Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Max-Ophüls-Preis 2021: Zwei Filmprojekte der Filmuniversität Potsdam ausgezeichnet
Lokales Potsdam

Max-Ophüls-Preis 2021: Zwei Filmprojekte der Filmuniversität Potsdam ausgezeichnet

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:28 25.01.2021
Kamerafrau Janine Pätzold und Regisseurin Laura Reichwald im Schnee. Reichwalds Film „Stollen“ wurde als bester Dokumentarfilm auf dem Max-Ophüls-Festival 2021 ausgezeichnet.
Kamerafrau Janine Pätzold und Regisseurin Laura Reichwald im Schnee. Reichwalds Film „Stollen“ wurde als bester Dokumentarfilm auf dem Max-Ophüls-Festival 2021 ausgezeichnet. Quelle: Georg Kußmann/MDR Mitteldeutscher Rundfunk/obs
Anzeige
Potsdam/Saarbrücken

Der Film „Stollen“ der Potsdamer Filmunistudentin Laura Reichwald wurde auf dem Max-Ophüls-Filmfestival als beste Dokumentation ausgezeichnet. Das teilte die Filmuniversität Potsdam am Montag mit. Außerdem wurde Alison Kuhns Film „The Case You“ für die beste Musik in einem Dokumentarfilm ausgezeichnet. Die Preisverleihung der 42. Ausgabe des Festivals fand am 23. Januar statt, die Filmuniversität Babelsberg war mit fünf Filmen vertreten, insgesamt wurden 16 Preise im Wert von 118.500 Euro vergeben.

„Potsdam ganz nah“ erleben – zweimal wöchentlich

Alle News für die Landeshauptstadt schon morgens in Ihrem E-Mail-Postfach – jeden Dienstag und Freitag. Jetzt anmelden!

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Ein dörflicher Mikrokosmos

Laura Reichwalds „Stollen erzählt von den Tücken alter Traditionen: In dem erzgebirgischen Dorf Pöhla hält man, ungeachtet der verheerenden gesundheitlichen Folgen, auch 30 Jahre nach der Wende die Bergbaubräuche lebendig. „Besonders interessiert mich dabei der dörfliche Mikrokosmos, in welchem konzentriert sichtbar wird, welche universellen Themen beschäftigen und wie sie verhandelt werden“, sagt die Regisseurin dazu. „Stollen“ sei eine filmische Spurensuche und Bestandsaufnahme der erzgebirgischen Lebenswirklichkeit im Jahr 2019 und ein Blick in die eigene Heimat.

„Die Filmemacherin blickt zart, vorsichtig und poetisch auf ein Stück Heimat, die bewahrt werden will, die mit ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft hadert und sich dabei klammert an das, was immer da war“, heißt es in der Begründung der Jury. Die Filmemacherin nehme sich zurück und sei trotzdem die ganze Zeit da. Sie teile ihren liebevollen Blick auf Menschen, ihre Geschichten, ihre Perspektive und entwickele dabei einen Sog, der neugierig macht auf alles, was von ihr und ihrem Team noch kommt. Der Dokumentarfilmpreis wird mit 7.500 Euro dotiert.

Filmstill aus „Stollen“: Pöhla im Schnee. Quelle: Janine Pätzold/MDR Mitteldeutscher Rundfunk/obs

Lesen Sie auch:

Dokumentation über sexuelle Gewalt

Alison Kuhns „The Case You“, erzählt von fünf Schauspielerinnen, die alle vor Jahren an einem Casting teilgenommen haben, bei dem es zu sexuellen und gewaltsamen Übergriffen kam. Die Potsdamer Regiestudentin Kuhn war selbst unter den Bewerberinnen. „Als ich 2018 mein Regiestudium begann, wusste ich, dass es einen Film gab, den ich so schnell wie möglich realisieren musste“, sagt sie dazu auf der Website des Filmfestivals. „Ich wollte meine neue Position hinter der Kamera nutzen, um meine Schauspielkolleg:innen zu unterstützen und ihren Stimmen eine öffentliche Plattform zu geben.“ Gedreht wurde vier Tage im April 2019 im Theatersaal der Filmuniversität, der für die Protagonistinnen zu einem geschützten Raum wird.

„Die Filmmusik, die uns in diesem Wettbewerb überzeugt hat, ist unkonventionell und reduziert. Sie löst althergebrachte Grenzen zwischen traditionellem Verständnis von Filmmusik und Sounddesign auf, arbeitet minimalistisch und sparsam, aber präzise eingesetzt im Dienst der Handlung“, heißt es dazu in der Jury-Begründung. Dabei vermeide sie durch Abstraktion, zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Im gelungenen Zusammenspiel mit dem Sounddesign von Larissa Kischk unterstütze die Komposition von Dascha Dauenhauer die Dramaturgie, ohne jemals übertrieben dramatisch zu wirken.

Mehrfach ausgezeichnete Filmuni-Absolventin

Dascha Dauenhauer, die Filmmusik an der Babelsberger Filmuniversität studierte, wurde bereits mehrfach für ihre Soundtracks ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie den Deutschen Filmpreis sowie den Europäischen Filmpreis für ihre Filmmusik zu „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani. Den Preis für „Die beste Musik in einem Dokumentarfilm“ nahm sie gemeinsam mit Regisseurin Alison Kuhn entgegen, er ist mit 5.000 Euro dotiert.

Das Max-Ophüls-Filmfestival gilt als wichtigstes Festival für den jungen deutschsprachigen Film. Wegen der Corona-Pandemie fand die 42. Ausgabe zum ersten Mal komplett als Online-Edition statt. Als bester Spielfilm wurde am Samstag „Borga“ von York-Fabian Raabe ausgezeichnet. Der Film erhielt außerdem den Publikumspreis Spielfilm und den Preis der ökumenischen Jury. Darüber hinaus wurde Hauptdarsteller Eugene Boateng der Preis für den gesellschaftlich relevanten Film verliehen.

Von MAZonline/sku