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Potsdam So ergeht es Guerilla-Gärtnern in Potsdam
Lokales Potsdam So ergeht es Guerilla-Gärtnern in Potsdam
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00:22 26.04.2019
Blühende Miniatur-Landschaft: Schaumkerze, Stiefmütterchen , Akelei und Spiere waren die Pioniere im MAZ-Guerillabeet. Quelle: Nadine Fabian
Innenstadt

Der Waldmeister hat’s geschafft. Immerhin. Das zarte Bürschlein ist zäher als gedacht – als befürchtet. Und die Furcht war groß, denn was vor einem Jahr am Ärztehaus gegenüber dem Stadthaus so hoffnungsfroh – so übermütig – begann, geriet schneller zum Dürre-Desaster als man „Regentropfen“ sagen kann.

Das bisschen Garten macht sich von allein – denkste!

Am 19. April 2018 um 22.29 Uhr hat es die MAZ in einer Nacht-ohne-Nebel-Aktion den vielen bekannten und unbekannten Potsdamer Guerillagärtnern, die aus kargen Straßenrändern, aus liederlichen Baumscheiben und trostlosen Brachen blühende Miniaturlandschaften machen, gleich getan: Wir haben auf eigene Faust den ersten Spatenstich gesetzt und mitten in der Stadt ein Beet angelegt. Das bisschen Garten, so die Idee, macht sich sicher von allein und dafür ’ne ganze Menge her. Denkste! Wir hatten die Rechnung nicht mit einem glühend heißen, furztrockenen Jahrhundertsommer und schon gar nicht mit unserem inneren Schweinehund gemacht. Gleichwohl hat das Beet überlebt. Gerade so.

Wie schwer ist es, eine Schmuddelecke aufblühen zu lassen? Lohnt der Aufwand? – Die MAZ hat’s ausprobiert. Und zieht den Hut vor allen Guerillagärtnern, die Potsdam ein Stück schöner machen.

Die Scholle unserer Wahl ist einer der beiden Vorgärten des altehrwürdigen, vor ein paar Jahren aufgefrischten Ärztehauses – es ist der Vorgarten, der an den kleinen Parkplatz im Bermudadreieck von Friedrich-Ebert-, Behlert- und Eisenhartstraße grenzt. Ein vernachlässigtes Stück Stadtland – der krasse Gegensatz zu seinem gepflegten, eingezäunten, der Hausbesitzerin zugeordneten Pendant nur eine Gebäude-Ecke weiter. Dort geben glatte Kiesel, Buchs und ein paar Blütentupfer jahrein, jahraus ein gepflegtes Entree ab – hier lassen Passanten fallen, was ihnen lästig ist: Zigarettenstummel, Bonbonpapier, leer getrunkene Flachmänner, des Pudels Kern mit und ohne Tüte. Vom prächtigen Eingang des Standesamts wehen Konfetti und die roten Flitterherzchen ausgelassener Hochzeitsgesellschaften herüber, vom Parkplatz abgelaufene Parkscheine und ab und zu ein zerknülltes Knöllchen.

Einmal im Jahr kommt das Grünflächenamt mit dem Rasenmäher

„Derzeit wird die gärtnerische Wiederherstellung der Fläche durch den Bereich Grünflächen vorbereitet“, heißt es aus dem Rathaus auf eine Anfrage, die die MAZ bereits Anfang 2016 gestellt hat. Passiert ist seither – nichts. Das Unkraut sprießt, die Hinterlassenschaften von Mensch und Hund rotten vor sich hin. So gedeiht eine Schmuddelecke, über die die Männer vom Grünflächenamt einmal im Jahr den Rasenmäher schieben. „Der konkret angesprochene Dreck und Abfall an dieser Stelle“, hieß es damals aus dem nahen Rathaus, „ist auf die Nichterfüllung der Allgemeinen Anliegerpflichten durch die Hauseigentümerin (...) zurückzuführen.“

Wie schwer ist es, so einen Flecken zwischen Niemands- und Jedermannsland aufblühen zu lassen? Lohnt der Aufwand? Oder geht’s trotz Blumen und Grünpflanzen fröhlich-frei weiter mit der Verlotterung? Die MAZ hat’s ausprobiert und sich eine Gartenexpertin, die lieber unerkannt mit uns in den grünen Kampf ziehen möchte, an die Seite geholt.

Applaus von nächtlichen Flaneuren

Schon die erste Ortsbegehung ist niederschmetternd. Unser guter Gartengeist stochert mit den Schuhspitzen zwischen Müll, Kraut, Staub: „Da muss ordentliche Erde drauf! Das hier ist eine superschwierige Ecke. Windig, trocken, schattig – der schwierigste Standort überhaupt.“ Aber: Wir lassen uns nicht entmutigen. Planen. Warten, bis es dunkel wird. Rollen mit vollgeladenem Kombi an den Tatort. Buckeln Pflanzen, Wasserbottiche, Spaten herbei. Harken das Gröbste beiseite. Koffern aus. Tauschen wertlose gegen fette Erde. Setzen Stiefmütterchen, Schaumkerzen, Akelei, den tapferen Waldmeister. Graben mit den Händen, weil’s schnell gehen soll. Und bekommen Applaus von denen, die zu später Stunde noch unterwegs sind. Um kurz nach Mitternacht ist der Bürgersteig blitzeblank – und das Beet sieht aus wie ein Grab. Das werden wir bei der zweiten Pflanzrunde im Juni nachbessern.

Schon in der ersten Wochen wird das Gießen zur Qual

Die Rückkehr an den Ort des Geschehens ist anfangs ein Hochgenuss und wird schon in der ersten Woche zur Qual. „Gießen, gießen, gießen“, mahnt der gute Geist: „Gießen, gießen, gießen.“ Wenn Sie einen tropfenden weißen Kleinwagen durch die City kurven gesehen haben – hier! Doch zwei Kanister, zwei Gießkannen und eine ausgediente XXL-Waschmittelflasche am Tag reichen nicht aus. Wie oft es zwischen dem 19. April und Anfang Oktober geregnet hat? Anderthalb Mal. Wie oft gegossen wurde? Anfangs zweimal täglich. Dann nur noch abends. Dann fehlte ein Wochenende, im September kamen ein paar Wochentage hinzu. Der Gärtner ist immer der Mörder.

Die Hortensien machten als Erste schlapp, schon nach dem ersten Schwänzen. Hängende Köpfe. Verdorrte Blätter. Das Siechtum setzte sich im Beet fort. Doch sauber, das muss man den Potsdamern lassen, war das Gärtchen da immer noch. Quod erat demonstrandum.

Wer im Beet wird seinen zweiten Frühling erleben?

Fast sechs Monate liegt der letzte Gießkannen-Besuch nun zurück. Die Gewissensbisse wurden größer. Aber auch die Neugier. Wer erlebt den zweiten Frühling? „Es wird immer etwas verschwinden und es wird immer etwas dominieren – das ist so im Garten“, sagt der gute Geist. „Wer im Garten arbeitet, braucht Geduld – und muss aushalten können. Zu einem Garten gehört auch das Scheitern.“ – Sind wir gescheitert? Jein. Der Waldmeister hat die Rosskur überstanden. Heuchera, Hosta, Farn und Geißblatt zeigen Überlebenswillen. Die Spiere steht wie ’ne Eins. Selbst die Hortensien – diese Mimosen! – sind noch da. Wir räumen das Beet jetzt auf. Und gießen weiter. Wer mitgießen möchte: Herzlich willkommen!

Von Nadine Fabian

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