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Potsdam MAZ sammelt für „Fair“: Im Club der coolen Jungs
Lokales Potsdam

Leith Absa ist beim Projekt Fair des Universitätssportvereins Potsdam Trainerassistent und wirbt bei der MAZ-Weihnachtsaktion Sterntaler um Spenden

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16:35 11.12.2020
Leith Absa (17) ist Trainerassistent im Box-Projekt „Fair". Er sagt, dort sei es wie in einer Familie.
Leith Absa (17) ist Trainerassistent im Box-Projekt „Fair". Er sagt, dort sei es wie in einer Familie. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Leiths Rechnung ist exakt: „Winter plus Corona gleich schlechte Laune pur.“ Zum Glück hat er ein Gegenmittel gefunden: Sport, Sport, Sport. „Ich mache meine Workouts jetzt zu Hause“, sagt Leith. „Und zum Boxen gehe ich an die frische Luft.“ Die Pratzen – Polster, die beim Kampfsport benutzt werden, um Schlagkombinationen zu trainieren – hat er sich aus dem Boxkeller des Universitätssportvereins geliehen. Beim USV-Projekt „Fair“ ist Leith Absa (17) Trainerassistent.

Seit drei Jahren gehört Leith zu „Fair“. Hätte das Projekt einen Club für coole Jungs, Leith wäre Mitglied, ach was – der Chef. Er ist lässig und gewitzt, er ist höflich und hat Köpfchen. Er hat noch immer die Schlaksigkeit eines Teenagers, aber seine Schultern sind breit. Dafür legt sich Leith täglich ins Zeug. Seine Fitness ist ihm wichtig. Wichtiger, als im Wettkampf zu bestehen. Immerzu aufs Gewicht zu achten, das penible Wiegen vor den Fights: „Das war mir zu stressig, ich mache keine Wettkämpfe mehr“, sagt Leith. Als Trainerassistent fühle er sich jetzt am rechten Platz. Leith ist stolz darauf, dass er ausgewählt wurde. „Man muss präsent sein – Präsenz ist wichtig“, sagt Leith. „Man muss auch ein Vorbild für den Nachwuchs sein – obwohl das in meinem Alter nicht immer so einfach ist.“ Leith lacht vielsagend.

Vom Boxen fürs Leben lernen: So können Sie helfen

Die MAZ sammelt in der „Sterntaler“-Weihnachtsaktion für den das Box-Projekt „Fair“ des Universitätssportvereins Potsdam.

Wir bitten um Ihre Hilfe, um Kindern und Jugendlichen Selbstvertrauen zu geben, um Gewalt vorzubeugen, um Mädchen und Frauen zu stärken.

Das Spendenkonto: Universitätssportverein Potsdam e.V.IBAN: DE59 1605 0000 3501 1011 97 BIC: WELADED1PMBSpendenzweck: FAIR

Haben Sie Anregungen zur MAZ-Weihnachtsaktion? Möchten Sie uns die Geschichte erzählen, die Sie ganz persönlich mit dem Boxen verbindet? Kontaktieren Sie uns gern telefonisch unter der Nummer 0331/2 84 02 80 und per E-Mail: potsdam-stadt@maz-online.de

Muss ein Vorbild denn perfekt sein? Leith überlegt. Sein Vorbild ist Arnold Schwarzenegger: „Weil er eine krasse Entwicklung hingelegt hat. Weil ihm niemand zugetraut hat, dass er es als Unternehmer und Politiker schaffen kann und sich doch etabliert hat und ernstgenommen wird. – Und weil er krasse Maße hat.“ Schwarzeneggers gestählter Körper, das ist für Leith Ästhetik und Perfektion. Dass sein Idol der Bodybuilder-Karriere einst mit Hormonpräparaten auf die Sprünge geholfen hat, lehnt Leith aber ab. Also: Muss ein Vorbild makellos sein? „Vermutlich geht das gar nicht“, sagt Leith.

In Damaskus geboren, in Potsdam zu Hause

Sich entwickeln und etablieren: Drüber macht sich Leith eine Menge Gedanken. Er besucht die 11. Klasse der Gesamtschule Am Schilfhof. „Die Schule ist der Weg zum Ziel“, sagt Leith. „Man braucht Bildung – und da gebe ich mein Bestes.“ Sport ist natürlich auch in der Schule sein Ding. „Und Deutsch, Englisch“, sagt Leith. „Sprache ist wichtig.“ Leiths Muttersprache ist Arabisch. Er ist in Damaskus zur Welt gekommen und bis zur Flucht in Syrien aufgewachsen. „Für mich ist das Vergangenheit“, sagt Leith. „Ich habe die Jahre hier in Deutschland viel bewusster erlebt. Deutschland hat mich geprägt. Deutschland ist mein Zuhause. Ich fühle mich hier wohl, weil hier alles ist, was mir wichtig ist: die Schule, die Menschen, die ich liebe, mein Sport. – Ich bin so, wie ich bin, weil ich hier bin.“

Und weil er bei Fair ist. Durch das Boxen sei er disziplinierter und selbstbewusster geworden. „Wenn mich zum Beispiel früher jemand dumm angemacht hätte, hätte ich drauf reagiert – und nicht positiv. Durch das Boxen kann ich ruhiger bleiben und sowas ignorieren. Klar, die Wut ist im ersten Moment noch da, aber ich kann sie kontrollieren.“

„Fair ist besonders, weil es wie eine Familie strukturiert ist“

Weil „Fair“ ihm so viel gibt, setzt sich Leith für das Projekt nicht nur im Boxkeller ein. Er hält flammende Reden auf „Fair“, wirbt dafür, einfach mal vorbeizuschauen. „Fair ist besonders, weil es wie eine Familie strukturiert ist“, sagt Leith. „Hier wird man gut empfangen. Hier kann man offen sein und über alles reden. Ich meine, jeder macht doch mal eine schwere Phase durch, oder?“ Das Beste: „Bei Fair kann man mitmachen, egal, woher man kommt und was man hat. Du musst einfach den Sport lieben und zeigen, dass du hier sein willst.“

Das Boxen hat ihm gezeigt, dass er über seine Grenzen gehen kann

Dass dem Boxen noch immer Vorurteile anhaften, ärgert Leith: „Viele Leute glauben, dass Boxer aggressiv sind, dass sie nichts im Kopf haben. – Hey, ich mache Abitur! Was soll ich noch sagen?“ Was genau er nach dem Abschluss machen möchte, weiß Leith noch nicht. „Mir stehen dann ja alle Türen offen“, sagt er. „Ich möchte einen Job machen, der mir persönlich gefällt, der eine wichtige Aufgabe für die Gesellschaft leistet und mir ein schönes Leben ermöglicht.“ Im Moment könne er sich gut vorstellen, Fluglotse zu werden. „Aber vielleicht studiere ich ja auch!“, sagt Leith. „Nichts ist unmöglich.“ Das Boxen habe ihm gezeigt, dass er über seine Grenzen gehen kann. „Fair macht Kinder und Jugendliche stark fürs Leben“, sagt Leith. „Deshalb hat Fair Unterstützung verdient.“

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Von Nadine Fabian