Ebenso ist unklar, ob der dort verfügbare Platz überhaupt reichen würde.

Denn laut Stadtverwaltung stehen in dem denkmalgeschützten Bau wegen ungünstiger Flurführung nur 47 Prozent der insgesamt 8000 Quadratmeter als Nutzfläche zur Verfügung. Zweites Handicap: 600 Quadratmeter davon sollen auch künftig vom Truppendienstgericht genutzt werden.

Zudem favorisiert die Stadt bei ihren Prüfungen für diesen Bau einen „Nutzungsmix“ mit Kreativhaus, Gewerbe und Gastronomie. Die ebenfalls aufgeführten „Archivflächen“ erinnern daran, dass die Verwaltung nach einem geeigneten Ort für ein Zentralarchiv sucht, mit dem alle kommunalen Institutionen bis hin zur Bibliothek und den Museen versorgt werden sollen.

Keine Rede von einem „adäquaten Ersatzstandort“ ist bei den Prüfungen zum Rechenzentrum mit seinen insgesamt mehr als 5300 Quadratmetern Fläche allein im Zusammenhang mit dem Szenario 3, das bei einer Laufzeitverlängerung um mehr als zehn Jahre praktisch eine dauerhafte Nutzung des Gebäudes als Kunsthaus bedeutet. Keine der drei Varianten ist ohne Zustimmung der Stiftung Garnisonkirche möglich, der das Grundstück des Rechenzentrums für den Wiederaufbau der Kirche übertragen wurde.

Der Kirchturm könnte auf seinem historischen Platz neben dem Rechenzentrum errichtet werden. Spätestens für den Wiederaufbau des Kirchenschiffs, dessen Grundriss sich mit dem des Rechenzentrums überschneidet, müsste das um 1970 errichtete DDR-Gebäude jedoch abgerissen werden.

Brandschutzwand zum Garnisonkirchturm

Eine längerfristige Nutzung des alten Rechenzentrums als Kunsthaus wäre laut Stadt mit möglicherweise erheblichen Investitionen verbunden.

476 000 Euro brutto würde es kosten, das Rechenzentrum für weitere fünf Jahre bis 2023 als Kunsthaus zu betreiben. Wichtigster Kostenpunkt wäre der Einbau einer Brandschutzwand zwischen dem Rechenzentrum und dem Garnisonkirchturm, mit dessen Bau im kommenden Jahr begonnen werden soll.

5,5 bis 8,8 Millionen Euro wären laut Stadt für die langfristige Erhaltung des Rechenzentrums als Kunsthaus nötig. Dabei wird auch auf den Sanierungsbedarf des Hauses verwiesen, an dem seit 20 Jahren kaum noch etwas gemacht wurde.

Wieland Eschenburg als Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchstiftung hatte einen generellen Verzicht auf das Kirchenschiff in einer ersten Stellungnahme zu den drei Varianten bereits ausgeschlossen. Eine Investition in das Rechenzentrum bezeichnete er gegenüber MAZ als „verlorenes Geld“.

Ein Verzicht auf das Schiff ist in dem Wiederaufbau zugeneigten Kirchenkreisen allerdings kein Tabu. Für die Abkehr vom Ziel einer Komplettrekonstruktion hatte sich nicht zuletzt Landesbischof Markus Dröge ausgesprochen.

Die Plädoyers von Manfred Stolpe und Paul Oestreicher als maßgeblichen Wegbereitern des Wiederaufbaus der Garnisonkirche für den Verzicht auf das auf Schiff hatten dazu beigetragen, dass das alte Rechenzentrum 2015 nach dem Freizug der ersten Büros überhaupt als Atelier- und Kreativhaus freigegeben wurde. Aktuell sind in dem Haus nach Angaben der Betreiber rund 250 Nutzer tätig.

Von Volker Oelschläger

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