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Potsdam Noosha Aubel: „Man muss groß denken“
Lokales Potsdam Noosha Aubel: „Man muss groß denken“
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00:18 14.02.2018
Potsdams Kulturdezernentin Noosha Aubel. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Vor einem halben Jahr ist Noosha Aubel (parteilos) als Kulturbeigeordnete für Potsdam angetreten. Im Gespräch mit der MAZ gibt sie erstmals einen Überblick über ihre wichtigsten Baustellen.

Welche Orte, welche Veranstaltungen haben Sie als erstes in Potsdam besucht?

Noosha Aubel: In der Reihenfolge kann ich es gar nicht mehr sagen. In Erinnerung ist mir zum Beispiel das Festival Intersonanzen im Kunsthaus Sans titre geblieben, weil ich die Veranstaltung ungewöhnlich fand und bisher mit zeitgenössischer Musik keine Berührungspunkte hatte. Dann natürlich die unterschiedlichsten Premieren im Hans-Otto-Theater. Sehr präsent geblieben ist mir „Rio Reiser“, weil es mit der Resonanz beim Publikum eher den Charakter eines Konzertes hatte. Die Leute haben gestanden und mitgesungen. Da habe ich gedacht: das kann Theater eben auch. Und vielleicht mein erster Besuch beim Kunstverein Kunsthaus Potsdam zur Ausstellung Finnische Fotografie. Jetzt war ich noch einmal dort zum Neujahrsempfang. Es ist mir stark in Erinnerung geblieben mit der Verknüpfung von internationalen und nationalen Künstlern, aber auch der Frage, welche Plattformen man Potsdamer Künstlern bieten kann. Das ist ein Thema, mit dem mich lokale Künstler auch immer wieder konfrontieren.

Stichwort HOT: Welche Erwartungen haben Sie an die neue Intendantin Bettina Jahnke?

Wir haben uns schon vor unser beider Dienstantritt in Düsseldorf zum Mittagessen getroffen, um auszuloten, wo man jeweils steht. Und da ist deutlich geworden, dass wir einen ähnlichen Ansatz verfolgen: Wie kann Kultur noch stärker auf Themen in der Stadt abzielen? Ich erwarte, dass sie das Theater attraktiv ausgestaltet für die Potsdamer Bevölkerung. Und dass sie dafür sorgt, dass die Schiffbauergasse noch einmal eine andere Stahlkraft entwickelt. Ihre Idee von einem Bürgertheater ist ein sehr guter Ansatz.

Geht es Bettina Jahnke um Stadterkundung?

Ich kann jetzt schwer für Frau Jahnke sprechen. Für meinen Fachbereich Kultur und Museum kann ich sagen, dass wir Kultur noch stärker als Motor für Stadtentwicklung nutzen wollen. Das wirkt ja in ganz unterschiedliche Bereiche hinein. Man wird auch das Potsdam-Museum vor dem Hintergrund der Entwicklungen am Alten Markt noch einmal betrachten müssen. Wir haben noch mal eine ganz andere Chance, wenn man schaut, welche Kunst- und Kulturachsen sich im innerstädtischen Raum entwickelt haben. Angefangen beim Potsdam-Museum über das Museum Barberini und das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte im Kutschstall bis zum Rechenzentrum. Dass kann man noch stärker bespielen und miteinander in Einklang bringen. Ich glaube, das ist eines der großen Pfunde dieser Stadt, bei denen es auf jeden Fall noch Potenzial gibt.

Für die Strahlkraft der Schiffbauergasse sollte unter anderem das Festival Stadt für eine Nacht sorgen, das mittlerweile allein 200.000 Euro Förderung bekommt. Ist diese Materialschlacht überhaupt noch zeitgemäß?

Ich finde den Ansatz absolut zeitgemäß: einen Ort über 24 Stunden für unterschiedlichste Zielgruppen zu bespielen. Mit dem Format gelingt es, Menschen in die Schiffbauergasse zu holen, die so vielleicht noch nicht den Weg dahin gefunden haben und die später vielleicht auch mal ins Fluxus-Museum gehen, ins Waschhaus oder ins HOT. Ich glaube, das ist der tatsächliche Mehrwert. Es ist die Veranstaltung, die das meiste Publikum zieht. Es gibt daneben ja auch viele andere, kleinere Formate, Made in Potsdam zum Jahresanfang oder die Kunstmesse Art Brandenburg zum Beispiel, die im Tagesgeschäft bestimmte Highlights setzen. Wobei es natürlich auch in der Schiffbauergasse noch Optimierungspotenziale gibt. Der Nahverkehr ist ganz oben auf der Liste.

Die künftige Intendantin berichtete, dass sie mit ihrer betagten Mutter nach einer Vorstellung im HOT nicht weg kam, weil keine Bahn mehr fuhr. Haben Sie so etwas auch schon erlebt?

Durchaus! Wenn die Bahn gerade weg ist wartet man schon mal zwanzig Minuten. Im Zweifelsfall laufe ich dann bis zum Platz der Einheit und von da aus geht es wieder. Also da gibt es Potenzial.

Über die Potenziale der Schiffbauergasse wird bereits seit mehr als zehn Jahren geredet. Jetzt soll eine zusätzliche Stelle für das Marketing eingerichtet werden. Ist das alles?

Es ist die Entscheidung getroffen worden, dass statt einer europaweiten Ausschreibung mein Kultur-Fachbereich für das Standortmarketing zuständig bleibt. Die bisher provisorische Lösung soll verstetigt werden, aber noch einmal mit einem professionelleren Aufschlag. Man kann als gutes Beispiel die Investitionsplanung nehmen. Wenn wir die Schiffbauergasse weiter entwickeln wollen, müssen die Mittel bereit gestellt werden. Dies ist mit der aktuellen Haushaltsplanung, so die Stadtverordneten sie denn beschließen, vielfach gelungen. Es gibt noch eine Reihe von Fragen zu klären zum Beispiel: Wie kriegen wir die Open-Air-Bühne stärker bespielt? Wie bekommen wir mehr Licht in die Schiffbauergasse? Wir müssen die Ressourcen bündeln und versuchen, zeitnah so viele Antworten wie möglich zu finden. Wir wollen nicht einfach weiter das gleiche machen.

Die Freilichtbühne soll dann trotz Anwohnern mehr als vier mal pro Jahr bespielt werden dürfen?

Das ist unsere Hoffnung.

Andrea Palent, die Chefin des Nikolaisaals, fordert analog zur Schiffbauergasse ein eigenes Marketingbudget für die Kultureinrichtungen der Innenstadt. Wie stehen Sie dazu?

Die Schiffbauergasse kristallisiert sich ja immer weiter als Abendquartier heraus. Am Anfang gab es sicher die Überlegung vom Kunst- und Kulturquartier, das von morgens bis abends bespielt wird. Wenn wir dort aber den Abendbereich haben, könnte man die Kunst- und Kulturachse in der Stadtmitte noch einmal stärker für das Tagesgeschäft öffnen. Vor diesem Hintergrund finde ich es wichtig, die Akteure in der Innenstadt für gemeinsame Formate mit zusätzlichen Mitteln auszustatten. In welcher Größenordnung, das müsste im Rahmen eines Konzeptes geklärt werden.

Wie weit reicht die Runde der Beteiligten?

Das Rechenzentrum und die dortige Entwicklung würde ich durchaus mit einbeziehen wollen. Auch das Bildungsforum, das Kabarett, die wissenschaftlichen Institute, so sie denn gewillt sind Den gesamten Innenstadtbereich. Das müsste man groß denken.

Würden Schiffbauergasse und Stadtmitte dann nicht zu Konkurrenten aufgebaut?

Nein, bei einer klaren Abgrenzung sicherlich nicht. Zielführend wäre es natürlich, wenn es aus einer Hand heraus gemanagt würde. Dann würde sich auch die Diskussion erübrigen, dass viel Geld in die Schiffbauergasse fließt, andere Akteure jedoch nicht angemessen gefördert werden.

Der Museums-Förderverein dringt auf Erweiterung des Potsdam-Museums für Kunstausstellungen. Was ist nötig, was ist möglich?

Grundsätzlich finde ich das Ansinnen richtig. Wir müssen eine Plattform finden, wie wir die Schätze, die in den Depots lagern und die auch die Bandbreite der Potsdamer Kulturschaffenden aufzeigen, dauerhaft präsentieren können. Wir sind in Überlegungen, wie dafür perspektivisch ein Ort geschaffen werden kann. Aber da sind wir wirklich am Beginn des Prozesses. Ich kann Ihnen heute leider nicht sagen: In drei Jahren haben wir eine wunderbare Kunsthalle.

Die ungelöste Depotfrage mit einer Vielzahl von Standorten und Provisorien ist ein weiterer Kritikpunkt. Zuständig für das geplante Zentraldepot für Museen, Bibliothek und Stadtverwaltung ist der zum Finanzdezernat gehörende Fachbereich Verwaltungsmanagement. Wie können Sie sich einbringen?

Es ist wichtig, dass wir das möglichst schnell hinbekommen. Es werden unterschiedliche Varianten geprüft. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Schlösserstiftung, hat uns in das neue, hochmoderne Zentraldepot der Stiftung eingeladen, das im März eröffnet wird. Ob diese Depotlösung ein Modell für die Stadt ist, kann ich noch nicht beurteilen. Wir werden es uns ansehen und vielleicht daraus gute Schlüsse ziehen.

Beim Naturkundemuseum gibt es immer wieder Anläufe, das Land stärker die Verantwortung zu nehmen. Wie ist da der Stand?

Es steht noch in diesem Monat ein Gespräch mit dem Kulturministerium an, in dem man generell schauen will, wo perspektivisch welche Unterstützung erfolgen kann. Ich habe sehr deutlich angemerkt, dass ich die Erwartung habe, dass Potsdam von der Entwicklung profitiert. Nun wollen wir uns erneut abstimmen, wie weit das Land uns unterstützen kann.

Mit dem Ziel einer dauerhaften Beteiligung?

Durchaus. Es ist das einzige Museum im Land, das die Flora und Fauna Brandenburgs aufzeigt. Wir können nicht mit dem Berliner Naturkundemuseum konkurrieren; wir zeigen keinen T-Rex, aber wir zeigen die Großtrappe. Und den wissenschaftlichen Auftrag des Museums sieht der Besucher ja nicht. Wir sind beispielsweise das Wolfszentrum des Landes. Und da würde ich mir wünschen, dass das Land sich perspektivisch stärker einbringt, weil wir tatsächlich auch Landesaufgaben erfüllen und nicht nur lokale.

Ist der Erweiterungsbau eines Klimaschaufensters für das Naturkundemuseums noch ein Thema?

Derzeit nicht.

Stichwort Rechenzentrum: Sie sind Teilnehmerin des Szenarioworkshops für ein neues Kreativzentrum in der Innenstadt, der am Montag in die zweite Runde geht. Ist das Rechenzentrum selbst noch in der Spielmasse als die finanziell wohl günstigste Variante?

Diese Frage ist bisher kein Bestandteil. Als Ergebnis des Workshops soll ein Zielbild feststehen. Wie wollen wir uns zu dem Thema Kultur- und Kreativwirtschaft positionieren, wie soll dem perspektivisch Raum gegeben werde. Ohne schon die Frage zu beantworten: Das ist der Platz. Erst danach soll geschaut werden, welche Möglichkeiten der Realisierung es gibt.

Zur Person

Noosha Aubel (42), verheiratet, Mutter zweier Töchter, geboren und aufgewachsen in Hannover, ist seit 1. August 2017 Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport in der Landeshauptstadt Potsdam.

Die Dipolm-Pädagogin schloss 2010 einen berufsbegleitenden Masterstudiengang an der Ruhr-Universität Bochum 2010 mit einer Empirischen Untersuchung zum Führungshandeln in der Kommunalverwaltung ab.

Zuletzt war Aubel von 2008 bis 2017 Leiterin des Amtes für Jugend, Bildung und Sport in Hilden. In Potsdam ist sie erstmals Chefin einer Kulturverwaltung.

Von Volker Oelschläger

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