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Potsdam Matrosenstation Kongsnaes öffnet im Mai
Lokales Potsdam Matrosenstation Kongsnaes öffnet im Mai
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06:17 15.02.2019
Die Norwegische Matrosenstation „Kongsnaes“ ist fast fertig.
Die Norwegische Matrosenstation „Kongsnaes“ ist fast fertig. Quelle: Rainer Schüler
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Berliner Vorstadt

 

Die frühere Matrosenstation „Kongsnaes“ von Kaiser Wilhelm II. soll im Mai als Gaststätte eröffnen. Das hat Bauherr Michael Linckersdorff am Donnerstag der MAZ gesagt. Die aufwändig mit Schnitzwerk, Drechselsäulen und prächtigem Leuchter rekonstruierte Halle bildet dann den Rahmen für eine anspruchsvolle Gastronomie im „gehobenen Niveau“.

„Die Proteste einiger weniger haben sich erledigt“, sagt er und erwartet keine weiteren Störmanöver. Namhafte Anlieger hatten Ruhestörungen durch den kommenden Restaurantbetrieb befürchtet und gegen das Projekt geklagt, erfolglos.

Eröffnung war schon früher geplant

Die Eröffnung hatte Linckersdorff ursprünglich schon für den vergangenen Sommer geplant, doch dann stellte sich die Herstellung der riesigen, tonnenschweren Thermo- und Schallschutzfenster als schwierig heraus; immerhin mussten sie auch noch entspiegelt werden, um von der Berliner Uferseite keine Reflexe zu sehen. Auch forderte der Statiker, die stützenden Dach-Querbalken der Halle müssten aus einem Stück gefertigt werden, gedrechselt. „Es gibt in ganz Europa keine Drechselbank für einen Balken von 8,50 Meter Länge und 50 Zentimetern Durchmesser“, berichtet der Bauherr.

Die kaiserliche Matrosenstation „Kongsnaes“ (dt.: Königsnase) ist aus dem Nichts wieder auferstanden. Die MAZ durfte sich in ihr umschauen. Im Mai soll die Station als Restaurant öffnen.

Keiner konnte solche Balken drechseln

Die mit dem authentischen hölzernen Nachbau beauftragte polnische Firma AWK Design GmbH mit Sitz an der Schwanenallee wurde schließlich in den Waldkarpaten in Südost-Polen fündig. „Da gab es einen kleinen Mann, kaum 1,60 groß, so ein schräges Hütchen auf dem Kopf“, erzählt Seyfert: „Der hat aus zwei Böcken und einem alten Deutz-Treckermotor diese riesige Drechselbank gebaut.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen; die ganze Station ist längst ein Hingucker geworden – ein jetzt schon beliebtes Fotomotiv.

Am Wochenende hätten auch schon im Inneren viele Handyfotos entstehen können; denn in der „Ventehalle“, wie die Station auch genannt wird, sollte es die erste Veranstaltung geben sollen. Der Verein Berliner Vorstadt wollte ein Buch mit historischen Postkartenansichten der Vorstadt präsentieren; Linckersdorff hatte die Ventehalle dafür angeboten. Doch konnte die nötige Baufreigabe so kurzfristig nicht erteilt werden.. Der Verein zieht mit der Veranstaltung in die Villa Schöningen an der Glienicker Brücke.

Endausbau hat begonnen

Linckersdorff indessen steht im Endausbau seines Projektes, bei dem vor allem die Küche und die Sanitärbereiche im Anbau noch nicht fertig sind. Auch der neue Gastronom hat seinen Vertrag noch nicht unterschrieben. Doch Linckersdorff zweifelt nicht, dass sich beide Seiten einige werden.

Die Halle selbst hat inzwischen ihren Kiefern-Naturholzdielung bekommen, unter dem sich eine Fußbodenheizung verbirgt. Die Klimatechnik ist installiert; sie dient nach Angaben des Projektentwicklers Wolfram Seyfert nicht vordergründig der Winterbeheizung des hölzernen Gebäudes, sondern vielmehr der Kühlung im Sommer. Dass dies nötig ist, hatte man im Sommer 2017 erlebt, als die Fenster bereits eingebaut waren, auch wenn sie in vollen Höhe seitlich aufgeschoben werden können.

Investor bezieht selbst Wohnung

Zum Ensemble der Matrosenstation gehören drei weitere Gebäude im norwegischen Stil: das Kapitänshaus, die Matrosenkaserne und das Bootshaus, die nach dem Krieg Wohnhäuser waren. Zwei Jahre veranschlagt Linckersdorff dafür noch, „denn es muss einerseits den hohen Ansprüchen der Denkmalpflege genügen und andererseits den modernen Standards.“ Er selbst will eine kleine Wohnung im Haus des „Kaiserlichen Yachtkapitäns“ Carl Velten (1849–1925) nutzen.

Kongsnaes und die „Royal Louise“

Die Matrosenstation Kongsnæs diente kleineren Booten als Liegeplatz und war Heimathafen für die Miniaturfregatte „Royal Louise“ sowie die 1887 vom Stapel gelaufene Schraubendampfyacht „Alexandria“.

Diese, zur damaligen Zeit „Spielyachten“, „Lustschiffe“ beziehungsweise „Salondampfer“ genannten Wasserfahrzeuge nutzte die kaiserliche Familie für Vergnügungs- und Repräsentationsfahrten auf Havel und Spree bis zum Berliner Schloss.

Die „Royal Louise“ ist die originalgetreue Rekonstruktion einer britischen Miniaturfregatte von 1832.

Das originale Schiff war ein Geschenk des britischen Königs William IV. an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. Es wurde nach der verstorbenen Königin Louise, der Frau Friedrich Wilhelms, benannt.

Das neue Schiff wurde 1996—1998 in Berlin-Köpenick gebaut und segelt auf den Havelseen bei Vereins- und Gästefahrten. Sein Liegeplatz ist beim Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) in Berlin.

Sehr zum Ärger des Kongsnaes-Bauherren wird die gleichfalls rekonstruierte und segeltüchtige Miniaturfregatte „Royal Louise“ nicht am extra für sie gebauten Steg neben der Ventehalle festmachen. Der Träger-Verein habe sich entschieden, in Berlin zu bleiben, sagt Linckersdorff – „eine klare Verletzung der Vereinbarungen“ und zudem ein „Verstoß gegen die Förderrichtlinien, denn das Schiff wurde mit Geld aus Brandenburg gebaut und liegt nun dauerhaft in Berlin.“

Von Rainer Schüler