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Potsdam „Kombinat“ eröffnet „Made in Potsdam“
Lokales Potsdam „Kombinat“ eröffnet „Made in Potsdam“
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13:45 04.01.2017
Die Choreografin Paula E. Paul und der Medienkünstler Sirko Knüpfer im Rechenzentrum. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Ein Kompressor und zwei Monitore sind die Basiskomponenten der „Filminstallation mit Druckluftobjekt“, mit der am Donnerstag, 12. Januar, im T-Werk das mittlerweile sechste Festival „Made in Potsdam“ im Kunst- und Kulturquartier Schiffbauergasse eröffnet wird. „Über-Druck“ ist der Titel des neuen Projekts der Künstlergruppe „Kombinat“ von Choreografin Paula E. Paul und dem Medienkünstler Sirko Knüpfer.

Noch steht die Apparatur in einem abgedunkelten Raum im Obergeschoss des Kunsthauses im Rechenzentrums. Drei Programmierer waren dort über Monate mit der Entwicklung eines Spiels beschäftigt, das einarmige Banditen, Alltagssequenzen, Philosophie und Physik zusammenbringt.

Die Idee zu dem Stück entstand vor Jahren nach einem Stoßseufzer des mit dem „Kombinat“ befreundeten Schauspielers Michael Wenzlaff, dass da gerade „wahnsinnig viel Druck auf dem Kessel“ sei. Es war ein banales Gespräch, sagt Paula E. Paul, doch plötzlich erwies sich die Wahrnehmung von Druck als allgegenwärtig. Zunächst im negativen Sinne, verbunden mit Gereiztheit und Stress.

Dabei gab es auch die andere, die positiv besetzte Seite – mit vielen Überraschungen, wie Sirko Knüpfer erzählt: „Wenn man anfängt nachzudenken, wo das überall auftaucht, Druck, öffnet sich ein Kosmos, ein unendliches Thema.“ Mit Druck in unzähligen Wortverbindungen mit vielfältigster Bedeutung. So meint der Meteorologe mit Druckabfall etwas anderes als der Mann an der Druckmaschine.

Für ihr Projekt verabredeten sich die Künstler mit Leuten, für die der Umgang mit Druck Teil ihrer Arbeitswelt ist. Bei den Begegnungen entstanden Kurzfilme: „Überdruck“ über eine Cellistin im Konzert, „Unterdruck“ über Wasserballer beim Training, „Herzdruck“ über Bernhardiner-Erste-Hilfe-Kurse, „Nachdruck“ über eine Papierrestauratorin, „Druckausgleich“ über Business Yoga bei einer Berliner Bank, „Luftdruck“ über die Meteorologen in der Säkularstation auf dem Telegrafenberg.

Zur Premiere werden die Monitore nebeneinander quer im T-Werk stehen. Zwischen ihnen ist ein schwarzer Kasten, in dem langsam von der Maschine ein weißer Luftballon aufgeblasen wird, während auf beiden Seiten Druckfilme laufen. Wenn der Ballon sich wegen Überdrucks vom Ventil löst, um prustend und rasch schrumpfend durch den Raum zu jagen, brechen die Filme abrupt ab.

Auch über die Monitore taumelt nun ein weißer Luftballon vor schwarzem Grund, der sich langsam verjüngt, bis schließlich das Bild frei wird für die Spielautomaten. Die Symbole auf den Walzen haben allesamt etwas mit Druck zu tun – das U-Boot, die Pistole, der Sektkorken, die Rakete und der Kopf des künftigen US-Präsidenten Donald John Trump, der als Clown aus der Kiste springt.

Ronald Bohnwagner, Schichtleiter in der MAZ-Druckerei, kommentiert und erklärt in dem Kurzfilm „Andruck“ den Arbeitsalltag. Quelle: Steph Ketelhut

Ein Buzzer steht im Raum, auf den jeder hauen kann, der will. Dann sausen die Walzen los. Hinter vielen Symbolen stecken Nieten. Wenn es aber links und rechts einen Dreier gibt, beginnen immer paarweise die Filme. So kann es sein, dass links nach dem Zeitungssymbol das Druckhaus der MAZ erscheint, mit Schichtleiter Ronald Bohnwagner, der für den „Andruck“ eine der tonnenschweren Rollen mit Zeitungspapier vorbereitet, während sich rechts nach dem Föhnsymbol in „Luftdruck“ zwei Männer mit Laubbläsern zu schaffen machen.

Dieser Kurzfilm ist der einzige, für den sie keinen Zugang zur realen Arbeitswelt fanden, berichten Paul und Knüpfer. Deshalb wurde für „Luftdruck“ mit zwei Künstlern improvisiert. Jörg Schlinke und der Schauspieler Michael Wenzlaff entfalten vor der Kamera eine wilde Jagd, die erst dem Herbstlaub, dann aber bald einem weißen Luftballon gilt, den sie wie ein Überfallkommando mit den Bläsern aus einem Häuschen ins Freie treiben, wo er schließlich platzt.

Mit „Über-Druck“ präsentiert „Kombinat“ bereits zum dritten Mal das Eröffnungsstück für das Festival „Made in Potsdam“. 2012 zeigten sie in der Fabrik die Filmcollage „Choreografische Bilder im Raum“ über unglaubliche Begegnungen in der Tiefe der Mark. 2016 setzten sie in der Schinkelhalle mit „Mein Touristenführer“ ein Segway-Ballett über Mobilität und Migration in Szene. Auf „Über-Druck“ könnte im nächsten Jahr ein Projekt mit Tanz zu den Filmen folgen.

Das Programm des 6. Festivals „Made in Potsdam“

„Über-Druck“ ist am 12. Januar ab 18.30 Uhr im T-Werk zu sehen, vom 13. bis 15. Januar täglich 12 bis 20 Uhr.

Die Choreografin Nadia Beugré präsentiert am 12. Januar um 20 Uhr in der Fabrik in Deutschlandpremiere die Tanzperformance „Legacy“ (Wdhlg. 13.1., 20 Uhr).

Eine interaktive Tanzperformance mit Alfredo Zinola und Maxwell McCarthy (Köln) für Kinder gibt es am 13. Januar um 11 Uhr im T-Werk (Wdhlg. 14.1., 17 Uhr, 15.1., 11 Uhr).

Im Kunstraum eröffnet am 13. Januar um 19 Uhr die Ausstellung „Im Freien – Vom Nachlebenimpressionistischer Motive“ (bis 26.2., Mi-So 13-18 Uhr). Führung mit Andreas Hüneke am 14. Januar, 17 Uhr.

Tristan Honsinger und Joel Grip sind am 13. Januar um 22 Uhr Gäste des Jazzlab der Fabrik.

Kat Válastur (Berlin/Athen) zeigen am 14. Januar, 20 Uhr, in der Fabrik das Tanzstück „Ah! Oh! Contemporary Ritual“.

Die Autorin Paula Fürstenberg („Familie der geflügelten Tiger“) ist am 15. Januar um 11 Uhr Gast beim Brunch im Fabrik-Café. Musizieren wird das Potsdamer Duo Ceeys.

Beendet wird das Festival am 15. Januar um 17 Uhr in der Fabrik mit der Performance „The Eternal Return“, der Präsentation eines Workshpos unter der Leitung von Clément Layes.

Von Volker Oelschläger

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