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Potsdam Lötkolben statt Mülltonne
Lokales Potsdam Lötkolben statt Mülltonne
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21:30 15.04.2013
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Auch am vergangenen Samstagnachmittag kamen wieder viele Hobbybastler und solche, die es werden wollen.

„Die Idee des Repair-Café stammt aus den Niederlanden“, erklärt Mario Parade von der Machbar. „Dort hat sich eine ganze Bewegung um das Problem mit der Obsoleszenz gebildet.“ Hinter dem komplizierten Wort, verbirgt sich ein bekanntes wie ärgerliches Phänomen: Viele Geräte gehen unmittelbar nach Ablauf der Garantie kaputt.

Aus diesem Grund entstanden in den Niederlanden vor Jahren die ersten offenen Werkstätten. Die Idee sickerte irgendwann nach Deutschland und fand auch hier schnell ihre Anhänger, erzählt Parade. Denn das Konzept ist nicht nur nützlich, sondern schont auch die Umwelt. Schließlich muss man sein Radio nicht mehr nach zwei Jahren entsorgen, sondern kann die Chance nutzen, Elektromüll zu sparen.

Das Repair Café vom Freiland-Verein bietet auch eine Gelegenheit zum Austausch von Ideen: In der einen Ecke der Werkstatt wird über Thermoakustik geredet, in der anderen wird das Wissen an die jüngeren Bastler weitergegeben.

Schon bald treffen die ersten kaputten Geräte ein. Ein junger Mann bringt seine defekten Kopfhörer mit. Schnell finden die Tüftler der Machbar das Problem. Noch ein kurzer Austausch mit den Kollegen, wie das gute Stück am besten wieder hergerichtet werden kann, schon ist der Lötkolben zur Hand. Kleine weiße Rauchschwaden steigen auf. Nach vollendeter Arbeit muss natürlich geprüft werden, ob die Kopfhörer auch wirklich wieder funktionieren. Zum Glück hat der Nachbar an der Werkbank gerade seinen alten CD-Player repariert. Und tatsächlich, aus den Kopfhörern kommt wieder Musik.

Das ist aber noch lange kein Grund, zu gehen. Schnell wird sich noch der kleine Egg-Roboter angeschaut. Denn wahre Tüftler bemalen ihre Ostereier nicht selbst an. Nein, sie haben einen Roboter dazu. Eine tolle Erfindung, an denen besonders Kinder ihren Spaß haben – im Repair-Café sind auch Schulklassen immer willkommen. Der Achtjährige Aron zeigt mir stolz sein neuestes Projekt: „Aus den Teilen vom CD-Laufwerk baue ich mir einen Roboter.“

Das glaubt man ihn sofort. Erst recht, wenn er erklärt, wie der große 3D-Drucker funktioniert. Ein Hightech Ungetüm, entstanden in 30 Stunden Bauzeit. Und das Team der Machbar hat noch andere Projekte in Planung: Wie wäre es mit einem selbstumblätternden Bücherscanner? Oder doch lieber etwas zum Thema Thermoakustik. Möglich wäre alles. Zu mindestens in dieser Werkstatt und mit diesen Experten.

Mario Parade erzählt von der Partnerarbeit mit dem Potsdamer Hasso Plattner Institut (HPI). Es geht dabei um eine Erneuerung, die man aus der Werbung kennt: Über weite Distanzen mit dem Smartphone die Heizung kontrollieren, oder seine Lampen, Türen und was man noch so alles im Haushalt hat.

Leichter gesagt als getan. Die Studenten vom HPI entwickeln die Software, die Erfinder vom Repair-Café die nötige Elektronik. Das System ist leider noch nicht ganz ausgereift – ein Computer-Virus würde genügen, um die Heizkosten zu vervielfachen.

Zum Schluss wird nur noch ein wenig mit dem 3D-Drucker experimentiert und mit der Plastik-Fräse eine Blüte ausgeschnitten.

Das Repair-Café ist einmal im Monat in der Machbar auf dem Freiland-Gelände, Friedrich-Engels-Straße 22. Weitere Informationen unter www.machbar-potsdam.de. (Von Sidney Szilleweit)

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