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Potsdam Keine Landesmittel für Garnisonkirche
Lokales Potsdam Keine Landesmittel für Garnisonkirche
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12:49 14.08.2013
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Potsdam

Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bau gilt als Symbol der Verbindung von Preußentum und Nationalsozialismus. Die Bundesregierung will den Wiederaufbau mit zwölf Millionen Euro fördern. Görke nannte das „Wahlkampfakrobatik“ und verwies darauf, dass der Etat erst nach der Bundestagswahl am 22. September verabschiedet werde.

Potsdam hat den Wiederaufbau der in der DDR als Kriegsruine gesprengten Garnisonkirche genehmigt. Im Herbst 2017 soll mit dem Bau der Replik des prägnanten Barockturms mit einer spektakulären Aussichtsplattform beginnen.

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist mit der Ankündigung des Bundes, zwölf Millionen Euro zuzuschießen, in greifbare Nähe gerückt. In der Stadt hat der Vorstoß vom Montag erneut eine heftige Debatte entfacht: Steuermittel für das Symbol des Schulterschlusses von Konservativen und Hitler 1933? •••

 

FAKTEN ZUR KIRCHE

Warum sind die Baukosten so immens hoch?
Mit veranschlagten 100 Millionen Euro wäre der Wiederaufbau der Garnisonkirche in etwa so teuer wie die Replik des Stadtschlosses. Das Schloss hat 85 Millionen Euro gekostet, plus 20 Millionen Euro von Mäzen Hasso Plattner. Allerdings hat das Schloss eine Grundfläche von mehr als 12 000 Quadratmetern, während die Garnisonkirche auf einem 500 Quadratmeter großen Grundstück stehen würde. Teuer wird der Bau, weil er weitgehend original erfolgt und auf Beton und Stahl verzichtet. Man mauert so wie zu Zeiten der Erbauung des Originals. Die Mauern des Turms sollen an manchen Stellen 3,50 Meter dick werden.

Ist der Bundeszuschuss von zwölf Million Euro schon beschlossene Sache?
Nein. Der Bundestag muss den Haushalt noch beschließen. Allerdings ist der Zuschuss aus Berlin in den Haushalt eingestellt. Die Parlamentarier müssten ihn ausdrücklich streichen, damit er nicht mit dem gesamten nächsten Haushaltspaket beschlossen wird. Das gilt allerdings als unwahrscheinlich, da der Garnisonkirchen-Wiederaufbau sowohl bei CDU wie SPD Unterstützung findet. uw

Die Ruine der Garnisonkirche im Familienalbum des MAZ-Redakteurs Heinz Helwig (links).Was er bei der Debatte um das ehemalige Sonntags-Ausflugsziel empfindet, lesen Sie in der Kolumne links. Quelle: Privat

Generation Schulterzucken: Viele Zeitzeugen sehen die Garnisonkirche erstaunlich distanziert

Von Melancholie ist wenig zu spüren, wenn Christina Voigt von der Garnisonkirche erzählt. Dabei war die Ruine 20 Jahre lang der Wächter über den Alltag ihrer Familie. "Wie oft ich dort vorbeigegangen bin! Unzählige Male, an einem Tag allein drei, vier Mal, und meine Kinder haben rund um die Kirche gespielt." Der Anblick des gekappten Turms, des ausgebrannten Schiffs gehörte einfach zum Leben in Potsdam, sagt Christina Voigt. Ab und an lugte sie beim Gottesdienst durchs Portal, einmal entdeckte sie eine Hochzeit und blieb eine Weile staunend stehen. "Da war immer noch Leben", erzählt sie. "Die Garnisonkirche war ein sehr schönes, sehr sehenswertes Haus. Der Abriss war natürlich nicht nötig. Aber so ist es nun einmal gekommen."

Von Nadine Fabian und Anja Meyer

Wie stehen Sie zum Wiederaufbau der Garnisonkirche und zur Finanzierung vom Bund?

Sabine Scherler (58): Das finde ich nicht gut. Potsdam hat so viele Sehenswürdigkeiten, da brauchen wir die Garnisonkirche nicht. Auf Spendenbasis finde ich den Aufbau in Ordnung, öffentliche Gelder sollten lieber für Kita-Plätze oder Straßenausbau genutzt werden.

Dieter Petrzak (74): Ich bin absolut für den Wiederaufbau der Garnisonkirche! Für mich ist sie ein wichtiges Denkmal preußisch-deutscher Geschichte. Dass der Bund sich nun auch finanziell am Wiederaufbau beteiligt, finde ich deshalb hervorragend!

Markus Wiesand (45): Für mich ist die grundlegende Frage, ob die Kirche wieder aufgebaut werden muss, noch nicht entschieden. Ich verstehe beide Seiten. Wenn man sich für den Wiederaufbau entscheidet, ist es auf jeden Fall richtig, dass der Bund etwas hinzusteuert.
 Stefan Koritkowski (54): Gute Frage, für mich ist der Wiederaufbau nicht unbedingt notwendig. Die zwölf Millionen Euro vom Bund wären woanders besser investiert. Man sollte sich da auf das Wesentliche konzentrieren. Ein Wiederaufbau auf Spendenbasis ist in Ordnung.

Christine Ruser (73): Ich fände es gut, wenn nur der Turm wieder aufgebaut werden würde, auch gern mit Steuergeldern. Die ganze Kirche brauchen wir nicht. Obwohl ich sie definitiv nicht mit Hitler verbinde, hätte ich Angst, dass Rechte sie als solches Denkmal sehen.

Gisela Kitt (72): Ich kenne die Kirche noch von früher, aber habe keinen Bezug zu ihr. Dass der Bund Geld dazugibt, finde ich richtig schlimm! Wir haben genug andere Probleme! Wenn Liebhaber für den Wiederaufbau spenden, ist mir das egal. Text/Fotos: Anja Meyer

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