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Potsdam Komponist des berühmtesten Defa-Soundtracks
Lokales Potsdam Komponist des berühmtesten Defa-Soundtracks
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18:18 17.06.2016
Komponist Peter Gotthardt war zu Gast im Filmgymnasium.
Komponist Peter Gotthardt war zu Gast im Filmgymnasium. Quelle: bernd gartenschläger
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Babelsberg

  Was Ennio Morricone für den Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ ist – nämlich berühmt für diese, seine Filmkomposition – ist Peter Gotthardt für „Die Legende von Paul und Paula“. Dass Heiner Carows Defa-Beziehungsfilm mit Angelica Domröse und Winfried Glatzeder von 1973 einschlug und längst unter Kult firmiert, ist auch dem Soundtrack zu verdanken. Mindestens jeder Ü-35-Ossi kennt die Popsongs „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“, die Gotthardt auf Ulrich Plenzdorfs Liedtexte für die damals noch unbekannten Puhdys schrieb. Die Band hatte Gotthardt im Radio gehört, nicht zuletzt mochte er Dieter „Maschine“ Birrs rauchige Stimme. Der Komponist spielte übrigens selbst in dem Defa-Hit mit – einen Geiger.

Musik mit der „Wirkung internationaler Superhits“ zu schaffen, sei kein Zuckerschlecken, sondern im konkreten Fall von „Paul und Paula“ ein halbes Jahr lang „harte Arbeit“ gewesen, erinnerte sich Gotthardt am Donnerstagabend im mittelgut gefüllten Kinosaal des Babelsberger Filmgymnasiums. Uwe Fleischer, der Filmkoordinator der Schule, hatte den 74-Jährigen eingeladen. Gotthardt berichtete anhand von Bild- und Tonhäppchen von seinem reichen Schaffen, das nach dem Studium an der Berliner Hochschule für Musik „Ernst Busch“ mit der Komposition zur Dokumentation „Studentinnen“ (1965) von Winfried Junge begann, der seinerseits mit dem Langzeitprojekt „Die Kinder von Golzow“ berühmt wurde.

Mehr als 500 Filmmusiken komponierte Gotthardt. 1968 begann mit „Die Russen kommen“ seine fruchtbare Zusammenarbeit mit Heiner Carow, an deren Ende sechs gemeinsame Filme standen. „Heiner hat mir immer vertraut.“ Doch viele Regisseure haben „keine Ahnung von Musik“, bedauerte Gotthardt.

Immer wieder gewünscht wurden Kompositionen, die sich an Welthits anlehnen. „Wenn man Erfolg haben will, muss man etwas machen, das die Leute schon ein bisschen kennen.“ Die Welthits tatsächlich zu nehmen, sei bei Minutenpreisen von bis zu 20 000 Euro jedoch kaum erschwinglich. Für den Defa-Film „Käthe Kollwitz – Bilder eines Lebens“ (1987) wollte Gotthardt die „Metarmorphosen“ von Richard Strauß nutzen – zu teuer. „Also habe ich ein paar Takte raus- und eine Oboe dazu genommen, die Musik neu produziert.“ Daraufhin habe es Ärger mit Strauß’ Musikverlag gegeben. Glücklicherweise existiert im Urheberrecht ein Passus, der das „Umarbeiten“ gestattet, wenn ein ähnlicher philosophischer Zusammenhang – hier von Musik und Filminhalt – besteht.

„Komponieren ist die Auswahl aus dem Chaos“, aus der Fülle von Möglichkeiten, charakterisierte Gotthardt seine Arbeit. Einem Bild kann eine Sekunde reichen, um zu wirken. Doch was bedeutet eine Sekunde Musik? „Die ist einfach weg.“ Wie ein Fingerschnipp, zack. „Musik braucht Platz, um sich entfalten zu können“, sagte der Berliner.

Von Ricarda Nowak

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