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Potsdam 52 Millionen für Sacrow-Paretzer Kanal
Lokales Potsdam 52 Millionen für Sacrow-Paretzer Kanal
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00:54 05.09.2014
Der Start des weiteren Ausbaus  des Sacrow-Paretzer Kanals.
Der Start des weiteren Ausbaus  des Sacrow-Paretzer Kanals. Quelle: Rainer Schüler
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Die Biber sind schon umgezogen, die Zauneidechsen haben ein neues Zuhause, und die grünen Ufer bleiben so grün wie sie es jetzt sind: Konsens statt Konflikt am Sacrow-Paretzer Kanal, wo am Dienstag der Schwimmbagger das symbolisch erste Mal seine Schaufel in den schlammigen Untergrund des Wasserweges grub, der jetzt zur Wasserstraße werden soll. Das ist der Kanal faktisch zwar schon längst, doch ist die Tonnage der Gütermotorschiffe noch begrenzt, die ihn passieren. Auf 3,20 bis 3,50 Meter wird er vertieft; die 50 Meter Wasserspiegelbreite bleiben. Schubschiffe mit bis zu 2,80 Meter Tiefgang und Containerschiffe mit zwei Lagen Fracht können ihn bei Maximallängen von 110 Metern künftig befahren – von Hannover bis Berlin.

Vier Meter bis zum Grund hätten es nach Planungen des Bundes werden sollen und fünf bis acht Meter Breite mehr, doch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) klagte dagegen. Man erzielte vor Gericht einen Vergleich, der nicht nur gilt, sondern alle Beteiligten auch zufrieden stellt, wie beide Seiten gestern bekräftigten.

Nachdem der Nedlitzer Durchstich als Verbindung zwischen Weißem und Jungfernsee auf 1,1 Kilometern für rund fünf Millionen Euro verbreitert und vertieft, die Brücke des Friedens durch einen höher liegenden, 10,7 Millionen Euro teuren Neubau ersetzt und der Neubau der Nedlitzer Südbrücke für rund acht Millionen Euro begonnen wurde, kostet der Ausbau des zwölf Kilometer langen Abschnitts bis zum Havelkanal rund 38 Millionen Euro. Ende 2017 werde man fertig sein, versprach gestern Rolf Dietrich, Leiter des Wasserstraßenneubauamtes Berlin. Der Gesamtausbau des Kanals kostet 52 Millionen Euro. Dazu gehören der Bau einer Wendestelle für die Schiffe im Mündungsbereich des Havelkanals bei Ketzin und eine 350 Meter lange Wartestelle für den geplanten Teilausbau des Havelkanals bis zum Hafen Wustermark.

Im Zuge des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 17 wird das Güterverkehrszentrum (GVZ) Berlin West vollwertig an das transeuropäische Wasserstraßennetz angeschlossen. Das vor den Toren Potsdams gelegene Umschlagszentrum hat sogar Anschluss an Autobahn und Eisenbahn. Bis 2020 soll die gesamte Wasserstraßenverbindung Hannover-Magdeburg-Berlin fertig sein.

Von der Ertüchtigung des Kanals als Bundeswasserstraße profitiert nach Angaben von Rolf Dietrich nicht nur die Berliner Wirtschaft, sondern auch die Brandenburger. Die Häfen seien ausgebaut worden und warteten auf Arbeit, die Entwicklung der Warenumschläge sei positiv. Dieter Rehmann, Handlungsbevollmächtigter der Hafen und Transport AG Hamburg, sprach von 30 bis 40 Prozent Zuwachs im Wasserstraßenfrachtverkehr, die in den nächsten 30 Jahren zu erwarten seien. Wissen könne das aber derzeit niemand.

Tilman Heuser, Geschäftsführer des BUND Berlin, sieht den Konsens zwischen Naturschutz und Ökonomie beim Kanalprojekt als vorbildhaft für andere Verkehrsprojekte an. Solche Einigkeit wie bei den Wasserstraßen sei bei Straßen- oder Verkehrsprojekten noch nicht zu erzielen.

Nach Angaben von Bundes-Verkehrsstaatssekretärin Katherina Reiche (CDU) hat kein europäisches Land so viele Wasserstraßen wie Deutschland. Das Netz aus Gewässern, Häfen und Infrastruktur sei rund 50 Milliarden Euro wert, brauche aber zur Instandhaltung rund 900 Millionen jährlich. Da sei Neubau noch gar nicht enthalten.

Von Rainer Schüler

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