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Potsdam Süße Träume vor dem Abriss
Lokales Potsdam Süße Träume vor dem Abriss
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12:27 29.11.2017
Die etwa 50 Mitglieder zählende "Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz" verbrachte die Nacht im ungeliebten Mercure-Hotel.
Die etwa 50 Mitglieder zählende "Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz" verbrachte die Nacht im ungeliebten Mercure-Hotel. Quelle: Jacqueline Schulz
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Potsdam

Das seit 1991 vom jeweiligen Bundesbauminister berufene Gremium kam erstmals zum Jahresauftakt nach Potsdam. Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) merkte bei seiner vormittäglichen Führung über den Alten Markt kritisch an, dass die etwa 50 Mitglieder zählende Arbeitsgruppe die Nacht zuvor im ungeliebten Mercure-Hotel verbracht hatte. Dafür, so Klipp, müsste man eigentlich eine Strafe überlegen, denn mit der Nachfrage steige der Marktpreis des Grundstücks. Leidtragend wäre die Stadt, falls sie das 1969 errichtete Hochhaus eines Tages erwerben sollte, um es abzureißen. Klipp ironisch: "Herzlichen Dank vom Kämmerer!"

Michael Bräuer als Vorsitzender der Expertengruppe gestand auf MAZ-Nachfrage freimütig, dass er für die Buchung des Mercure-Hotels verantwortlich sei. Schließlich habe man von dort den besten Blick auf die historische Innenstadt. Thomas Dienberg, Stadtbaurat in Göttingen, sagte zum Ende des einstündigen Rundgangs sogar: "Wenn es hilft den Abriss zu verhindern, müsste man noch eine Nacht dranhängen." Ihm hatte sich der Eindruck vermittelt, dass die Stadt in ihrem Zentrum dabei sei, die Zeitschicht der DDR "wie eine Zwiebelschale völlig auszulöschen".

Zu den in diesem Jahr anstehenden Vorhaben zählt laut Klipp ein Werkstattverfahren zum Lustgarten, das mit Blick auf das Mercure-Hotel nicht als reine Abrissdiskussion geführt werden solle. Der Baudezernent verteidigte allerdings den von ihm bereits geäußerten Vorschlag, das Hotel zu erwerben und abzureißen. Nach seiner Ansicht sei es beim Mercure ebenso legitim, dafür öffentliche Mittel einzusetzen, wie beim Gebäude der Fachhochschule, beim Rechenzentrum an der Ecke Breite/Dortustraße oder bei dem schon vor einiger Zeit abgerissenen Gebäude der Wasserwirtschaft an der Ecke Friedrich-Ebert-/Schlossstraße.

Der Baudezernent beklagte, dass vom Land sowohl der Abriss des Rechenzentrums als auch der Fachhochschule auf 2017 verschoben worden sei. Angesichts der Fertigstellung des Stadtschlosses und der Baufortschritte an der Alten Fahrt könne er sich "nicht vorstellen, noch vier Jahre mit diesem Bruch" zur anderen Seite des Alten Marktes zu leben. Durch das Gebäude der Fachhochschule seien gleich zwei Quartiere blockiert, die als nächste in Annäherung an die historischen Straßenzüge bebaut werden sollen. Die Frage aus der Besuchergruppe betraf dann aber nicht die geplante Neubebauung, sondern die Gründe für den Abzug studentischen Lebens aus der Innenstadt. Mit Blick auf den Wohnblock am Staudenhof und das Fachhochschulgebäude sprach eine Teilnehmerin von Leitbauten aus der DDR-Zeit. Der Staudenhofblock mit seinen 182 kleinen Wohnungen soll laut Klipp erhalten bleiben. Ohnehin sei mit der benachbarten, zum Bildungsforum umgebauten Stadt- und Landesbibliothek zum Platz der Einheit hin bereits "eine bestimmte Großmaßstäblichkeit" vorhanden.

Das restliche Quartier zwischen Alter Fahrt, Friedrich-Ebert-Straße und Platz der Einheit hingegen soll sobald wie möglich nach dem Leitbautenkonzept entwickelt werden. Bekanntlich geben dabei markante Eckhäuser teils mit rekonstruierten Fassaden der historischen Vorgängerbauten die alten Straßenzüge vor. Die Nachfrage nach Baugrundstücken in diesem Quartier sei insgesamt groß, so Klipp. Allein bei den Nachbargrundstücken des Bildungsforums werde es "sehr schwer" werden, Bauherren zu finden.

Von Volker Oelschläger

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