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Potsdam Lösung für Moschee “lag so nah“
Lokales Potsdam Lösung für Moschee “lag so nah“
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06:38 27.04.2018
Kamal Mohamad Abdallah, Hermann Habib Weide von dem Verein der Muslime in Potsdam und Ordnungsdezernent Mike Schubert (SPD) (von links) bei der Bekanntgabe des neuen/alten Standorts der Moschee. Quelle: Marion Kaufmann
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Potsdam

Nach monatelanger Raumsuche gibt es ab Herbst eine Lösung für die stark wachsende islamische Gemeinde in der Landeshauptstadt: Der Verein der Muslime in Potsdam kann von der Stadt eine Industriehalle in der Joliot-Curie-Straße als Gebetsraum mieten und so den direkt gegenüberliegenden Standort der Al-Farouk-Moschee Am Kanal erweitern. „Wir sind froh und dankbar über diese Lösung. So können wir im Zentrum der Stadt bleiben“, sagte der Vereinsvorsitzende und Imam, Kamal Mohamad Abdallah, am Freitag bei einer gemeinsamen Besichtigung der künftigen Gemeinderäume mit der Stadt.

„Die Lösung lag ganz nah, wir haben sie nur nicht sofort gesehen“, so Sozialdezernent Mike Schubert (SPD). Die in den 1950er Jahren erbaute Halle diente früher als Heizhaus, bis vor drei Wochen wurde sie von der Energie- und Wasser Potsdam (EWP) als Handwerker- und Abstellraum genutzt. Die Stadt übernimmt die Halle von der EWP über einen Erbpachtvertrag und vermietet sie dann für 12 000 Euro netto im Jahr an den Muslimverein.

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Die Muslime beteten auf dem Bürgersteig. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Herbst sollen die Räume bezugsfertig sein. So lange wird das Freitagsgebet weiter in der Orangerie der Biosphäre stattfinden. Seit vergangenen Oktober treffen sich die Gläubigen dort, weil die Räume Am Kanal nicht mehr ausreichten. Bis zu 200 Muslime mussten ihre Gebetsteppiche auf dem Bürgersteig ausbreiten, was Passanten störte und auch für die Betenden selbst eine Zumutung war. Der Mietvertrag läuft vorerst acht Jahre lang. „Wir wollen schauen, wie sich die Mitgliederzahl entwickelt, und dann weiter überlegen“, so Vereinssprecher Habib Hermann Weide. Zum Freitagsgebet kämen aktuell bis zu 500 Gläubige.

Bis zu 3000 Muslime seien mit der Gemeinde assoziiert. Im Heizhaus sollen 200 Menschen Platz finden, in der Moschee gegenüber etwa noch einmal so viele. Die Verteilung auf zwei Gebäude habe den Vorteil, dass auch Frauen am Freitagsgebet teilnehmen könnten, erklärt Weide. Denn Frauen und Männer beten normalerweise separat, in der Biosphäre ist diese räumliche Trennung nicht möglich. Die Predigt könnte künftig zum Beispiel per Videoübertragung im alten Heizhaus verfolgt werden. Dieses bietet neben einem extra Büro auch eine Toilette und eine begehbare Dusche, was für die rituellen Fußwaschungen wichtig ist.

Freitagsgebet in der Biosphäre. Quelle: Bernd Gartenschläger

Vor der Nutzung müssen noch Heizungsrohre nach außen verlegt werden, so Schubert, dem die Lösung beim Blick auf andere Städte kam: „In Magdeburg wurde ein ehemaliges Heizhaus als Gebetsraum umgebaut.“ Der Verein will den Raum dann in Eigenleistung gestalten. „Wir haben Tischler, Maler und Fliesenleger“, erklärt der Imam. Gestern steckten Ordnungsamtsmitarbeiter Wurfzettel in die Briefkästen, um die Anwohner zu informieren. „Wir sind immer offen für Gespräche und Besuche“, fügt Abdallah auch im Hinblick auf vergangene Debatten hinzu. Der Autor Constantin Schreiber hatte der Al-Farouk-Moschee unterstellt, in Predigten gegen die Integration von Flüchtlingen zu arbeiten. Bei einem Treffen mit Schreiber habe man die Vorbehalte weitgehend ausräumen können, so der Vereinschef.

Die Suche nach einem Ort für die Moschee

Im Herbst 2015 kamen hunderte Flüchtlinge nach Potsdam. Viele von ihnen sind Muslime. Schon bald war die Moschee Am Kanal zu klein. Die Suche nach einem neuen Ort begann. Ein Rückblick:

September 2015: Moschee platzt aus allen Nähten

April 2016: Nach dem Terror von Paris: Muslime kämpfen gegen Vorurteile

September 2016: Lösung für zu kleine Moschee in Sicht

September 2016: AfD demonstriert vor Moschee, linke Gegendemonstration

Oktober 2016: Unbekannte legen Schweinekopf vor der Moschee Am Kanal

Oktober 2016: Stadt bietet Biosphäre als Ausweichquartier an

Oktober 2016: Muslime nehmen Angebot der Stadt an

Oktober 2016: Erstes Freitagsgebet in der Biosphäre

November 2016: Polizei ermittelt weiter wegen Moschee-Schändung

November 2016: Ein alter Supermarkt als neuer Moschee-Standort wird genannt

November 2016: Stadt lehnt Standort Supermarkt ab

Februar 2017: Keine Lösung für Potsdamer Moschee-Standort

März 2017: Ermittlungen zur Moschee-Schändung eingestellt

März 2017: Schwere Vorwürfe gegen Prediger in der Moschee

März 2017: Stadt sucht das Gespräch mit Muslimen

März 2017: Weiter Kritik an den Predigten

April 2017: Diskussion über den Islam und eine neue Moschee in Potsdam

April 2017: Skurriler Vorschlag: Freitagsgebet in der Garnisonkirche abhalten

April 2017: Potsdams Superintendent würde Friedenssaal Muslimen zum Gebet überlassen

Juli 2017: „Inside-Islam“-Autor kündigt Diskussion mit Muslimen in Potsdam an

Von Marion Kaufmann

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