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Potsdam Läusealarm an Potsdams Schulen
Lokales Potsdam Läusealarm an Potsdams Schulen
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09:34 24.10.2017
Gegen Kopfläuse helfen nur spezielle Haarwäschen oder -Kuren und das Auskämmen mit einem Nissenkamm. Quelle: dpa-tmn
Potsdam

Die berüchtigten Läusezettel sind vor allem in den Kitas ein immer wiederkehrendes und oft auch monatelanges Zeichen eines schwer zu lösenden Problems, ein Ärgernis für Kinder, Erzieher, Eltern. Jetzt aber werden auch die Potsdamer Grundschulen von den Plagegeistern heimgesucht. Klassenleiter verschicken Warn-Mails an die Eltern, bitten nachdrücklich um die Absuche aller Kinder, die Meldung jedes Läusebefalls und die prompte, nachhaltige Behandlung.

Das können Sie bei Läusen tun – ein Experte im MAZ-Interview

Dunkelziffer sei hoch

Im laufenden Jahr sind schon fast 550 Fälle beim Gesundheitsamt bekannt geworden, „mit derzeit steigender Tendenz“, wie die Pressestelle der Stadtverwaltung mitteilt. Die Dunkelziffer unerkannter und verschwiegener Fälle sei hoch, heißt es auf MAZ-Nachfrage. Dabei ist die Meldung an das Gesundheitsamt eine Vorschrift nach Paragraph 34 (Absatz 5) des Infektionsschutzgesetzes. Die Verwaltung räumt ein, dass das Problem nicht nur „wie üblich nach den Sommerferien stärker“ ist, sondern auch schlimmer als in den Vorjahren. Erklärungen können nicht geliefert werden.

Nicht untersucht wurde zudem, ob es im Stadtgebiet Verbreitungsherde gibt. Für die Bekämpfung sind ohnehin die Eltern allein verantwortlich. Kitas und Schulen geben Empfehlungen oder stellen sogar Forderungen, deren Sinn von Apothekern allerdings bezweifelt wird. Dass man nämlich auch Jacken, Hosen, Sofakissen, die Couch, Gardinen oder Teppiche behandeln muss, ist unsinnig, weil Läuse dauerhaft die Wärme und alle paar Stunden das Blut des menschlichen Kopfes brauchen, um zu leben. Wo sie das nicht haben, sterben sie und ihre Brut.

Die ausgewachsene Laus ist kaum drei Millimeter lang. Sie überträgt keine Krankheiten und kommt auch nicht vom Tier auf den Menschen. Quelle: picture alliance / dpa

Läuse erst nach Tag 8-10 abgetötet

Trotzdem geht man an Kitas gern auf Nummer Sicher und verpackt immer wieder das komplette Bettzeug der Kinder in Plastiksäcke, um es von den Eltern bei 60 Grad waschen zu lassen oder die Läuse durch mehrere Tage Luftabschluss zu ersticken und auszuhungern. Wenn Eltern am Folgetag der Lausentdeckung in der Gruppe oder Klasse nicht schriftlich versichern, dass sie ihre Kinder abgesucht und nichts gefunden haben, verweigert die Einrichtung die Betreuung.

Wenn Eltern tatsächlich Läuse oder deren Eier finden, müssen sie bestätigen, ihr Kind mit einem geeigneten Mittel behandelt zu haben. Nach dem fünften Tag ist das erneute Auskämmen Pflicht, zwischen dem 8. und dem 10. Tag eine zweite Behandlung. Erst dann gelten die Läuse und ihre Nissen sicher als abgetötet bei diesem Kind, doch es kann sofort erneut befallen werden.

Wie gefährlich sind Läuse eigentlich?

Läuse übertragen hierzulande keine Krankheiten. Sie wandern auch nicht vom Tier zum Menschen oder umgekehrt. Aber sie sondern beim Blutsaugen einen Speichel ab, der Juckreiz auslöst. Der Mensch kratzt sich an dieser Stelle und kratzt sie womöglich zu einer offenen Wunde auf, die sich entzünden kann.

Viele Menschen glauben und fürchten, dass sich die Läuse an Kissen, Matratzen oder Bettzeug festhalten können. Das stimmt nicht, auch wenn es logisch scheint. Die kleinen Biester haben jedoch äußerst kräftige Widerhaken an ihren Beinchen, mit denen sie großen Belastungen standhalten. Sie können sich sogar bei „Angriffen“ mit Wasser oder Heißluft an den Haaren ihres Wirts festklammern, und nur selten fällt dabei eine Laus herab. Das gilt auch für die Eier, Nissen genannt. Die werden von den Weibchen mit einem wasserunlöslichen Klebstoff nahe der Kopfhaut an einzelnen Haaren befestigt.

An Kissen halten sich die Krabbeltiere eher nicht fest, denn ohne ihre regelmäßige Blutmahlzeit, die ausschließlich vom Kopf des Menschen erfolgen kann, würden sie in kurzer Zeit schwach und bewegungsunfähig werden und schließlich sterben. Die Laus tut alles, um den Kopf ihres Wirts nicht verlassen zu müssen und wird nicht versuchen, sich an Kissen, Matratzen oder ähnlichem festzuhalten.

Das etwa einmonatige Läuseleben beginnt mit einem Ei, das schlecht zu sehen ist: Es ist nur 0,8 bis 1 Millimeter groß. Nach sieben bis zehn Tagen schlüpft daraus die Nymphe und lässt ihr Ei zurück, die Nisse. Neun bis elf Tage später ist die Laus ausgewachsen und bis zu drei Millimeter lang. Erwachsene weibliche Läuse legen bis zu zehn Eier täglich. Die brauchen die Wärme des menschlichen Kopfes, um die Nymphen schlüpfen zu lassen; ohne diese Wärme schlüpfen sie nicht. Gleich nach der „Geburt“ brauchen sie menschliches Blut, ohne dieses Blut sterben sie.

Die erwachsenen, sechsbeinigen Läuse können ohne Wirt keine 55 Stunden überleben; bei der Bekämpfung sind sie das geringere Problem. Das weitaus größere sind überlebende Eier, die im ersten Angriff durch ein Läusemittel meist nicht hundertprozentig abgetötet werden. Deshalb muss der Angriff nach acht bis zehn Tagen wiederholt werden. Dass Läuse und ihre Eier über Gegenstände übertragen werden, ist extrem selten.

Chemische Mittel greifen das Nervensystem der Läuse an und lähmen die Tiere, die dann sterben. Viele dieser Mittel werden zum Beispiel aus Chrysantemen-Blüten gewonnen doch sind manche Menschen gegen diesen Wirkstoff allergisch.

Außerdem entwickeln die Läuse Resistenzen gegen den weit verbreiteten Wirkstoff Permethrin; Studien aus Großbritannien zeigen, dass die Wirksamkeit inzwischen nur noch bei etwa 40 Prozent liegt.

Die physikalischen Mittel greifen nicht den Organismus der Laus an, sondern umschließen sie und blockieren ihre Atemöffnungen; das Tier erstickt. Resistenzen und allergische Wirkungen auf Menschen sind nicht bekannt.

Auch Pflanzenöle aus Kokos, Soja und Oliven, aus Lavendel, Rosmarin, Geranie oder Eukalyptus können eine solche erstickende Wirkung haben, doch existieren dazu keine Studien. Saunabesuche hingegen fördern die Verbreitung eher.

Größere Säuberungsaktionen und die Anwendung von Insektiziden in der Wohnung sind absolut unnötig, denn sie kosten nur Zeit und Energie. Und weil es sich um Gifte handelt, sind sie sogar eher schädlich.

„Bei uns muss der betroffene Schüler abgeholt werden“

„Bei uns muss der betroffene Schüler abgeholt werden“, berichtet Sabine Hummel. Leiterin der Rosa-Luxemburg-Schule: „Wir sind da sehr akribisch, schicken sofort Elternbriefe raus.“ Die Elternvertretung diskutiere sogar, ärztliche Atteste für Läusefreiheit einzufordern. Alle Fälle werden dem Amt gemeldet, mit Namen und Adresse. „Und die Eltern werden gefragt, was genau sie unternommen haben.“

In der „Luxemburg“ haben die Kinder Einzelspinde, so dass eine Übertragung etwa von Mütze zu Mütze ausgeschlossen ist. Stets sind Hummel zufolge die ersten und zweiten Klassen betroffen: „Es hält sich hartnäckig.“ Der Aufenthalt in Sommerferienlagern ist für Hummel die einzige Erklärung, warum es zum Schuljahresstart immer am schlimmsten ist. „Auf jeden Fall sind Läuse kein Zeichen von Verwahrlosung und nichts, wofür Eltern sich schämen müssten“, sagt sie. „Läuse zu haben, hat nichts zu tun mit mangelnder Körperpflege.“

Von Rainer Schüler

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