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Potsdam Familie will mit dem Geiselnehmer zusammenleben
Lokales Potsdam Familie will mit dem Geiselnehmer zusammenleben
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16:07 26.11.2019
Auch am 2. Verhandlungstag war der wegen Geiselnahme seiner Stiefkinder angeklagte Vakha K. um größtmögliche Anonymität besorgt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

„Ich weiß, dass in diesem Land die Drohungen gegenüber Kindern sehr ernst genommen werden, das habe ich ausgenutzt.“ Am zweiten Prozesstag gegen den Tschetschenen Vakha K., dem vorgeworfen wird, die drei Kinder seiner Ehefrau im Mai als Geiseln genommen zu haben, versuchte die Geschädigte, die Schuld auf sich zu laden. Denn nach einem einleitenden Geständnis des Angeklagten und übereinstimmenden Zeugenaussagen ging es den Richtern am Dienstag vornehmlich um die Frage, wie groß der Druck auf die Mutter gewesen sei und wie stark sie gelitten habe. In genau diesem Punkt widersprach sich Vera Y. jedoch gegenüber früheren polizeilich festgehaltenen Aussagen.

Lesen Sie über den ersten Prozesstag:

Um Scheidung zu verhindern: Stiefvater nimmt drei Kinder als Geiseln

Kinder aus dem Schulunterricht geholt

Die 39-Jährige sagte als Zeugin am Landgericht Potsdam aus. Seit der gemeinsamen Flucht nach Deutschland 2014 lebten sie ausschließlich in Heimen, was bei ihr und ihrem zehn Jahre jüngeren Mann zu psychischen Problemen geführt habe. Aufgrund früherer Auseinandersetzungen lebte sie inzwischen mit den Kindern (10, 12, 13 Jahre) in einem Frauenhaus. Am Tatmorgen holte Vakha K. die Kinder seiner Frau aus erster Ehe aus der Schule ab und forderte, Vera Y. solle die angedrohte Scheidung zurückziehen und ihm ein eigenes Kind gebären.

Per Sprachnachricht drohte er, sonst die Kinder zu ertränken. Sie sei seiner Forderung jedoch nicht nachgekommen, weil er sich am Telefon nicht normal angehört habe, was sie auf seinen anhaltenden Drogenkonsum zurückführte. Stattdessen ließ sie über die Sozialarbeiter des Frauenhauses die Polizei rufen, die ihren Mann vor der Schule umkreiste und festnahm.

Trennung, um eigene Wohnung zu erhalten

Sie liebe ihn sehr und habe mit der Scheidung nur gedroht, sagte Vera Y. vor Gericht. Denn sie habe eine fiktive Scheidung vollziehen wollen, um eine eigene Wohnung zu bekommen. So habe man sich letztlich einvernehmlich getrennt, mit dem Ziel später in Berlin zu wohnen. „Ich bin daran schuld, dass ich den Umzug wollte. Ich konnte es in dem Heim nicht mehr aushalten.“ Vakha K., der aufgrund früherer Vorfälle Hausverbot im Frauenhaus hatte, habe ihr eine zusätzliche Beleidigung zugefügt: Der tief gläubige Muslim habe noch eine Frau heiraten wollen. „Deshalb wollte ich ihm wehtun.“

Ehefrau verweigert später die Aussage

Dem vorsitzenden Richter, der zunächst mit der Bemerkung „eine Partnerschaftsberatung kann ein Gericht nicht leisten“, die Hintergrundinformationen eindämmen wollte, appellierte mehrfach an die Vera Y., bei wahrheitsgemäßen Aussagen zu bleiben – denn sie widersprach ihren bei der Polizei gemachten Angaben und auch anders lautenden Zeugenaussagen. Demnach habe sie große Angst um die Kinder gehabt. Schließlich rief der Richter eine Sitzungspause ein, in der die Verteidigerin des Ehemannes Vera Y. nochmals über die Rechtsfolgen aufklären sollte. Denn: „Es sieht ziemlich danach aus, dass sich ein neues Strafverfahren daraus entwickelt“, sagte der Richter. Nach der Unterbrechung machte die Frau von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und wurde verabschiedet.

Auch Selbsttötung angedroht

In der Auslassung des Angeklagten, die die Verteidigerin zu Beginn vorlas, klangen die Familienverhältnisse anders. Gemäß Vakha K. habe seine Frau in die Heimat zurückkehren wollen, um mit seiner Mutter zu leben. Der durchgehend auf den Boden blickende Angeklagte, versprach in der Erklärung, ab jetzt alle Entscheidungen seiner Frau zu akzeptieren. „Allah hat mich erniedrigt“, sagte er bei der Befragung durch den Richter, „ich gestehe alles, was passiert ist.“

Am Vortag habe er etwas Drogen genommen; ein Whatsapp-Foto zeigte aber auch seine Hand voll mit Tabletten, mit denen er sich selbst habe richten wollen. Er habe Allah gebeten, für sich zu entscheiden, „das war der Tag, an dem ich im Gefängnis landete.“ In der Folge wurden verschiedene Zeugen angehört, die insbesondere den auf die Mutter ausgeübten Druck und ihre Gemütsverfassung beschreiben sollten, was über das Strafmaß entscheidet. Die Verhandlung wird am 3. Dezember fortgeführt.

Von Gabriele Spiller

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