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Potsdam Im Test: So fährt sich das neue Lastenrad in Potsdam
Lokales Potsdam Im Test: So fährt sich das neue Lastenrad in Potsdam
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17:59 24.07.2019
MAZ-Volontär Jan Russezki hat den Test gemacht. Quelle: foto: Varvara Smirnova
Potsdam

Das Kind quengelt und ausgerechnet heute, wenn zwei Getränkekisten aus dem Supermarkt mit müssen, ist der Parkplatz hunderte Meter entfernt. Das könnte ein Ende haben: Potsdam soll bald eine Lastenrad-Flotte bekommen. Wie sich die Fahrräder fahren, hat die MAZ getestet.

Ausleihen:

Sich ein Lastenrad zu leihen ist nach einer Anmeldung nicht nur kostenlos, sondern auch ziemlich einfach. Auf der Internetseite der „Flotte Berlin“ sind alle Lastenräder in einer übersichtlichen Karte in Berlin und Potsdam aufgelistet. Ein Klick auf das Rad der Wahl, ein zweiter auf einen freien Tag im Kalender und die Ein- bis Dreitagesmiete bestätigen.

Bei der Abholung noch schnell das Übergabeprotokoll unterschreiben und schon kann es losgehen. Ebenso schnell ist das Protokoll bei der Rückgabe unterschrieben. Einziger Nachteil: In Potsdam stehen bisher nur zwei Lastenräder zur Verfügung. Ein Zweirad am Alnatura-Geschäft im Holländischen Viertel und ein Dreirad in der Pedales Radstation in der Südlichen Innenstadt.

Fahrgefühl:

Das zweirädrige und 2,50 Meter lange Lastenrad „Fritz“ zu fahren, fühlt sich an, wie das erste Mal ohne Stützräder. Etwas wackelig werden weite Kurven gefahren, weil die Angst umzukippen, doch groß ist. „Das Fahrrad fährt sich wie ein Panzer“, sagt der Alnatura-Mitarbeiter, der das Lastenrad übergibt – und er hat Recht. Auf einem vier Meter breiten Weg lässt sich das Lastenrad nicht in einem Zug wenden. Auch beim Lenken stellt sich das Gefühl ein wie mit einem Boot zu schwimmen. Zu einer kurzen Testfahrt auf einem Parkplatz ist geraten, bevor es in den Verkehr geht. Die ersehnten Stützräder, sind dann schnell wieder vergessen.

"Fritz" heißt eigentlich "Long Harry" und macht mit 2,50 Metern Länge seinem Namen Ehre. Das Lastenrad hat acht Gänge und eine Ladekiste in die ein Kasten Bier und ein Kind gleichzeitig passen. Quelle: Jan Russezki

Wirklich schnell ist man mit „Fritz“, der eigentlich „Long Harry“ heißt, nicht unterwegs. Die acht Gänge sind komfortabel, aber eher zum Gleiten als zum Rasen gedacht. Das passt zu einem Lastenrad. Auch, dass man nur frühzeitig erkannten Hindernissen ausweichen kann. Kurzer Slalom oder spontane Richtungswechsel sind nicht möglich.

Sicherheit:

Auch mit einem auffälligen Lastenrad ist man zwischen Autos und Bussen nicht ganz ungefährlich unterwegs. Mit „Fritz“, der seine eine Meter lange Ladekiste vor dem Fahrer hat, kommen allerdings noch einige, nicht ganz unerhebliche Sicherheitsaspekte hinzu.

Steht man mit dem vorderen Reifen am Bordstein und möchte die Straße überqueren, hat man schnell das Probleme den Verkehr nicht einsehen zu können. Der Fahrer sitzt nämlich rund zwei Meter hinter dem Bordstein und blickt damit in Potsdam oft auf Gebüsche und parkende Autos. Ampeln sind da die Überquerungsstellen erster Wahl.

Auch das Handzeichen zum Abbiegen gestaltet sich im Test schwierig. Wer ohnehin wackelig und nicht ganz so sichere Kurven fährt, der möchte beim Abbiegen lieber beide Hände am Lenkrad haben. Mit der Fahrerfahrung könnte sich das jedoch legen.

Transport:

Die Aufgabe, wofür das Lastenrad gebaut wurde, erfüllt es bestens. Direkt vor dem Supermarkt geparkt, passen in die Ladekiste gut zwei Getränkekisten – oder auch nur eine, wenn stattdessen ein Kind mit möchte. Denn in der Kiste gibt es eine kleine klappbare Holzbank samt Sicherheitsgurt.

Bequem ist die Holzklasse wahrscheinlich nicht, dafür spaßig: Das ungefederte Fahrrad schüttelt auf Kopfsteinpflaster Kind und Getränke ordentlich durch. Rausfallen kann aber nichts. Eine Regenplane lässt sich über die Kiste ziehen. Das Kind kann dabei ausgespart werden.

Neben einer Kiste Bier kann das Kind in der Ladekiste des „Fritz“ seine Haare im Fahrtwind wehen lassen – oder die Zimmerpflanze. Quelle: Jan Russezki

Vollbeladen trägt die 50 Zentimeter breite Kiste 80 Kilogramm. Der Gepäckträger hält weitere 50 Kilogramm aus. Doch schon mit weniger wird das Anfahren eine kleine Herausforderung.

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Von Jan Russezki

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