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Potsdam MAZ sammelt Geld für Boxverein: Mit Kraft im Boxkeller gegen Gewalt auf der Straße
Lokales Potsdam

MAZ Sterntaler Spendensammlung 2021: Boxverein Fair wird unterstützt

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19:27 28.11.2020
Fair Boxen: Gewaltprävention wird beim Sterntaler-Projekt groß geschrieben.
Fair Boxen: Gewaltprävention wird beim Sterntaler-Projekt groß geschrieben. Quelle: Olaf Gutowski
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Potsdam

Fairness und Fitness, Selbstvertrauen und Gerechtigkeit, das Anerkennen klarer Regeln: Das Boxen vermittelt nicht nur körperliche Kraft, sondern stärkt fürs ganze Leben. Davon sind Maria Pohle und Felix Hoffman überzeugt, sie ist Trainerin und pädagogische Leiterin, er der Projektchef bei Fair, einem besonderen Potsdamer Boxverein.

„Wenn wir mal an unsere eigene Jugend zurückdenken und uns in die Perspektive eines Teenagers versetzen, dann ist das Wichtigste, dass man groß und stark wird“, sagt Felix Hoffmann, „hier setzen wir an.“ Er hat das Boxprojekt, das an den Universitätssportverein angegliedert ist, 2015 gegründet. Der Gedanke war von Anfang an, das Training mit Jugendsozialarbeit zu verbinden, Kinder und Jugendliche, die nach Potsdam geflüchtet sind, mit denen zusammenzubringen, die hier geboren wurden, hier aufgewachsen sind. „Wir bieten ein niederschwelliges, regelmäßiges Training für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, speziell mit Migrations- und Fluchthintergrund, und verbinden es mit gezielter pädagogischer Betreuung und psychosozialer Unterstützung vor Ort“, fasst Hoffmann den Anspruch zusammen, den er und sein vierköpfiges Trainerteam an sich selbst haben.

So können Sie helfen

Die MAZ sammelt in der diesjährigen „Sterntaler“-Aktion für den Boxverein Fair.

In den kommenden Wochen werden wir Ihnen immer wieder einzelne Sportler und Trainer und ihre Geschichte vorstellen. Wir bitten um Ihre Hilfe, um Ihre Spenden, um Kindern und Jugendlichen Selbstvertrauen zu geben, um Gewalt vorzubeugen, um Mädchen und Frauen zu stärken.

Das Spendenkonto: Universitätssportverein Potsdam e.V.IBAN: DE59 1605 0000 3501 1011 97 BIC: WELADED1PMBSpendenzweck: FAIR, Name und Wohnort des Spenders

Bei Spenden über 200 Euro erhalten Sie zu Beginn des kommenden Jahres automatisch eine Bestätigung des Finanzamts. Bei Summen unter 200 Euro genügt dem Finanzamt ein Überweisungsbeleg, um die Spende steuerlich geltend zu machen.

Haben Sie Anregungen zur MAZ-Weihnachtsaktion? Möchten Sie uns die Geschichte erzählen, die Sie ganz persönlich mit dem Boxen verbindet? Dann zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren! Das ist telefonisch unter 0331/2 84 02 80 möglich oder auch per E-Mail an potsdam-stadt@MAZ-online.de

Maria Pohle (34) gehört zum Trainerteam, außerdem kümmert sie sich um die sozialen Aspekte bei Fair. „Das Boxen ist für uns der Zugang“, erklärt sie. Maria Pohle stammt aus Russland, seit 13 Jahren lebt die promovierte Germanistin in Potsdam. „So können wir die Kinder und Jugendlichen erreichen, denn sie sind ja schon da. Dort setze ich mit der sozialpädagogischen Arbeit an.“ Sie hat ein offenes Ohr für die täglichen Sorgen und Nöte der Schützlinge, vernetzt sie mit den Hilfsangeboten in der Stadt. „Wir sind eine feste Anlaufstelle geworden“, sagt Maria Pohle. Und auch, wenn derzeit wegen der Corona-Pandemie nicht gemeinsam trainiert werden kann, erreichen sie und ihre Trainerkollegen die jungen Sportler. „Wir gehen spazieren, halten über Whatsapp Kontakt und bieten Trainingsvideos an.“

Mehr als hundert aktive Kinder und Jugendliche

Das kommt gut an, von anfangs fünf Trainingseinheiten hatte sich der Verein auf 13 gesteigert, mehr als hundert junge Menschen zwischen acht und 27 Jahren trainierten vor dem aktuellen Lockdown regelmäßig im Boxkeller am Neuen Palais, ein Drittel davon sind Mädchen und junge Frauen, rund die Hälfte hat eine Flucht hinter sich. „Wir gehen davon aus, dass das auch so weitergehen wird, wenn wir wieder gemeinsam Sport machen dürfen“, sagt Projektleiter Felix Hoffmann. Die Mundpropaganda unter den jungen Menschen funktioniere hervorragend – egal, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Längst hat sich herumgesprochen, dass das Training bei Fair Spaß macht und für den Alltag stärkt.

Maria Pohle und Felix Hoffmann Quelle: Bernd Gartenschläger

„Für uns steht der Aspekt der Gewaltprävention ganz klar im Vordergrund“, sagt Maria Pohle. Fair arbeitet eng mit der Jugendgerichtshilfe und den Potsdamer Schulen zusammen, übernimmt auch „schwierige Jugendliche“, wie die Trainerin sagt, „es gilt erst einmal ganz klar, wer sich draußen prügelt, der fliegt sofort raus.“ Dieser Kodex ist wichtig im Boxsport – wer Aggressionen hat, soll sie im Training kanalisieren und abbauen. Und: „Wer bei uns ist, der hängt nicht auf der Straße“, sagt Maria Pohle. Strukturen gegen Langeweile, Sport gegen dumme Ideen.

Auch die Mütter der Nachwuchsboxer wollen Sport machen, Menschen kennenlernen, sich vernetzen. „Wir haben aktive Sportlerinnen, die um die 60 Jahre alt sind“, sagt Maria Pohle stolz. „Wenn ich die Frauen trainiere, sehe ich immer irgendwann so ein Blitzen in den Augen“, schwärmt die Trainerin. „Jede Frau hat Kraft, hat Stärke“, sagt Maria Pohle, „viele merken das erst, wenn sie mal auf so einen Boxsack schlagen, das ist ein magischer Moment.“ Denn mit genau diesem Vertrauen in sich selbst, mit dem Bewusstsein der eigenen Präsenz und Stärke trete jeder anders auf als vorher.

Mike Schubert ist Schirmherr

Mittlerweile hat sich das Projekt einen Namen gemacht, trägt den Ehrenamtspreis 2018, den Volunteer Award 2019 und den Integrationspreis 2020. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) ist Schirmherr des Vereins. Doch bei allen Preisen und Unterstützern, bei aller Begeisterung der jungen und nicht mehr ganz so jungen Sportler, bei aller Motivation der Trainer: Es fehlt an vielem. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Maria Pohle, „der Boxkeller ist einfach zu klein. Manchmal können die Kinder beim Training nicht einmal zeitgleich Seilspringen, weil es zu voll ist.“ Auch ein Raum für die so wichtige soziale Komponente – für Begegnungen, für die Freizeit – fehlt, Gespräche mit den Schützlingen über ihre Sorgen müssen auf dem Flur stattfinden.

Und auch das Geld ist knapp. Fair wird derzeit von der Aktion Mensch finanziert – frühestens ab 2023 ist eine Förderung durch die Stadt Potsdam möglich. Diese Finanzierung ist aber an die hohe Hürde geknüpft, einen Eigenanteil in Höhe von 8000 Euro pro Jahr zu stemmen. Hier kommen die Leserinnen und Leser der MAZ ins Spiel: Die Potsdamer Lokalredaktion hat sich zum Ziel gesetzt, in der Adventszeit Spenden für den Boxverein zu sammeln, um der wichtigen Jugend- und Integrationsarbeit zwei Jahre Sorglosigkeit bescheren zu können. Bis Weihnachten wollen wir also 16.000 Euro sammeln, die den Eigenanteil des Vereins für die Aktion Mensch-Förderung für die kommenden Jahre sichern.

Von Saskia Kirf