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Potsdam Mit Mauerkunst ins Jubiläumsjahr
Lokales Potsdam Mit Mauerkunst ins Jubiläumsjahr
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01:15 28.01.2019
Tuulia Faber, Mikos Meininger und Werner Ruhnke vom Vereinsvorstand des „Sans titre“ in der Ausstellung von Kiddy Citny. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Die Künstler Kiddy Citny und Thierry Noir wollten die komplette Berliner Mauer bemalen, wurden dann jedoch von der deutschen Wiedervereinigung gestoppt. Sie gingen in die Kunstgeschichte ein. Denn die vielen Mauersegmente mit ihren Herzköpfen und Königskindern wurden schon kurz nach der Grenzöffnung demontiert und über Monte Carlo in alle Welt versteigert, ohne dass die Künstler gefragt worden wären. 1999 erstritten sie vor dem Berliner Landgericht eine Beteiligung von fast einer halben Million Mark aus dem Erlös der Versteigerung.

Von Kiddy Citny gestalteter Probenraum im „Sans titre“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Seit einem halben Jahr ist Kiddy Citny Wegbegleiter auf Zeit für das Kunsthaus „Sans titre“ in der Französischen Straße. Zustande kam der Kontakt über die Kunstzeitschrift „Herzattacke“, die in ihrer 100. Ausgabe im Sommer 2018 auch zwei Herzköpfe von Citny präsentierte. Mitherausgeber der „Herzattacke“ ist Mikos Meininger, Mitgründer und Leiter des „Sans titre“. Auf seine Einladung gestaltete Citny zunächst den Bandprobenraum und eröffnete dann im November eine Ausstellung „West Side Story“ mit 29 Arbeiten in der Galerie des Hauses.

Mit Kiddy Citny geht das Kunsthaus nun in ein doppeltes Jubiläumsjahr. Eröffnet wird mit der Ausstellung, die im „Sans titre“ noch bis zum 24. Februar zu sehen ist, das Jahresprogramm zu dem im November anstehenden 30. Jubiläum des Mauerfalls. Kiddy Citny selbst wird sich am 6. Februar um 19 Uhr noch einmal den Fragen des Potsdamer Publikums stellen.

Zugang zum „Sans titre“ von der Französischen Straße. Auch hier soll gebaut werden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das zweite Jubiläum aber betrifft das „Sans titre“ selbst: Im Spätsommer 2009 eröffneten Constanze Henning, Chris Hinze und Mikos Meininger das Kunsthaus „Ohne Titel“, so die Übersetzung, mit einer Ausstellung „Der schmale Grat“ von Schweizer Künstlern zum Thema Mauern und Mauerfälle. Geplant war dieses Ausstellungsprojekt noch für das KunsthausPuschkin“ am Kapellenberg, in dem Henning und Hinze zuvor gearbeitet hatten. Doch das „Puschkin“ musste nach kaum drei Jahren aufgeben, weil die zur Zwischennutzung freigegebene Immobilie nicht mehr zur Verfügung stand.

Der Künstler liebt die Einsamkeit

Alberichs Traum im Kunsthaus „Sans titre

Zwillingswoge auf Wanderschaft

Das „Sans titre“ eröffneten sie in einem seit bereits Jahren leerstehenden Werkstattgebäude der Energiewirtschaft aus den 1960er Jahren. Die Immobile gehört der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956, die mit der zunächst befristeten Freigabe des Hauses zu einem Wegbereiter für die zeitgenössische Kunst in der Innenstadt geworden ist. Von „Ermöglichern“ spricht Mikos Meininger. Nach ursprünglichen Plänen der Genossenschaftler sollte der Industriebau fallen, um Wohnungen darauf zu errichten.

Blick von der Straße Am Kanal: Das „Sans titre“ ist halb hinter gewaltigen Erdhaufen verschwunden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Doch nach einem Stadtverordnetenbeschluss zur Sicherung des innerstädtischen Kunstzentrums ist in einem Kompromiss geplant, das „Sans titre“ zu erhalten. Inmitten neuer Wohnhäuser könnte es allerdings im Hinterhof verschwinden. Die genauen Pläne für die künftige Bebauung sind noch nicht bekannt. Verändert hat sich bereits die Sicht von der Straße Am Kanal hinüber zum „Sans titre“. Über eineinhalb Jahrzehnte freies Feld, laufen dort nun Vorbereitungen für einen Hotelneubau. Mit der Baugrube wurden die Kellermauern einstiger Bürgerhäuser freigelegt. Das Kunsthaus aber ist halb hinter gewaltigen Erdhaufen verschwunden.

Veranstaltungen im Kunsthaus „Sans titre“

Die Ausstellung „West Side Story von Kiddy Citny läuft noch bis 24. Februar. Der Eintritt ist frei. Künstlergespräch am 6. Februar um 19 Uhr.

Die Band Kaolin gibt am 5. Februar ein Konzert im Kaminzimmer mit Songs von Elvis Costello bis Jack White. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Die nächste Ausstellung wird am 25. März eröffnet. Schüler der Evangelischen Grundschule Weinmeisterstraße präsentieren Kunst zum Bauhaus-Jubiläumsjahr.

Von Volker Oelschläger

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