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Potsdam Linke: Potsdam soll helfen, alte Tatra-Bahnen in Kasachstan zu reparieren
Lokales Potsdam Linke: Potsdam soll helfen, alte Tatra-Bahnen in Kasachstan zu reparieren
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16:45 13.01.2020
Alte Potsdamer Tatras in Temirtau, Kasachstan. Nur eine von zwölf fährt noch. Quelle: Pascal Schütze/Robert Leichsenring/
Potsdam

Ehrenamtliche Hilfe soll Potsdams alte Tatra-Straßenbahnen im kasachischen Temirtau retten. Der Linken-Stadtverordnete Ralf Jäkel drängt Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und den Verkehrsbetrieb ViP, eine Spendenaktion zu starten, um wenigstens einige der einst zwölf von Potsdam in die Ex-Sowjetrepublik verkauften Tatra-Straßenbahnen zu reparieren.

Als Potsdam die Combino-Niederflurbahnen von Siemens und später die Vario-Bahnen von Stadler einführte, musterte der Verkehrsbetrieb die Tatra-Züge nach und nach aus und verkaufte sie ins Ausland.

Eine freiwillige Werkstattgruppe soll das bei einem Arbeitseinsatz in Temirtau erledigen. „Die da unten wissen doch gar nicht so genau, was an den Bahnen wirklich kaputt und was noch reparabel ist“, sagte Jäkel der MAZ: „Ein sachkundiger Fahrer aus Potsdam dürfte die Fehler sehr schnell finden und manches vielleicht reparieren können. Wenn wieder Tatra-Bahnen ausgemustert werden, bleiben doch sicher auch ein paar Kisten mit Ersatzteilen übrig.“ Und für den Verkehrsbetrieb sollte es „ein Leichtes sein, in Tschechien noch Ersatzteile zu beschaffen“.

Eine von zwölf Tatras fährt noch

Einem MAZ-Bericht zufolge gibt es in Temirtau zwölf frühere Tatras aus Potsdam; nur eine fährt noch. „Es wäre eine große Hilfe für die Menschen in Temirtau, wenn es möglich würde, einen Teil der defekten Bahnen zu reparieren“, so Jäkel: „Das wäre ein Beitrag internationaler Hilfe für den Öffentlichen Verkehr und den Umweltschutz.“ Es sei „nicht unrealistisch, mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand und der Zurverfügungstellung einiger Ersatzteile dort wieder einen geregelten Straßenbahnbetrieb zu ermöglichen“, so Jäkel weiter: „Damit würde auch das Ansehen der Stadt Potsdam beachtlich aufgewertet.“

Ein Vorbild ist für ihn dabei die Furka Bergbahn in der Schweiz. Dort wird eine alte Dampfbahnstrecke über eine nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft und einen Förderverein betrieben. Ehrenamtliche Arbeitskräfte halten sie in Schuss. Sogar die Sanierung der Trasse wurde fast ausschließlich über Spenden finanziert.

Ein Zug der Furka-Bergbahn mit Lokomotive HG 3/4 auf dem Steinstafelviadukt. Die eigentlich schon stillgelegte Strecke wurde durch Freiwillige aus mehreren Ländern wieder betriebsbereit gemacht. Sie restaurierten auch die Loks und Waggons und betreiben die Bahn. Quelle: wikimedia/David Gubler

Der Verkehrsbetrieb freut sich zwar über die Idee, ist aber höchst skeptisch. „Der Vorschlag ist durchaus nachvollziehbar“, sagte Stadtwerkesprecher Stefan Klotz der MAZ auf Anfrage; man habe das durch die Technik-Abteilung auch sofort gründlich prüfen lassen, müsse aber feststellen, dass die Bahnen verkauft wurden, weil Potsdam sie technisch nicht mehr mit vertretbarem Aufwand erhalten konnte, sagte Klotz: „Wenn da nur noch eine Bahn fährt, gehen wir davon aus, dass man schon andere Bahnen dafür ausgeschlachtet hat.“

Neun Jahre Stillstand unter freiem Himmel

Die Züge stünden seit neun Jahren unter freiem Himmel und seien über das Jahr großen Temperaturschwankungen ausgesetzt, heißt es: „Eigentlich müssten sie eine Grundinstandsetzung bekommen. Dafür dürfte den Kasachen das Geld fehlen, sonst hätten sie es schon gemacht. Und es bleibt sicher nicht bei einer Reparatur.“

Dazu kommt, dass es für die „ganz alten Tatras“ der ersten KDT-4-Serie „so gut wie keine Ersatzteile“ mehr gebe beim ViP in Potsdam: „Die späteren Tatras haben ganz andere Teile“, erklärt Klotz. Der ViP könne möglicherweise Kontakte herstellen zu Ersatzteillieferanten, aber keine eigenen Leute nach Kasachstan schicken: „Unsere Werkstatt in Potsdam ist gut ausgelastet.“ Zwar könnten versierte Tatra-Fahrer die Fehler der Temirtau-Bahnen vielleicht ermitteln, „aber ihr Wissen ist sicher nicht in einem Wochen­end-Workshop zu vermitteln“.

Rettungsaufwand „nicht überschaubar“

Der Aufwand für eine Rettungsaktion sei „nicht überschaubar“, sagte Klotz. Vielleicht auch gar nicht sinnvoll, bringt er einen letzten Einwand. „Offenbar ist das Gleisnetz in Temirtau extrem schlecht“, so die Einschätzung des Stadtwerkesprechers. Das würde auch reparierten Tatra-Zügen schwer zu schaffen machen.

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Von Rainer Schüler

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