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Potsdam Krampnitz: Schießplatz macht Krach bis Potsdam
Lokales Potsdam Krampnitz: Schießplatz macht Krach bis Potsdam
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09:49 16.02.2015
Demo an der B2 gegen einen Schießplatz in Krampnitz. Quelle: Christel Köster
Potsdam, Krampnitz

Der geplante Schießplatz in der Döberitzer Heide bei Krampnitz weckt Ängste in der Bevölkerung der Nachbarorte. Gegen die Aufrüstung des bestehenden Truppenübungsgeländes protestierten deshalb am Samstagmittag knapp 50 Menschen aus den umliegenden Ortsteilen Groß Glienicke und Sacrow, auch aus Potsdam. Sie forderten von der Bundeswehr und der Landesregierung den Verzicht auf das Projekt und Informationen über das, was wirklich geplant ist. Bislang weiß man, dass irgendwo auf dem weitläufigen Areal an der Bundesstraße 2 eine Sammelschießanlage mit fünf Kurz- und sechs Langbahnen entstehen soll, auf denen Soldaten trainieren sollen. Die Rede war bislang von Handfeuerwaffen, Initiativsprecher Jan Dahlgrün spricht dagegen von Kleinwaffen, worunter auch Maschinenpistolen, schwere Maschinengewehre, Panzerfäuste und Granatwerfer zu verstehen seien, sagte er.

Truppen in der Döberitzer Heide

  • Die erste militärische Nutzungdes Geländes um das Dorf Döberitz wurde 1713 unter Friedrich Wilhelm I. aufgezeichnet. Im September 1753 folgte unter Friedrich II. dort ein erstes Großmanöver mit 44.000 Soldaten.
  • Das Areal war bis 1896 bewaldet und wurde bis 1992 als Manöverareal genutzt. Truppenübungsplatz wurde es erst 1895 unter Kaiser Wilhelm II. Es war das Übungsgelände für die Garderegimenter des Kaisers.
  • In der Nacht zum 13. März 1920 marschierte die Freikorps-Brigade Ehrhardt von hier nach Berlin und besetzte im Kapp-Putsch die Stadt.
  • Auch während des Zweiten Weltkrieges wurde der Truppenübungsplatz weiter ausgebaut.
  • 1947 übernahm die Rote Armee das Areal. Bis zu 20.000 Soldaten waren dort untergebracht.
  • 1992 endete die militärische Nutzung mit dem Abzug der Truppen. Seit 1996 nutzt die Bundeswehr (Garnisonen Berlin-Spandau und Potsdam) im Süden einen etwa 600 Hektar großen Teil des Geländes als Standortübungsplatz für Kraftfahrzeuge.

Dafür gebe es etwa in Lehnin bei Brandenburg einen technisch bestens ausgestatteten Übungsplatz, sogar mit eigener Feuerwehr, erklärte Norbert Müller, Bundestagsmitglied der Linken. Den Soldaten sei es egal, ob sie nach Lehnin oder Potsdam fahren; es bestehe gar kein Bedarf, auch einen Schießplatz bei Potsdam zu schaffen. Er habe die Landesregierung Brandenburg gefragt, welchen militärischen Sinn es gebe für den Schießplatz, sagte Müller, und die ausweichende Antwort bekommen, es gebe einen: „Nur welchen?“ Müller warnte insbesondere vor der Schallverstärkung durch den nahe liegenden See und forderte Einsicht in das von der Bundeswehr beauftragte Schallschutzgutachten.

„Das wird wie Krieg“, erklärte der ehemalige Bundeswehr-Zeitsoldat Thomas Kamm, der in Beelitz stationiert war und ein Knalltrauma von einer abgefeuerten Panzerfaust erlitten hat. Er hat in seiner aktiven Zeit beim Militär oft Nachtschießübungen mit Leuchtspurmunition absolviert: „Wenn eine ganze Kompanie den Feuerüberfall trainiert, wird man das bis Potsdam hören“, sagte er voraus: „Vor allem die 7.62er machen einen Höllenlärm. Da fallen einem die Ohren ab.“

Der frühere Grünen-Stadtverordnete Andreas Menzel möchte eine dauerhafte Bürgerinitiative gegen den Schießplatz etablieren und über einen Antrag im Ortsbeirat Groß Glienicke Oberbürgermeister Jann Jakobs auffordern lassen, Handlungsmöglichkeiten gegen das Projekt zu prüfen. Die auf einem Parkplatz am Eingang zum Naturpark Döberitzer Heide protestierenden Bürger wollen ihre Mahnwachen montags in Potsdam fortsetzen: am Landtag.

Von Rainer Schüler

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