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Potsdam So leben die Bewohner in der Nutheschlange
Lokales Potsdam So leben die Bewohner in der Nutheschlange
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10:00 11.05.2019
Ein Leben in der Nutheschlange: Bewohnerin Bettina Unruh (75) zog 2004 in den Komplex in Zentrum-Ost. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Als Bettina Unruh vor 15 Jahren zum ersten Mal durch die Nutheschlange ging, war sie überwältigt: „Es blühte, es war so wunderschön. Und das hier mitten in der Stadt“, sagt Unruh. An einem Balkon hing noch die Weihnachtsbeleuchtung – mitten im Hochsommer. „Da hat meine Freundin zu mir gesagt: Das ist so verrückt hier. Das passt zu dir“. Und es passte. Seit 2004 lebt die 75-jährige Rentnerin in der Nutheschlange, Potsdams wohl ungewöhnlichstem Wohnkomplex. Die Gebäudereihen winden sich wie eine 500 Meter lange Schlange direkt entlang der Schnellstraße in Zentrum-Ost.

Grüne Idylle mitten in der Stadt: Der Häuserkomplex an der Schnellstraße ist mehr als ein Schallschutz vor dem Autolärm. Zwischen Pflanzen, Teich mit Fontänen und Balkonen hat sich eine gute Nachbarschaft entwickelt.

Wer in einer der vielen Balkonwohnungen lebt, kann durch die Glasfront im Treppenhaus oder durch die Wohnungsfenster direkt auf die Straße gucken. Die Kinder in den Nachbarwohnungen rund um Bettina Unruh drücken sich stundenlang die Nase an den Scheiben platt, beobachten den Verkehr, merken sich Automodelle. Und wenn die Polizei einen Blitzer aufgestellt hat, zählen sie die Raser.

Wer die Fenster schließt, hört von der Straße fast nichts mehr

Vor allem aber hören sie dabei so gut wie nichts. Wer die Fenster zur Straße schließt, bekommt vom Motorenlärm kaum etwas mit. Die Reihen sind so verwinkelt gebaut, so gewitzt konstruiert, dass sie den Schall beinahe ideal absorbieren. In den meisten Wohnungen ist es leise wie in einem Altbau einer verkehrsberuhigten Nebenstraße. Nur wer im hinteren Teil der Schlange ganz oben wohnt, hört die Straße deutlich.

Einen Blick ins Grüne aber haben sie alle. Die Wohnungen der Nutheschlange haben die Straße im Rücken, die Balkone aber gehen hinaus auf die Spielstraße, hinaus in den Hof mit den Blumen- und Pflanzenbeeten, den Bäumen, dem angelegten Teich mit Fontäne. Die Wohnungen haben große Fensterfronten, sind hell und durch die eigenwillige Architektur der gesamten Schlange auch eigenwillig geschnitten. „Ich könnte mir gar nicht mehr vorstellen, in einer Wohnung mit quadratischen Zimmern und niedriger Decke zu wohnen“, sagt Bettina Unruh.

Die offenen Wohnungen fördern das Miteinander

 Jeden Tag geht sie mit ihrem Mops durch die Nutheschlange spazieren, jeden Tag wird sie von den Nachbarn gegrüßt. Denn die Architektur der offenen Wohnungen fördert das Miteinander. Wer auf seinem Balkon steht, kommt mit dem Nachbarn fast zwangsläufig in Kontakt. „Wer sich abschotten will und lieber seine Ruhe hat, ist hier vielleicht nicht so gut aufgehoben“, sagt Anja Laabs. Für alle anderen aber entstehe eine Nachbarschaft, wie man sie sich wünsche – multinational, generationsübergreifend und inklusiv.

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 „Wir kennen uns, wir feiern miteinander. Es ist eine grüne Idylle hier“, sagt Laabs. Die Tierärztin wohnt seit rund neun Jahren mit ihren zwei Kindern in der Schlange. Für die beiden ist es ideal – sie gehen zu den Schulen in der Nähe und können auf der Straße spielen. Überhaupt: Wer durch die Schlange geht, sieht fast immer Kinder spielen, Katzen durch die Pflanzen streifen, Menschen, die sich über die Balkone hinweg unterhalten.

Viele Potsdamer kennen die Nutheschlange nur von der Straße aus

Es ist dieses kleine grüne Paradies, das erst dem so richtig bewusst wird, der sich einmal umgeschaut und selbst einen Eindruck gemacht hat. „Viele sehen die Nutheschlange nur aus dem Auto von der Straße aus, wenn sie sich ein Bild machen“, sagt Uwe Urbanz, der als Ingenieur viel im Auto sitzt und vor rund zehn Jahren vor allem wegen der guten Verkehrsanbindung herzog. Mittlerweile ist er mit seiner Familie längst heimisch geworden. Auch seine Kinder spielen auf der Straße, die Tür ist in der Regel offen. „Hier in der Nutheschlange muss man sich eigentlich keine Sorgen machen“, sagt der 53-Jährige.

Ein Leben in der Nutheschlange: Ingenieur Uwe Urbanz zog einst eigentlich wegen der guten Verkehrsanbindung her – und ist längst heimisch geworden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Doch um eins sorgen sie sich hier aktuell alle – um die Zukunft ihrer Schlange. Das markante Terrassenhaus am Kopf des Wohnkomplexes, direkt an der Nuthestraße ist mit Gittern und Zäunen abgesperrt. Die einst überwuchernd grünen Pflanzen wurden ausgerissen, die Pkw-Stellplätze im Untergeschoss gekündigt. Nach den Plänen der städtischen Pro Potsdam soll das Terrassenhaus in der zweiten Jahreshälfte abgerissen werden. Ein Gutachten hatte ergeben, dass die Sanierung weitaus teurer würde, als ein Neubau.

Bewohner starten Petition das Terrassenhaus

Der soll dann im zweiten Halbjahr 2021 beginnen und bis 2023 fertig sein. Für die Bewohner hier ist das eine schier ewige Zeitspanne. Sie befürchten nicht nur Staub und Schmutz, sondern auch zunehmenden Straßenlärm, der dann nicht mehr vernünftig abgeschirmt würde. Und sie trauern um ihr Haus. Bei einer Kaffeerunde mitten auf der Spielstraße in ihrer Schlange erzählen sie von Silvesterpartys auf dem Dach und zeigen Fotos von dem ausgeklügelt angelegten Pflanzenmeer auf den Ebenen. Mit einer Petition wollen sie nun den Abriss noch verhindern. Denn sie sind bereit für ihre Schlange zu kämpfen und damit für ihre grüne Idylle – mitten in der Stadt.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann dies an diesem Sonntag tun. Die Bewohner der Nutheschlange feiern von 14 bis 18 Uhr ein Nachbarschaftsfest. Eingeladen ist auch das Architektenpaar der Nutheschlange, Doris und Hinrich Baller. Die beiden bieten am Sonntag um 15 Uhr und um 16.30 Uhr zwei Führungen durch die Nutheschlange an.

Von Ansgar Nehls

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