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Potsdam Kettensägen durchforsten Wald am Uni-Campus
Lokales Potsdam Kettensägen durchforsten Wald am Uni-Campus
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12:25 27.02.2018
Die Baumfällungen am Uni-Campus Griebnitzsee sind massiv, aber trotzdem und vorerst nur eine Sicherungsmaßnahme. Quelle: Rainer Schüler
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Babelsberg

Massive Baumfällungen am Uni-Campus Griebnitzsee sorgen für Unruhe bei Anliegern und Studierenden. Zwar dienen die Arbeiten nur der Sicherung zweier Waldstücke vor schwerem Holzbruch, doch fürchten viele Beobachter die Komplettabholzung, seit bekannt wurde, dass sich das Hasso-Plattner-Institut (HPI) mit Neubauten links und rechts der Zufahrtstraße zum Campus vergrößern will.

Dafür müsste das sechs Hektar große Waldgelände ganz in Bauland umgewidmet werden. Der Flächennutzungsplan der Landeshauptstadt verzeichnet dort Wald; das wie ein Gesetz wirkende Planwerk müsste geändert werden. Ohne die Zustimmung der Stadt und der Stadtverordnetenversammlung geht das nicht; die Debatten dürften heftig sein und lange dauern; Ende: offen.

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Die geballten Kronen vieler Bäume zeigen, wie krank der Stamm eigentlich schon ist. Viele Bäume sind in gefährliche Schieflagen geraten. Quelle: Rainer Schüler

Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde nach Auskunft des verantwortlichen Gutachters Gert Kirschke keine Pflege an dem Wald versucht und mit dem Bau einer Regenwasserversickerung sogar Schaden im Wurzelbereich der Bäume verursacht. Die Stürme des vergangenen Herbstes fegten auch in diesen Wald und brachen morsche Stämme; einer krachte dann am 16. November auf ein geparktes Auto und verfehlte nur knapp einen Lkw, der Essen liefern wollte.

Hasso-Plattner-Institut muss Waldstück sichern

Plötzlich sah sich das Institut als Waldbesitzer gezwungen, Sicherungsmaßnahmen zu veranlassen, zumal das inzwischen ausgelichtete Stück von einem breiten Trampelpfad durchzogen ist. Täglich sind dort tausende Passanten unterwegs. Das HPI verbot dies und verkündete Pflegearbeiten ab dem 27. November. Die sollten drei Wochen dauern, doch sind sie nach nunmehr sechs Wochen noch immer nicht beendet und gehen auf der anderen Straßenseite weiter.

Der Grund ist die verordnete Vorsicht, mit der man morsche Bäume zwischen intakten Bäumen fällen muss. Weil man fürchtet, dass stürzende Bäume andere schwer beschädigen, muss man von einer Hebebühne aus die Stämme stückweise von oben nach unten abtragen. „Kein normaler Waldbesitzer würde das tun“, sagte Kirschke der MAZ: „Er würde den Harvester holen, jeden Baum absägen, umlegen, entasten und zerstückeln, bis der Wald abgeerntet ist. Dann würde man neu pflanzen. Aber hier will man den Bestand so weit wie möglich halten. Das kostet Zeit und Geld.“

Die Bäume richten ein Kettensägen-Massaker an

Und es kostet Sägeketten, immer wieder. Weil zum Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Bomben und Granaten auf das Waldgebiet niedergingen, sind viele Stämme gespickt mit Metallsplittern. Beim Sägen fliegen Funken, brechen Kettenzähne ab. Am Ende ist das Holz wegen der Munitionsreste nicht mal mehr verkäuflich und muss verbrannt werden.

So viel Mühe sich die Arbeiter auch geben beim „Säubern“ des Waldes, so besorgt sind immer wieder die Bürger. „Zwei bis drei Diskussionen führen wir jeden Tag“, berichtet Baumgutachter Kirschke, dem Ina Ruppel am Donnerstagnachmittag grundsätzlich erklärt, wie wichtig der Wald für die Menschen ist und für die Bienenvölker, die sie selber hat. „Es geht doch immer um das Wirtschaftliche“, klagt sie an, „um Bauen, um Autos. Aber die Autos geben uns nicht die Luft zum Atmen.“ Sie sei oft durch diesen Waldstück gegangen, voller Ehrfurcht vor den Bäumen, die da schon seit 200 bis 250 Jahren stehen. „Ich bin erschüttert.“

Man hätte die beiden Waldstücken nicht sperren müssen, weil jeder im Wald auf eigene Gefahr unterwegs ist, doch man tat es vorsichtshalber trotzdem. Und weil man kein deutsches Warnschild dafür fand, nahm man ein amerikanisches: das gelbe. Das verstehen auch die nichtdeutschen Passanten. Quelle: Rainer Schüler

Von Rainer Schüler

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