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Potsdam Paradies der kleinen Leute: Warum Potsdam Kleingärten braucht
Lokales Potsdam Paradies der kleinen Leute: Warum Potsdam Kleingärten braucht
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00:22 05.05.2019
„Ich habe hier viele Kinder groß werden sehen“: Horst Jäkel (83) in der Kleingartensparte „Geschwister Scholl“ in Potsdam-West. Er hat dort seit mehr als 40 Jahren einen Garten. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam-West

Der Mann, der ihm die Tür zur Kleingartensparte öffnete, hieß Marx – Rudolf Marx. „Das gefiel mir“, sagt Horst Jäkel und fügt hinzu: „Ich schätze Karl Marx, den Philosophen.“ Rudolf Marx, den damaligen Vorsitzenden der Kleingartensparte, lernt Jäkel auch schätzen. Der Vereinsvorsitzende wollte von ihm damals, in den 1970er Jahren, nur wissen: „Haben Sie Kinder und können Sie rechnen?“ Als Horst Jäkel auch die zweite Frage bejaht, wird der Neuzugang kurzerhand der Vorsitzende der Revisionskommission der Potsdamer Kleingartensparte, die heute noch den Namen aus DDR-Zeiten trägt: „Geschwister Scholl“.

Wo hat Potsdam Kleingärten verloren?

In Deutschland gibt es mehr als eine Million Kleingärten. Der Baudruck in den Städten ist groß und macht auch nicht vor Gartenkolonien halt.

Auch in Potsdam sind Kleingärten verschwunden, etwa in der Amundsenstraße oder am Horstweg.

Die MAZ macht sich auf die Suche nach verschwundenen Gärten der Stadt. Schicken Sie uns Ihre Fotos und Geschichten dazu an: potsdam-stadt@maz-online.de oder an die Märkische Allgemeine (Lokalredaktion Potsdam), Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam.

Die erste Begegnung mit seinem Kleingarten in Potsdam-West ist mehr als 40 Jahre her. Horst Jäkel hat seine Parzelle nie gegen eine andere eingetauscht. In seinem Garten im Grünen Weg haben seine Kinder gespielt, geerntet und in der Erde gewühlt, später seine Enkel und Urenkel und die Kinder des Nachbarn auch. „Ich habe hier viele Kinder groß werden sehen und ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt, die jetzt in den ewigen Jagdgründen sind“, sagt er und erzählt, dass er heute noch Kartoffeln und Zwiebeln anbaut und es im Gartenteich Kaulquappen gibt. Von der Außenhecke, die die Kleingartensparte umgibt, hat er einige Meter selbst gepflanzt. „Die Hecken sind auch Lebensraum für Vögel“, sagt der 83-Jährige, der einst Biologie studierte. Sein Prüfungsthema damals:  das menschliche Herz.

80 Euro im Jahr kostet ihm das kleine Stück Land

Sein Herz hängt an diesem kleinen Stück Land. 80 Euro kostet es ihm im Jahr – Pacht und Mitgliedsbeitrag inklusive. Fast jeder könnte sich einen solchen Garten leisten. „Die Parzelle ist das Paradies der kleinen Leute.“ Wer es bedroht, trifft sie im Herzen. Jäkel macht es zornig, „wenn Kleingärtner ihre Oasen aufgeben müssen, damit Wohnhäuser für Bessergestellte gebaut werden können“. Am schlimmsten sei es im Horstweg, wo die Kleingartensparte „Uns genügt’s“ weichen musste und derzeit ein Kampf um die Rettung der Babelsberger Sparte Angergrund tobt. „Es tut mir weh, wenn ich sehe, wie jahrzehntelanges Wirken von Menschen zerstört wird.“

Wer die Kleingartenbewegung zugrunde gehen lasse, „setzt auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt aufs Spiel“, sagt Jäkel und richtet am 1. Mai in seiner Gartensparte noch einen Appell an die Potsdamer Sozialdemokratie: „Ich erwarte von einer Partei, die sich sozial und demokratisch nennt, dass sie dieser Sache mehr Beachtung schenkt.“ Für den gesellschaftlichen Frieden sei es wichtig, zu verhindern, „dass finanzstarke Geldsäcke mit ihren Immobilienfirmen Kleingärten platt machen.“ Das schöne Potsdam brauche Kleingärten – fürs Wohlbefinden der Menschen und als Frischluftschneisen, so Jäckel, der zwölf Jahre auch stellvertretender Kreisvorsitzender des Verbandes der Garten- und Siedlerfreunde (VGS) war.

In den 1990er Jahre gehörte er zu den Organisatoren einer Demo

Jäkel vermisst ein bisschen die Solidarität unter den Kleingärtnern. Sie sollten den Blick über ihren Gartenzaun weiten und Solidarität etwa mit den Kleingärtnern am Horstweg zeigen, rät er. Jäkel gehörte in den 1990er Jahren zu den Organisatoren der großen Demo, „als unter Baustadtrat Detlef Kaminski ein kanadischer Baulöwe 1000 Kleingärten in Potsdam-West platt machen wollte“. Etwa 3000 Kleingärtner hätten dagegen demonstriert. „Der Baulöwe kam nicht zum Zuge“, erzählt Jäkel und schiebt einen Satz noch nach: „Ich bin nicht dagegen, dass neue Wohnungen gebaut werden. Mich stört, wenn geldkräftige Private bestimmen, was in der Stadt passiert.“

Auch dank der Demo gibt es die 1928 gegründete Gartensparte „Geschwister Scholl“ heute noch. 60 Kleingärten und gut 100 Mitglieder gehören zum Verein. Jäkel schätzt die Gemeinschaft im Grünen, auch wenn es ab und an Streit gab. „Seit wir aber Frauen im Vorstand haben, ist die Atmosphäre deutlich freundlicher.“

Sein Mammutbaum ist jetzt fünf Meter hoch

„Die meisten hier sind mit Herz und Verstand dabei, ackern, säen und ernten und freuen sich im Frühjahr, dass es wieder los geht“, sagt Jäkel. Seinen Garten nutzt er auch als Experimentierfeld, um kleine Bäume aufzuziehen. Mit Einwilligung des Grünflächenamtes hat er einige davon im Stadtgebiet „ausgewildert“. Esskastanien, Speierlinge oder Walnussbäume aus seinem Garten stehen zum Beispiel am Schillerplatz. Ein Mammutbaum, den er im Blumentopf nach Potsdam brachte und in seinem Garten einpflanzte, wächst jetzt auf dem Hof der Waldschule am Kellerberg. Der Förster vom Wildpark nahm ihn mit Freude. „Der Mammutbaum ist jetzt fünf Meter hoch“, erzählt Jäkel.

Von Jens Steglich

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