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Potsdam Das war der Wahltag in Potsdam
Lokales Potsdam Das war der Wahltag in Potsdam
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00:21 29.05.2019
Großer Andrang im Potsdamer Wahllokal 4108 – Schule des zweiten Bildungsweges „Heinrich von Kleist“. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Morgens, kurz vor 10 Uhr steht eine Menschentraube vor dem Feuerwehrhaus in Uetz. Die Sonne scheint schon jetzt kräftig, die Bürger stehen in Hemd und T-Shirt, mit Kaffee und Zigarette vor ihrem Treffpunkt im Ort, der an diesem Sonntag zum Lokal der Europa- und Kommunalwahl umfunktioniert wurde.

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Rund 13 Kilometer vom Zentrum Potsdams entfernt, wählen die Einwohner des Doppelortes jenseits der A 10 genauso die Stadtverordnetenversammlung, wie der Rest der Landeshauptstadt. Das werde häufig vergessen, erzählen sie hier. Der Frust der Menschen über die Politiker im entfernten Rathaus ist nicht zu überhören. „In der SVV wird nichts für uns getan“, sagt Manuela Mentzel, „für die hört Potsdam an der Autobahn auf. Wir sind so ländlich, wir fallen einfach durchs Raster“.

Viele Wünsche für Uetz-Paaren

Die Vorsitzende des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr wünscht sich endlich eine bessere Busanbindung, damit auch berufstätige Menschen das Auto einmal stehen lassen können. Es bräuchte besser ausgebaute Fahrradwege und mehr Einkaufsmöglichkeiten im Umkreis. Für einen älteren Menschen bedeute der Weg zum Arzt eine Tagesreise, sagt Mentzel. „Das wissen die Politiker gar nicht. Als die Parteien sich vor kurzem in Marquardt vorgestellt haben, da haben die nur über Krampnitz geredet. Kein Wunder, dass die Leute hier einfach gefrustet sind.“

Würde ihre Stimme nie verfallen lassen: Manuela Mentzel aus Uetz-Paaren. Quelle: Ansgar Nehls

Doch sie gehen wählen. Trotz des Frustes – oder vielleicht gerade deswegen. Bei der vergangenen Kommunalwahl 2014 hatte Uetz-Paaren die statistisch höchste Wahlbeteiligung. 61,8 Prozent der Berechtigten machten damals ihr Kreuz, gingen Sonntags ins Feuerwehrhaus um ihre Stimme abzugeben. „Wir müssen etwas ändern und heute ist unsere Chance“, sagt Mentzel. Auch weil die Uetzer und Paarener zusätzlich noch den Ortsbeirat wählen können, sind sie sich alle sicher, dass die Wahlbeteiligung auch an diesem Sonntag wieder hoch ist.

Wahlbeteiligung im Biberkiez am Schaatz steigt

Im Bisamkiez am Schlaatz dagegen freuen sich die Wahlhelfer in der Kita Kinderland schon über die kleinen Schritte. Gegen 14 Uhr hat jeder fünfte Wahlberechtigte abgestimmt. Das ist hier eine gute Nachricht, denn das sind bereits zu diesem Zeitpunkt mehr Menschen als 2014. Vor fünf Jahren war der Bezirk 6307 Schlaatz/Biberkiez der mit der geringsten Beteiligung. 19,6 Prozent der Wahlberechtigten machten ihr Kreuz. An diesem Sonntag werden es deutlich mehr sein, doch dass die Zahl auch nur annähernd an die in Uetz-Paaren heranreicht, bleibt unwahrscheinlich. „Als ich gerade wählen war, waren die Listen noch erschreckend leer“, erzählt René Musch, „ich hoffe, das füllt sich noch“. Der 43-jährige erklärt seinem Sohn auf dem Rückweg, warum es wichtig ist, wählen zu gehen. „Meine Stimme darf nicht verfallen. Ich will nicht, dass die Falschen hier zu viele Prozente bekommen“, sagt Musch.

Will nicht, dass die „Falschen zu viele Prozente bekommen“: René Muschaus dem Schlaatz. Quelle: Ansgar Nehls

Auch Paul Fleischer macht immer sein Kreuz, seit Jahrzehnten schon. Er war 30 Jahre lang Gewerkschaftsfunktionär, hat sich dafür eingesetzt, dass seine Kollegen zu ihrem Recht kommen. „Man muss die Demokratie doch erhalten, in der wir leben“. Dass Menschen am Wahlsonntag zu Hause bleiben, kann er nicht verstehen. „Im Gegenteil: Ich finde es super, wenn die Menschen sich engagieren. Dass die Jugend jetzt auf die Straße geht und für das Klima protestiert, ist eine gute Sache. Das finde ich prima.“

Viele Nichtwähler sind von der Politik frustriert

Doch nicht alle denken wie Manuela Mentzel, wie René Musch und Paul Fleischer. Es gibt die Nichtwähler und die Chance ist nicht klein, dass sie nicht nur im Schlaatz auch an diesem Wahlsonntag wieder in der Überzahl sind. Nur stehen oder sitzen sie eben nicht vor den Wahllokalen. Wer einen Spaziergang durch den Stadtteil macht, sieht bei bestem Wetter reihenweise Menschen auf den Straßen und Spielplätzen. Etliche sparen sich den wenige hundert Meter kurzen Spaziergang zur Kita, um ihre Stimme abzugeben. Ihre Gründe sind denen der überzeugten Wähler in Uetz-Paaren überraschend ähnlich. Es ist der Frust, der aus vielen spricht. „Ich weiß gar nicht, wen ich wählen soll“, sagt ein älterer Herr im dunkleblauen Polo-Shirt. Seinen Namen will er lieber nicht in der Zeitung lesen, seine Stimme abzugeben, kann er sich auch nicht vorstellen. „Die großen Parteien wähl ich nicht, die Rechten erst recht nicht. Da lass ich’s lieber bleiben“.

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Eine Gruppe junger Männer unweit des Bürgerhauses am Schlaatz war überhaupt noch nie wählen. „Bei uns in der Familie wählt man nicht. Warum auch? Am Ende machen sie doch alle das Gleiche“, sagt einer. Wer sie fragt, ob sie mit dem Status quo zufrieden sind, erntet lautes Gelächter. Mehr möchten sie dann aber auch nicht dazu sagen.

Für Manuela Mentzel aus Uetz-Paaren ist das nicht zu verstehen. „Wir haben doch nur diese Möglichkeit. Das muss ich doch auch wahrnehmen“, sagt sie. Trotz des Frustes über die SVV werde sie immer wählen gehen – egal was kommt.

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Von Ansgar Nehls

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