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Potsdam Potsdams Kinderbeauftragte: „Die letzten zwei Jahre waren eine Katastrophe“
Lokales Potsdam

Kinder und Jugendliche in Potsdam: Aktionsplan soll für noch mehr Beteiligung sorgen, Coronazeit "war eine Katastrophe"

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15:36 05.01.2022
Stefanie Buhr stellt den Abschlussbericht Kinder- und jugendfreundliche Kommune vor.
Stefanie Buhr stellt den Abschlussbericht Kinder- und jugendfreundliche Kommune vor. Quelle: Julius Frick
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Potsdam

Der erste Aktionsplan der Stadt Potsdam, um eine kinder- und jugendfreundliche Kommune zu werden, ist nach dreieinhalb Jahren Laufzeit abgeschlossen – die Kinder. und Jugendbeauftragte der Stadt, Stefanie Buhr, hat am am Dienstag ein überwiegend positives Fazit gezogen. „Insgesamt zeigt sich, dass in den vergangenen Jahren viel für Kinder- und Jugendliche getan worden ist“, sagte sie.

Mehr Beteiligung ist das Ziel

Der Aktionsplan hatte 58 konkrete Maßnahmen enthalten, die zwischen 2017 und 2020 angegangen werden sollten. Ihr gemeinsames Ziel: Die jungen Potsdamer unter 18 Jahren mehr beteiligen, ihnen Freiräume und Bildung bieten, sie ernst nehmen. „15 Maßnahmen konnten vollständig umgesetzt werden, 24 befinden sich in der Umsetzung. Darunter sind beispielsweise die Öffnung von Schulhöfen im Freizeitbereich sowie die Änderung der Hauptsatzung zu Gunsten von mehr Kinder- und Jugendbeteiligung in der Landeshauptstadt“, so die Kinder- und Jugendkoordinatorin.

Der Aktionsplan soll fortgeschrieben werden, dazu ist ein Beschluss der Stadtverordneten notwendig – auch Geld muss die Stadt dafür in die Hand nehmen. Denn obwohl es um die Jungen geht, brauchen sie vielerorts Erwachsene zur Umsetzung. Problematisch sei an einigen Stellen die wenig niedrigschwellige Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, sich wirklich einzubringen. So ist etwa die Kinder- und Jugendbeauftragte selbst in die Planung der neuen Grundschule in Krampnitz einbezogen, die Kinder selbst spielen aber bei der Planung des neuen Stadtteils nicht einmal eine beratende Rolle. „Hier möchte ich mit dem gerade im Entstehen begriffenen Jugendrat ansetzen“, sagt Stefanie Buhr. Das Gremium aus Potsdamer Jugendlichen solle verstetigt werden, um wirklich gehört werden zu können.

Coronazeit „war eine Katastrophe“

Und auch die Fachfrau im Rathaus wird oft nicht erhört – oder gefragt. „Aus Sicht der Kinder und Jugendlichen waren die letzten zwei Jahren eine Katastrophe, weil deren Interessen zu keinem Zeitpunkt ausreichend gehört wurden“, sagt Stefanie Buhr. „Wenn man sich die Ebene der Bundesländer ansieht: Die Rechte auf Bewegungsfreiheit, auf Bildung, Spiel und Freizeit wurden allesamt zurückgestellt. Wenn man da in den Dialog mit den Betroffenen, also den Kindern und Jugendlichen gegangen wäre, hätte man gemeinsam gute Maßnahmen entwickeln können und das Gefühl der Beteiligung wäre dagewesen.“

Auch eine Maßnahme der Potsdamer Verwaltung kritisiert Stefanie Buhr scharf. „Man hätte die Spielplätze nicht schließen dürfen“, sagt sie. Im März 2020, in der ersten Coronawelle, hatte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert dies verfügt. Zeitgleich waren Schulen und Kitas geschlossen worden – und Potsdams Kinder saßen zu Hause fest. „Einverstanden bin ich damit nicht gewesen, aber man hat mich auch nicht gefragt“, sagt die Jugendbeauftragte, „diese Entscheidungen fällt die Leitung, wobei sie dies nach bestem Wissen und Gewissen getan hat.“

Die Kinder- und Jugendbeauftragte ist allerdings weiterhin kein Teil des Corona-Krisenstabs der Stadt, dabei grassierte das Virus seit den Herbstferien vor allem in den Potsdamer Schulen. Teils waren mehr als eintausend Kinder und Jugendliche in der Stadt in Quarantäne.

Von Saskia Kirf