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Potsdam Kontaktbeschränkungen verschärfen Gewalt gegen Frauen
Lokales Potsdam

Kontaktbeschränkungen verschärfen Gewalt gegen Frauen

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10:30 25.11.2020
Die Fälle von Körperverletzungen und sexueller Gewalt gegen Frauen in Brandenburg haben deutlich zugenommen.
Die Fälle von Körperverletzungen und sexueller Gewalt gegen Frauen in Brandenburg haben deutlich zugenommen. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
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Potsdam

Die aktuellen Kontaktbeschränkungen verschärfen die Lage für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Das teilt Rosemarie Priet, Leiterin der Opferhilfe Land Brandenburg e.V. in einer Pressemitteilung der Stadt Potsdam am Mittwoch zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen mit. Besonders im Frühling 2020 sei ein Anstieg der Gewalt zu verzeichnen gewesen. So suchten laut Priet nach dem Ende des ersten Lockdowns in den Monaten Juni und Juli mehr als doppelt so viele Betroffene Unterstützung in der Potsdamer Opferberatungsstelle/Traumaambulanz als im vergleichbaren Zeitraum der vorangegangenen Jahre.

Im Frauenhaus Potsdam zeigt sich laut Stadt folgende Situation: Fast die Hälfte der Bewohnerinnen im Jahr 2020 haben das Frauenhaus vor dem 1. Lockdown bezogen (48 Prozent). Während des 1. Lockdown konnten keine verstärkten Anfragen verzeichnet werden (18 Prozent). Nach den ersten Lockerungen kam es jedoch zu vermehrten Anfragen und Aufnahmen (30 Prozent).

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„Gewaltausübung ist nicht hinnehmbar“

Immerhin: Die Leiterin der Frauenberatungsstelle Potsdam, Katrin Buschmann sagt, dass die mediale Aufmerksamkeit zu häuslicher Gewalt während der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen dazu geführt habe, dass insbesondere das gesellschaftliche Umfeld gegenüber Gewaltausübungen sensibler geworden sei. „Wir als Beratungsstelle können gewaltbetroffenen Frauen nur helfen, die auch ermutigt sind, sich Hilfe zu suchen“, sagt sie. „Dazu können wir als Gesellschaft und damit jede und jeder Einzelne von uns beitragen: Gewaltausübung ist nicht hinnehmbar, weder im öffentlichen noch im privaten Raum. Wir hoffen, dass diese Botschaft aktuell bleibt - auch nach Corona.“

Um ein Zeichen gegen die Gewalt zu setzen, wird laut Stadt am Mittwoch zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen vor dem Potsdamer Rathaus die Fahne „Wir sagen NEIN! zu Gewalt gegen Frauen!“ gehisst. Damit möchten die Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth der Landeshauptstadt sowie der Arbeitskreis Opferschutz sich solidarisch an die Seite betroffener Frauen und Mädchen stellen. „Die alljährliche Kampagne soll Frauen Mut und Hoffnung geben, sich anzuvertrauen. Gewalt gegen Frauen ist immer noch ein Tabuthema, betroffene Frauen schweigen oft aus Scham. In Zeiten der Corona-Pandemie nimmt die Kampagne einen besonders hohen Stellenwert ein, denn Corona verschärft das Problem“, so Trauth.

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Mehr Anrufe beim bundesweiten Hilfetelefon

Wie der Mitteilung der Stadt zu entnehmen ist, zeige auch der Anstieg von Anrufen beim bundesweiten Hilfetelefon die Verschärfung der Situation. Ebenso verzeichnet die Polizeistatistik Potsdam (POLAS) die Zunahme von häuslicher Gewalt. Im Zeitraum 1. März 2020 bis 22. Juli. 2020 gab es insgesamt 1.840 Vorgänge im Kontext „Häusliche Gewalt“. Damit wurden 332 Fälle bzw. 22,0 Prozent mehr registriert als im Vorjahreszeitraum (2019: 1.508 Fälle). Dazu zählen auch 28 Fälle gemäß Gewaltschutzgesetz (2019: 29 Fälle).

„Von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen sollen nicht länger alleine bleiben. Wir möchten betroffenen Frauen und Mädchen Mut machen, ihr Schweigen zu brechen und sich Hilfen anzuvertrauen“, sagt Trauth dazu. In dem Zusammenhang hat die Opferhilfe Land Brandenburg e.V. landesweit eine Plakataktion zur medizinischen Soforthilfe und vertraulichen Spurensicherung nach Vergewaltigung gestartet. Laut Stadt ist die medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung, die beispielsweise im Klinikum Ernst-von-Bergmann angeboten wird, kaum bekannt.

Hier gibt es Hilfe:

Bundesweites Hilfetelefon: 08000 116 016

Opferberatung/Traumaambulanz Potsdam: (0331) 280 2725

Beratungsstelle für Frauen und Mädchen Potsdam: (0331) 974695

Frauenhaus Potsdam: (0331) 903013

Weißer Ring Potsdam: (0331) 291273

Von MAZonline