Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Lok-Zirkus wieder in der Warteschleife
Lokales Potsdam Lok-Zirkus wieder in der Warteschleife
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:01 21.05.2019
Der um 1900 für Orenstein & Koppel errichtete Lok-Zirkus an der Wetzlarer Straße. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Die angekündigte Sanierung und der Ausbau des historischen Lok-Zirkus zum „Paradome“ ist auf unbestimmte Zeit verschoben. „Das faszinierende Bauwerk schläft nun schon seit 20 Jahren“, sagte der Investor und Eigentümer Jürgen Wowra auf MAZ-Anfrage, „da sollten wir nichts überstürzen.“

Die 1899/1900 vom Lokomotiv-Fabrikanten Benno Orenstein errichtete kreisrunde Montagehalle an der Wetzlarer Straße gilt als eines der wichtigsten Industriedenkmale Potsdams. Im Oktober 2016 hatte Wowra erstmals Pläne für den Umbau des seit Jahrzehnten ungenutzten Industriedenkmals zum Büro- und Gewerbekomplex bekannt gegeben. 

Investor Jürgen Wowra (l.) mit Potsdams damaligem Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bei der Präsentation erster Pläne im Herbst 2016. Quelle: Bernd Gartenschläger

Zu dem von Wowra präsentierten Investitionspaket mit einem Gesamtvolumen von 10 Millionen Euro zählte neben dem Ausbau des Lok-Zirkus für Büromieter und einem Hotel mit 120 Betten auch der Zuzug der von ihm geführten Gesellschaft Paranet Deutschland, die auf den Bau von Traglufthallen spezialisiert ist.

Paranet sollte nach ersten Plänen mit der Forschungsabteilung in den Lok-Zirkus und mit der Konfektionsabteilung, also der Vormontage, in einen separaten Neubau ziehen.

Das Dach des Zirkus mit seinen 48 Metern Spannweite sollte mit einer Membrankonstruktion verschlossen werden. Wowra wollte damit „gleichzeitig die Verbindung zur Traglufthalle als Produkt“ herstellen, wie er damals erklärte. Geplante Bauzeit: 18 bis 24 Monate.

Im Juni 2018 ging Wowra mit erweiterten Plänen an die Öffentlichkeit. Der Lok-Zirkus wurde nun zu einem Palast mit einem viergeschossigen Bürozylinder aus Glas und Stahl, der in der Mitte des Baus aufragen sollte.

Ergänzt wurde das Projekt um ein Bed&Bike-Hotel für Fahrradtouristen und um eine Tiefgarage für 160 Fahrzeuge. Das Investitionsvolumen sollte nunmehr bei 45 Millionen Euro liegen.

Luftbild vom Lok-Zirkus. Quelle: Hannemann

Paranet war nicht mehr dabei. Schon vor diesem zweiten Termin hatte Wowra in einer Veranstaltung auf MAZ-Anfrage bekannt gegeben, dass die Produktionsanlagen „für den gesamten deutschen Markt“ nicht in Babelsberg, sondern auf einem ehemaligen Militärgelände bei Kloster-Lehnin (Potsdam-Mittelmark) errichtet werden sollten.

Dabei ist es geblieben: Paranet habe das erworbene Areal bei Lehnin bezogen, sagt Wowra, und nutze vorhandene Lager- und Produktionshallen mit einer Fläche von rund 8000 Quadratmeter. Sobald die laufenden kommunalen Erschließungsmaßnahmen abgeschlossen sind, werde Paranet einen Bauantrag für eine neue Produktionsanlage einreichen.

Die ursprünglich geplante Ansiedlung in Babelsberg wurde laut Wowra abgesagt, weil sie nicht mit dem geplanten Hotel und den Büros in unmittelbarer Nachbarschaft verträglich wäre. Der Ausstieg von Paranet habe allerdings gravierende Umplanungen zur Folge.

Mehrfach wurde der Zirkus als Filmkulisse genutzt, so wie 2010 als „Globe Teatre“ in dem Roland-Emmerich-Film „Anonymous“. Quelle: Joachim Liebe

„Aufgrund der Tatsache, dass Paranet als Ankermieter auf meinen Wunsch hin ausgeschieden ist“, so Wowra, „verhandeln wir derzeit mit einigen Mietinteressenten, und prüfen deren Raumprogramm. Sobald diese abgestimmt sind, werden wir dies begleitend mit dem Bauamt und dem Denkmalamt diskutieren, um dies im Genehmigungsverfahren einfließen zu lassen.“

Auf das geplante Hotel verzichtet der Investor: „Die restliche Konzeption mit ausschließlicher Büronutzung und gegebenenfalls auch Schulungseinrichtungen bleibt bestehen.“ Damit reduziere sich auch das Investment etwas.

Die Stadt war auf MAZ-Anfrage noch nicht über den aktuellen Stand informiert. Die letzte Meldung aus dem Rathaus kam Ende 2018: Der Investor beabsichtige, „kurzfristig den Bauantrag einzureichen. Ziel ist ein Beginn der Bautätigkeiten im ersten Halbjahr 2019“, hieß es auf Anfrage von Clemens Viehrig (CDU/ANW).

Die Lokomotiv-Montagehalle von Orenstein & Koppel ist eines der spektakulärsten Industriedenkmale in Potsdam und Babelsberg. Wir zeigen eine Auswahl weiterer Industriebauten mit neuer Nutzung.

Auf MAZ-Anfrage teilte die Rathaus-Pressestelle vor wenigen Tagen mit: „Es gibt einen positiven Vorbescheid. Ein Bauantrag ist bislang nicht gestellt, er wird möglicherweise derzeit vorbereitet. ... Konzept und Gesamtvolumen sind nach unserem Kenntnisstand in etwa unverändert.“

Für Wowra ist der Lok-Zirkus aktuell nur zweitrangig: „Wir haben mit unseren modularen textilen Bauwerken bei Paranet genügend Aufträge zu bearbeiten, welche wir bezüglich Arbeitsplätzen und Kundenanfragen priorisieren, so dass ich meine persönliche Liebhaberei für die Lokfabrik an zweite Stelle setze.“

Wowra betonte: „Ob wir dabei etwas mehr Zeit brauchen, spielt für uns nicht die entscheidende Rolle. Mein Interesse ist es, wenn wir beginnen, dass auch alles reibungslos und ohne Korrekturen abläuft.“

Von Volker Oelschläger

Demolierte Engelsfiguren und gestohlene Grablichter: Auf dem Alten Friedhof in Potsdam haben unbekannte Täter randaliert. Der Friedhofsleiter hat einen Verdacht und ist entsetzt: „So etwas habe ich noch nicht erlebt“.

24.05.2019

Man mag sich nicht ausmalen, was einer Privatperson da passiert wäre: Die Stadtverwaltung Potsdam hat zugegeben, Rechnungen für Schul-Technik seit Monaten nicht bezahlt zu haben. Nun soll eine Task Force gegründet werden, um den Berg an offenen Rechnungen abzutragen.

24.05.2019

Asthmatiker haben es nicht nur wegen ihrer Krankheit schwer. Sie müssen Tagebuch führen, über Einflüsse grübeln, mit dem Arzt das Medikament diskutieren. Ein neues System macht es jetzt leichter.

24.05.2019