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Potsdam Kirchenweihe vor 125 Jahren: Kritische Chronik der Potsdamer Pfingstgemeinde
Lokales Potsdam Kirchenweihe vor 125 Jahren: Kritische Chronik der Potsdamer Pfingstgemeinde
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13:27 29.09.2019
Fest zu 125 Jahre Evangelische Pfingstkirche Potsdam. Quelle: Varvara Smirnova
Nauener Vorstadt

Zehn Jahre lang hat Rudolf Reinhold mit seiner Frau Anne-Maria in Archiven gewühlt, Fotos recherchiert, Zeitzeugen gesucht, gefunden und befragt. Jetzt hält er sein fertiges Werk endlich in den Händen, pünktlich zum 125. Weihejahr der Pfingstkirche.

Anstrengende Chronisten-Arbeit

168 Seiten fasst die neue Chronik „Zwischen Pfingstberg und Neuem Garten“ über die Geschichte der Pfingstkirche und der Gemeinde seit der Weihe im Beisein von Kaiserin Auguste Viktoria 1894. „Es ist eine echte Erleichterung, jetzt fertig zu sein, die Arbeit war sehr intensiv“, sagt der 68-Jährige. Es sei sehr anstrengend gewesen. Zwischendurch habe er richtig schlechte Laune gehabt, wenn er einfach nicht weiterkam: „Teilweise habe ich das gleiche sieben Mal neu geschrieben.“

Rudolf Reinhold (r.) bei der Präsentation seiner Chronik. Quelle: Varvara Smirnova

60 Besucher verfolgen die Buchvorstellung in der Pfingstkirche am Samstagnachmittag gekommen. Nebenan werden auf einem kleinen Markt Kaffee, Kuchen, Wein und vieles mehr angeboten. Doch es hat angefangen zu regnen – perfektes Timing für eine Buchvorstellung, sagt Rudolf Reinhold.

Ex-Pfarrer erinnert sich an die DDR-Zeit

Der ehemalige Pfarrer Fritz Degerloch ist auch dort. 1968 kam er mit seiner Familie an den Pfingstberg, als die Sowjetarmee noch präsent war. „Die Kirche war von einem Zaun umgeben, nur eine kleine Gasse hat hier hergeführt“, erinnert sich Degerloch. Viele hätten sich auch deshalb nicht in die Kirche getraut, aber die, die kamen, seien eine eng verbunden gewesen. Viele Hausbesuche habe er gemacht und als Pfarrer immer einen großen Vertrauensvorschuss bei den Menschen gehabt: „Sie konnten sich bei mir sicher sein, dass ich nicht von der Stasi war, und mit mir deshalb über alles reden.“ Seine Memoiren kommen in der neuen Chronik vor.

Ein bunter Markt war aufgebaut. In der Kirche und im Gemeindesaal fanden Konzerte und Buchvorstellungen sowie ein Festgottesdienst statt. So war die Feier zu 125 Jahre Pfingstkirche Potsdam.

Ein anderes, großes Kapitel des Buches: der Kirchenstreit in der Gemeinde zur Nazizeit. Zwei Lager standen sich gegenüber: Mitglieder der Bekennenden Kirche und die Deutschen Christen, die die Ideologien des Nationalsozialismus im Protestantismus durchsetzen wollten. „Jesus Christus war für sie nicht mehr jüdischen Ursprungs, sondern ein Arier“, sagt Rudolf Reinhold. Kirchenlieder seien umgedichtet worden, Josef, der Bibel nach Vater Jesu Christi, sollte ein deutscher Legionär sein. „Sie haben vor einer Geschichtsfälschung nicht zurückgeschreckt“, sagt Reinhold. In Potsdam endete der Streit erst 1947/48, indem der damalige Pfarrer Fritz von der Heydt, Anhänger der Deutschen Christen, versetzt wurde.

Gemeinde wächst dank Zuzug

Karl-Heinrich von Bothmer, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, bezeichnet diese Zeit aber keinesfalls als dunklen Fleck in der Geschichte der Gemeinde. Ein Streit könne auch wichtig und klärend sein. Heute sei die Gemeinde lebendig, viele Familien und Jugendliche seien dabei, die Gemeinde wächst, auch durch viel Zuzug im Stadtteil. Bothmers Wunsch für die Zukunft: „Dass hier in 50 Jahren noch genauso viel Trubel ist wie jetzt“. Denn Gemeindeleben, sagt er, braucht einen festen Platz in der Gesellschaft.

Am Sonntag geht die Jubiläumsfeier weiter. Generalsuperintendentin Heilgard Asmus hält die Predigt beim Festgottesdienst. Den Abschluss bildet die Aufführung des Musiktheaters Petrus unter Leitung von Christina Schütz.

Beginn als Kinderheim 1851

Am 15. Oktober 1894 waren Pfingsthaus und Pfingstkapelle von Kaiserin Auguste Viktoria ihrer Bestimmung übergeben worden. Vorausgegangen war die Initiative Johann Hinrich Wicherns, in Potsdam eine kirchliche „Rettungsanstalt für verwahrloste Knaben“ einzurichten. Das Heim wurde 1851 in einem Weinbauernhaus an der Großen Weinmeisterstraße eingerichtet, das heutige Pfingsthaus. Mit Unterstützung der Kaiserin wurde es in den 1890er Jahren ausgebaut und bekam eine Kapelle. Später folgten das Pfarrhaus und ein Witwenhaus (heute: Grundschule).

Von Lisa Schmierer

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