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Potsdam Gebürtige Potsdamerin erinnert mit ihrer Kunst an den Krieg
Lokales Potsdam Gebürtige Potsdamerin erinnert mit ihrer Kunst an den Krieg
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19:56 12.07.2019
Die Künstlerin Franek posiert im Potsdam Museum im Rahmen ihrer neuen Ausstellung für die Kamera. Quelle: Foto: Friedrich Bungert
Innenstadt

Am Tag ihrer Geburt rief die Mutter den Vater an: „Es geht los.“ Er antwortete: „Das weiß ich schon.“ Lore Koch meinte die bevorstehende Entbindung, Offizier Koch den Zweiten Weltkrieg. Mit dieser Episode beginnt die Malerin, Zeichnerin und Grafikerin Franek die Lesung zur Eröffnung ihrer Ausstellung „Als die Soldaten Schäfer waren“ in der Medienlounge des Potsdam Museums am Donnerstagabend. Franek ist am 1. September 1938 in Potsdam geboren, ein Datum, so erzählt sie, das ihr zeitlebens Unbehagen bereitet hat.

Die Künstlerin Franek hat eine Ausstellung im Potsdam-Museum gestaltet. Quelle: Friedrich Bungert

Bereits als Kind in Potsdam, später in Göttingen und im Ruhrgebiet, wohin die Mutter mit fünf Kindern noch vor der furchtbaren Bombennacht im April 1945 geflüchtet war, hat sie gern gezeichnet und Tagebuch geführt. Der Besuch der ersten Documenta im Jahr 1955 beeindruckte sehr. „Zum ersten Mal habe ich Originale gesehen“, erinnerte sie sich.

Beruflich Lehrerin mit Leidenschaft für Kunst

Nach dem Abitur 1959 bewarb sie sich an der Hochschule der Künste in Berlin und wurde aus 280 Bewerbern ausgewählt. Sie wurde Meisterschülerin, hatte frühzeitig große Ausstellungen, heiratete einen Künstler, bekam zwei Kinder und entschloss sich dann – „zumindest ein geregeltes Einkommen war damals wichtig“ – Lehrerin zu werden. Mit zwei kleinen Kindern erwarb sie das zweite Staatsexamen, war mit 27 Jahren Studienrätin, hatte Pensionsansprüche, doch die Kunst ließ sie nicht los.

„Ich habe das Risiko, dies alles aufzugeben, nie bereut“, betont sie. Sie habe das Glück gehabt, Stipendien zu bekommen, arbeitete in den 70er und 80er Jahren an einem Mayaprojekt, assistierte der Mathematikerin Maria Reichel in Peru bei der Vermessung von Erdzeichen und arbeitete bei Indianern.

Themen Krieg, Kindersoldaten und Kriegsspielzeug

Mit dem Blick zurück auf ihr Werk fragte sich Franek irgendwann, wieso sie sich in ihren Arbeiten immer wieder mit den Themen Krieg, Kindersoldaten und Kriegsspielzeug beschäftigt hat.

Das Ergebnis ihrer Überlegungen war 2015 das Buch „Als die Soldaten Schäfer waren“. Es beinhaltet viele ihrer Werke genauso wie ihr Tagebuch, Fotos, Zeitungsausschnitte und persönliche Dinge. Einher mit dem Buch gingen große Ausstellungen in Berlin, Mühlheim, Neuss und Lüneburg.

Die Künstlerin Franek im Potsdam-Museum. Quelle: Friedrich Bungert

Die Einladung nach Potsdam hat sie gern angenommen. Doch hier ist die Ausstellung klein und intim, aber nicht weniger beeindruckend. Der Ort, die Medienlounge, erinnere sie an einen Luftschutzbunker, erläutert Franek. Ganz bewusst hat sie kleine Bilder – „Kindheitsbilder“ – ausgesucht für diesen Raum. Sie zeigt Werke, die 2013 und 2014 entstanden sind und einen Teil der persönlichen Dinge aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Spurensuche und Erinnerungsbearbeitung

Die Künstlerin begibt sich mit ihren Arbeiten nicht nur auf Spurensuche, setzt sich nicht nur mit ihren Erinnerungen auseinander. Sie findet auch Bezüge zur Gegenwart, so wie auf dem Bild, das ihren kleinen Bruder mit Augenklappe zeigt, auf dem auch ein syrisches Flüchtlingskind zu sehen ist.

Die Ausstellung ist eine Ergänzung zur Sonderschau „Umkämpfte Wege der Moderne. Geschichten aus Potsdam und Babelsberg 1914-1945“. Beide Ausstellungen sind noch bis Ende Juli zu sehen.

Von Elvira Minack

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