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Potsdam Kommen zu viele Touristen nach Potsdam?
Lokales Potsdam Kommen zu viele Touristen nach Potsdam?
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09:49 08.07.2019
So voll wie zur Schlössernacht ist der Park Sanssouci selten. Problematisch ist nicht die Masse an Besuchern, sondern der respektlose Umgang der Potsdamer mit dem Welterbe. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Über Touristen wird in Potsdam gerne geschimpft und der Verdacht geäußert, dass es schon zu viele seien. Zuletzt hatte sogar Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) das Schlagwort des „Übertourismus“, wie man ihn aus Venedig kennt, in den Mund genommen.

Darauf steuere die Landeshauptstadt zu und man müsse sich fragen, ob das für Potsdam „noch verkraftbar“ sei. Die in den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ veröffentlichten Bemerkungen hatten zu einer Anfrage der CDU-Landtagsfraktion an die Landesregierung geführt.

„Kein Handlungsbedarf“ wegen zu viel Tourismus

Jetzt gibt Steinbach in der Antwort darauf selbst Entwarnung: „Der Landesregierung sind aktuell keine Faktoren bekannt, die auf einen ,Übertourismus‘ in der Landeshauptstadt schließen lassen“, teilte der Minister mit. Ebenfalls lägen keine Erkenntnisse zu möglichen Konflikten wegen steigender Touristenzahlen in Potsdam vor.

Man sehe „gegenwärtig keinen Handlungsbedarf“, so Steinbach. Durch die touristischen Angebote erhöhe sich zudem die Lebensqualität der Potsdamer Bürger.

Schubert: „Von einer Situation wie in Venedig weit entfernt“

„Wir sind von einer Situation wie in Venedig weit entfernt, auch wenn mancher Potsdamer das anders fühlt, etwa wenn er hinter Touristenbussen im Stau steht“, erklärt Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) auf MAZ-Anfrage. Er betont, dass der Tourismus „in erheblichem Maße für Arbeitsplätze in Potsdam und auch im Umland“ sorge.

Knapp 750 Millionen Euro jährlicher Umsatz gehen auf die Potsdam-Besucher zurück, vermutlich sind es sogar noch mehr, weil die Zahl schon mehrere Jahre alt ist, die Anzahl der Potsdam-Besucher aber jährlich wächst.

Management der Besucherströme und Angebote in der Nebensaison

„Alles im Zusammenhang mit Übertourismus wird von uns intensiv gelesen und nachverfolgt“, erklärt Sigrid Sommer, Marketingchefin im Potsdamer Rathaus. „In Potsdam verdrängt der Tourist den Bürger nicht aus der Stadt, wie das etwa in Salzburg der Fall ist, wo kaum noch Einheimische im Zentrum leben“, sagt Sommer. Dass Wohnraum für Ferienwohnungen zweckentfremdet wird, sei zudem auf der Agenda der Verwaltung.

Man setze verstärkt auf Destinationsmanagement. „Wir wollen Besucherströme an andere Orte führen und neue Angebote in der Nebensaison etablieren“, erklärt sie. Die Potsdam-Besucher sollen dadurch über einen längeren Zeitraum im Jahr und auf mehr touristische Ziele in Potsdam verteilt werden.

Schlösserstiftung: Übernutzung wird zuverlässig verhindert

Auch bei der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten (SPSG), deren Liegenschaften das Ziel zahlreicher Potsdam-Touristen sind, hat man keine Sorge vor Übertourismus. „Davon sind Potsdam und die Stiftung weit entfernt. Die Situation in Dubrovnik, Venedig, Amsterdam und gewiss auch in einigen Brennpunktbezirken Berlins ist eine andere“, erklärte ein Stiftungssprecher auf MAZ-Anfrage.

Wo in Schlössern durch hohe Nachfrage Engpässe vorliegen, habe man „den Zugang organisatorisch so geregelt, dass denkmalpflegerisch definierte Obergrenzen eingehalten und Übernutzung und Substanzverlust zuverlässig verhindert werden“, sagte der Sprecher.

Problem sind Vandalismus, Gleichgültigkeit und Respektlosigkeit der Potsdamer

Sorge bereiten der SPSG vielmehr „Vandalismus, nächtliche Partys in den Gärten und – gerade angesichts der gegenwärtigen Hitze und Trockenheit – die Brandgefahr.“ Nicht durch Besuchermassen entstehen Konflikte, „sondern eher durch eine zunehmende Gleichgültigkeit und auch Respektlosigkeit gegenüber dem historischen Gartendenkmal“ – und zwar „bei lokalen und regionalen Zielgruppen“, also den Einheimischen.

Das Verhältnis von Touristen und Einwohnern

Eine wichtige Kennziffer bei der Definition von „Übertourismus“ ist die Zahl der Übernachtungen im Verhältnis zur Bevölkerung. In Salzburg liegt diese bei 19,6 Übernachtungen pro Einwohner, in Potsdam nach den Zahlen des Statistikamtes bei 7,2 Übernachtungen. Laut dem touristischen Leitfaden des Landes soll sogar ein Wert von 7,5 Übernachtungen angestrebt werden. In Berlin liegt der Wert derzeit bei 8,8 Übernachtungen pro Einwohner.

Laut amtlicher Statistik stieg die Zahl der jährlichen Übernachtungsgäste in Potsdam von 2014 bis 2018 von 437 370 auf 550 173. Im selben Zeitraum nahmen die Übernachtungen von 1,04 Millionen auf 1,28 Millionen zu. Die Zahl der Tagestouristen wird für 2018 auf 16 Millionen geschätzt.

Von Peter Degener

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