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Potsdam MAZ sammelt für „Fair:“ Chirill ist beim Boxen einer der Kleinsten, aber so schnell wie der Wind
Lokales Potsdam

MAZ sammelt für Boxprojekt Fair vom Universitätssportverein Potsdam das neben Jugendlichen auch Kinder wie Chirill fördert

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09:00 22.12.2020
Chirill Caraiman gehört mit seinen zehn Jahren zu den jüngsten Boxern bei Fair.
Chirill Caraiman gehört mit seinen zehn Jahren zu den jüngsten Boxern bei Fair. Quelle: Julius Frick
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Potsdam

Ein Wirbelwind in kurzen Hosen und Trikot braust durch den Boxkeller am Neuen Palais. Rutscht das Treppengeländer zum Ring hinab und fegt auch schon wieder die Stufen hinauf. Hui! Chirill saust abwärts – und nimmt wieder Anlauf. Saust. Nimmt Anlauf. Saust. Lacht. Seine Arme sind bleistiftdünn. Sein Gesicht engelsgleich. Der Blick verrät Schneid. Die Hände stecken in glänzenden Boxhandschuhen.

Dass Chirill (10) den Namen eines Heiligen und eines Orkans trägt, hat er schon ein paar Mal gehört. Aber das ist doch nun wirklich nicht wichtig! Wichtig ist jetzt, sich in die elastischen Seile fallen und wie ein Ball herauskatapultieren zu lassen. Sich zum Schaukeln an den Boxsack zu klammern. Ein knackiger Schlag Richtung Punching-Ball. Schweinbaumeln an der Sprossenwand – ganz oben, wo sonst! Chirill ist in seinem Element.

Chirill an der Sprossenwand. Quelle: Julius Frick

So lange schon war er nicht mehr im Boxkeller – blödes Coronavirus! „Ich wünsche mir, dass Corona im nächsten Jahr verschwunden ist und wir wieder normal trainieren können“, sagt Chirill. Für den Foto-Termin für die MAZ-Weihnachtsaktion für „Fair“, das Box- und Jugendprojekt des Universitätssportvereins Potsdam, lässt er sich nur schwer einfangen.

Die Familie beschützen

Seit zwei Jahren trainiert Chirill bei „Fair“. Sein Freund Michael hat ihn drauf gebracht. Michael ist zwei Jahre älter und sehr stark, wie Chirill mit Kennermiene betont: „Ich wollte genauso sein wie er. Mein Ziel ist es, dass ich auch sehr stark werde und dann meine Familie beschützen kann.“ Natürlich passt auch Papa auf die Familie auf – bis zum Corona-Lockdown im Frühjahr hat er selbst Boxen trainiert. „Aber man weiß ja nie“, sagt Chirill. „Zu zweit ist es einfach besser.“ Seine kleinere Schwester Victoria fällt beim Familie-Beschützen jedenfalls aus – obwohl Mädchen ja auch ganz beachtlich boxen können, wie man bei „Fair“ sieht, philosophiert Chirill: „Aber Victoria... Sie hat einfach andere Interessen. Sie zeichnet zum Beispiel gern.“

Kunst und handfestes Training

Auch Chirill ist ein Schöngeist, wenn er es nur schafft, seine Energie zu kontrollieren. Bis das Boxen immer wichtiger für ihn wurde, hat er Klavierspielen gelernt. Obwohl er sich (in Zeiten ohne Corona) nun jede Woche aufs handfeste Training freut und es ihm „doll Spaß“ macht, im Ring die Fäuste fliegen zu lassen, heißt das nicht, dass Victorias Zeichenpapier und Stifte vor ihm sicher wären. „Wenn Corona vorbei ist, möchte ich gern in eine Kunst-AG“, sagt Chirill. Die Familie hofft, im Treffpunkt Freizeit das passende Angebot und einen Platz zu finden.

Auf in den Endspurt: Jeder Cent zählt!

Die MAZ sammelt mit ihrer „Sterntaler“-Weihnachtsaktion in diesem Jahr für das Box-Projekt „Fair“ des Universitätssportvereins Potsdam.

Wir bitten um Ihre Hilfe, um Kindern und Jugendlichen Selbstvertrauen zu geben, um Gewalt vorzubeugen, um Mädchen und Frauen zu stärken.

Dank Ihrer großzügigen Unterstützung, haben wir bereits 7495,55 Euro gesammelt. Wir bedanken uns heute recht herzlich bei Elsa Tüngerthal für 20 Euro und der RAW Potsdam GmbH für 2000 Euro.

Jetzt kommt der Endspurt: Schaffen wir es, die 8000 Euro voll zu machen? Bitte spenden Sie! Jeder Cent zählt.

Das Spendenkonto: Universitätssportverein Potsdam e.V.IBAN: DE59 1605 0000 3501 1011 97 BIC: WELADED1PMBSpendenzweck: FAIR

Auch zu Sprache und Sprachen hat Chirill einen unbefangenen Zugang. Mama Xenja (31) ist Russin: Geboren in Moskau, ist Russisch Chirills Muttersprache – im Wortsinn. Sein Vater Andrei (37) stammt aus Rumänien: Auch wenn zu Hause am Abendbrottisch nur selten Rumänisch gesprochen wird, mit den Großeltern in Iasi kann sich Chirill gut verständigen. Deutsch spricht er akzentfrei, ohne Luft zu holen oder nachzudenken. In der Schule, er besucht die Grundschule am Humboldtring, lernt Chirill außerdem Englisch, „aber noch nicht so viel“.

Seit vier Jahren lebt Chirills Familie in Potsdam. Den Eltern ist eine umfassende Bildung ihrer Kinder wichtig: „Das war auch ein Grund für uns, noch vor Chirills Einschulung nach Deutschland zu gehen“, sagt Andrei Caraiman (37). „Die Schule ist hier zwar leichter als in Russland, dafür ist aber das Studium in Deutschland besser.“ Chirill ist zwar erst in der vierten Klasse, hat aber schon eine genaue Vorstellung davon, was er einmal beruflich machen möchte: „Ich werde Zahnarzt. Und wenn nicht, dann einfach nur Arzt.“ Oder wird er vielleicht doch Profi-Boxer? – „Vermutlich nicht“, sagt Chirill. Er habe nämlich ein wenig Angst, dass er im Gesicht getroffen wird und das wehtun könnte.

Ob er mal Profi-Boxer werden möchte? – Eher Zahnarzt, sagt Chirill. Quelle: Julius Frick

„Ansonsten habe ich aber keine Angst“, sagt Chirill. „Unsere Trainer passen auf, dass nichts passiert.“ Chirill gehört noch immer zu den Jüngsten und auch Kleinsten im Boxkeller. „Das Schwierigste neben der Fußarbeit ist, wenn ich mit jemand Großem trainiere“, erklärt er. „Das macht mich nervös. Dabei weiß ich, dass ich mich gut ducken und schnell bewegen kann.“ In seinem ersten Wettkampf im September hat das Ducken, Flinksein und Kontern jedenfalls schon ziemlich gut geklappt und Chirill Silber gewonnen. „Das Gefühl war toll“, sagt Chirill. „Auch das Gefühl, von angefeuert zu werden.“

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Von Nadine Fabian