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Potsdam Die Welt ein kleines bisschen besser machen
Lokales Potsdam Die Welt ein kleines bisschen besser machen
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09:02 04.12.2019
Ulrike Bölter (l.) hat sich für drei Monate freistellen lassen, um im Ehrenamt bei der Tafel Potsdam helfen zu können. Auf die Idee hat sie ihre ehemalige Kollegin Tina (r.) gebracht. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Der Job, die Familie, die tausend großen und kleinen Dinge des Alltags: Nach dem Sport, denkt Ulrike Bölter (47), ist der Kopf wieder frei – sie hat die Rechnung ohne ihre Laufpartnerin gemacht. Wenn sie vom Walking mit Tina (60) nach Hause zurückkehrt, drehen die Gedanken weiter Runde um Runde um Runde. „Tina hat beim Sport immer so viel von ihrer Arbeit bei der Tafel erzählt und so davon geschwärmt“, sagt Ulrike Bölter. „Da ist in mir der Wunsch, auch etwas Soziales zu machen, immer größer geworden.“

Fahren die Lieferwagen vor, muss es wie am Schnürchen laufen

Ulrike Bölter trägt eine kuschelige Jacke, einen dicken Schal und dünne Latexhandschuhe. Es ist frisch in dem weiß gekachelten Raum, in dem sie dutzendfach Kisten stemmt. Ulrike Bölter hat sich drei Monate Auszeit von ihrer Arbeit genommen, um anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Seit dem 1. November packt sie Montag, Mittwoch und Freitag bei der Tafel Potsdam an – Vollzeit. Gerade geht durch ihre Hände, was leicht verdirbt: Milch, Joghurt, Gefrorenes, das nicht auftauen darf. Wenn die Lieferwagen vorfahren, muss es wie am Schnürchen laufen.

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Zum Glück sind Ulrike Bölter und Tina nicht nur beim Walking, sondern auch hier vor den Tafel-Kühlräumen ein eingespieltes Team. Später, wenn alles verstaut ist, wechseln die beiden die Station, dann packen sie Tüten und sind Ansprechpartnerinnen für die Tafel-Kunden, die sich einmal in der Woche ihre Lebensmittelration abholen. Bis zum Aufräumen, Ausfegen und Lichtausknipsen sind die Frauen zu Gange.

„Man sieht die Leute. Man ahnt etwas von ihrer Geschichte“

„Ich wundere mich jeden Tag, was wir hier alles schaffen“, sagt Ulrike Bölter. Hier zu sein, das ist für sie Luxus und Bedürfnis zugleich. „Man sieht die Leute. Man ahnt etwas von ihrer Geschichte und fragt sich doch, was da passiert, warum derjenige in die Armut gerutscht ist. Man sieht die Kluft zwischen den Menschen, denen es gut geht und die alles haben, und denen, die auf die Tafel angewiesen sind – und man möchte die Welt ein kleines bisschen besser machen.“

Dass sie nun die Gelegenheit dazu hat, ist einem Blickwechsel zu verdanken, der in vielen großen Unternehmen unter den Begriffen „Corporate Volunteering“ und „Corporate Citizenship“ firmiert: Die Idee, dass es ein Unternehmen einem guten, aufs Gemeinwohl bedachten Mitbürger gleich tut, stammt aus dem angelsächsischen Raum und breitet sich seit ein paar Jahren auch in Deutschland aus. Unternehmen investieren nun nicht mehr nur über Sponsoring und Stiftungen in den guten Zweck, sie bauen auch auf ihre Mitarbeiter und deren Manpower, um sich in die Gesellschaft einzubringen.

Im zweiten Anlauf hat’s mit der Freistellung fürs Ehrenamt geklappt

Ulrike Bölter ist Kundenberaterin im Business-Segment bei Vodafone: Ohne die (bezahlte) Freistellung hätte sie sich für die Tafel kaum engagieren können, sagt sie. „An einen festen Wochentag kann ich mich mit meinen Arbeitszeiten für so ein Ehrenamt nicht binden – und bis zur Rente wollte ich nicht warten.“ Von Jetzt auf Gleich klappte es aber auch in einer Firma, die mit dem Freiwilligen-Dienst schon Erfahrung hat, mit so einer Freistellung aber auch nicht, räumt Ulrike Bölter ein. „Es ist vieles zu organisieren. Und der Wunsch, im Ehrenamt zu arbeiten, muss auch gut begründet sein – im zweiten Anlauf hat’s geklappt und jetzt bin ich hier.“

Was Ulrike Bölter besonders am Herzen liegt, sind die Kinder. Für die Jungen und Mädchen, deren Familien ohne die Tafel nicht über die Runden kommen, hat sie eine Weihnachtsaktion organisiert und ihre Vodafone-Kollegen um Geschenke gebeten. Einige Weihnachtspäckchen für Tafel-Kinder schnürt Ulrike Bölter auch daheim mit ihrer Tochter (12), die sich nun von vielen Büchern, Kuscheltieren, Spielen und DVDs trennen möchte, um einem anderen Kind eine Freude zu machen. „Ich musste sie gar nicht lange überzeugen“, erzählt Ulrike Bölter: „Ich habe ihr gesagt: Es gibt Kinder, denen geht es nicht so gut wie dir – schon hat sie ausrangiert.“

Schon 2485 Euro! So können auch Sie spenden

Die MAZ sammelt für die Tafel Potsdam. Mit Ihren Spenden, liebe Leser, wollen wir beim Kauf eines Kühlwagens helfen. Wir haben jetzt 2485 Euro beisammen.

Wir bedanken uns heute bei: Beate und Werner Adam 100 Euro, Ingeborg Bathe 200 Euro Steffi und Jens Grundwald 40 Euro, Juliane Neupert 50 Euro, Monika Mielke 50 Euro, Christa Ruenger 25 Euro, Doris Kraus 30 Euro, Eberhard und Jutta Schmidt 20 Euro, Annett Schmigowski 20 Euro, Katrin Biste 30 Euro, Dietmar Fichtelmann 30 Euro, Hartmut Schenk 30 Euro, Ute Meister 50 Euro, Eva Meyer-Flittiger 50 Euro, Thomas Kessel 50 Euro, Rudolf Schuett 50 Euro, Herbert Ambros 50 Euro, Karin Kästli 70 Euro, Heike Kuehn 100 Euro, Sven Hommen 100 Euro, Karin Wiemann 100 Euro, Manfred Bockisch 100 Euro, Martin Emmendorfer 200 Euro und Volker Nitzschke 200 Euro.

Das Spendenkonto:

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IBAN: DE93 1605 0000 3502 0266 44

BIC: WELADED1PMB

Verwendungszweck: MAZ-Sterntaler

Von Nadine Fabian

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