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Potsdam Mega-Schule am Stern eröffnet im Sommer
Lokales Potsdam Mega-Schule am Stern eröffnet im Sommer
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20:07 23.01.2018
Neben der Coubertin-Schule am Stern entsteht mit der neuen Montessori-Schule der größte und teuerste Schulbau der Stadt. Am Dienstag wurde Richtfest gefeiert. Quelle: Rainer Schüler
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Am Stern

In der Gagarinstraße ist am Dienstag das Richtfest für den Neubau der Montessori-Schule gefeiert worden. Das mit 35,3 Millionen Euro bislang teuerste Schulbauprojekt der Landeshauptstadt liegt im Zeit- und Kostenplan und soll schon zum neuen Schuljahr im Spätsommer 2018 starten. Wie es mit den zahlreichen weiteren Projekten des Bildungssektors weitergeht, ist allerdings unsicher. Oberbürgermeister Jann Jakobs fürchtet, die in den kommenden vier Jahren geplanten Investitionen von 173 Millionen Euro im Schul- und Sportstättenbereich und 33 Millionen für Kindertagesstätten und Horte nicht komplett und nicht im Zeitplan umsetzen zu können. „Überall wird emsig gebaut. Wir bauen. Das Land baut, und der Bund hat ein Investitionsprogramm. Da ist viel Geld unterwegs.“

Wie Bernd Richter als Chef des investierenden Kommunalen Immobilienservice (Kis) der MAZ sagte, gibt es Vorhaben, für die sich bei der Ausschreibung „einer oder gar kein Bieter“ findet. Auch am Planungspersonal fehle es inzwischen, weil zu viele Projekte konkurrieren. Im Notfall müsse man ein Vorhaben umplanen und neu ausschreiben, sagte er; der Fall sei aber noch nicht eingetreten.

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Der Montessori-Schulneubau am Stern bekommt natürlich auch eine eigene Sporthalle. Quelle: Rainer Schüler

Am Standort Gagarinstraße läuft die Pierre-de-Coubertin-Oberschule nach einem Aufnahmestopp für Schüler allmählich aus. Ab dem neuen Schuljahr arbeitet sie noch drei Jahre weiter und parallel zum Betrieb der neuen Montessori-Schule im selben Plattenbau aus DDR-Zeiten. Die „Montessori“ soll im Endausbau 1000 Schüler von der ersten bis zur 13. Klasse haben und einen Hort.

Der Schulbetrieb beginnt mit voraussichtlich vier siebten und zwei elften Klassen. Erste Klassen wird es ab dem Schuljahr 2019/2020 geben; dann nimmt auch die Stiftung SPI als Hortträger ihre Arbeit auf.

Die Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) sieht in dem Schulzentrum „Am Stern“ einen „Lern- und Lebensort mit einem Alleinstellungsmerkmal. Eine kommunale Montessori-Schule, die die Schullaufbahn von der ersten bis zur 13. Klasse umfasst und alle Abschlüsse ermöglicht, ist in der Region einzigartig.“

Mit 1000 Schülern und einem Investitionsvolumen von über 35 Millionen Euro ist die neue Schule am Stern der bislang größte und teuerste Bildungs-Neubau der Stadt und einzigartig in Deutschland, weil hier bis Klasse 13 gelernt werden kann.

Das derzeitige Schulareal wird deutlich erweitert. Die Stadt saniert die Bestandsschule vom Typ „Erfurt“ und fügt einen viergeschossigen Gesamtschulneubau mit fünf Zügen in der Sekundarstufe I, drei Zügen in der Sekundarstufe II sowie einer zweizügigen Primarstufe an; der Hort hat Platz für 225 Kinder. Außerdem entsteht eine Vierfeld-Sporthalle für den Schul- und Vereinssport. Im Außenbereich finden die Schüler neue Freisportflächen für den Schulsport und neue Spiel- und Pausenbereiche.

Aktuell sind die Rohbauarbeiten am Schulneubau fertig; es werden die Fenster eingebaut und die Fassade verklinkert; das Dach wird abgedichtet und gedämmt. Der Innenausbau beginnt im Februar 2018. Die Rohbauarbeiten für die neue Sporthalle sind ebenfalls abgeschlossen; die Stahlfachwerkträger des Hallendaches wurden in den ersten Januarwochen montiert. Der Einbau der Fenster und die Abdichtung des Daches sollen im Februar erfolgen, danach startet der Innenausbau.

Bereits kurz nach dem Betriebsstart der Montessori-Gesamtschule, nämlich schon zum Ende des Jahres 2018 sollen die neue Vier-Feld-Halle zusammen mit dem Schulneubau fertiggestellt und können zum zweiten Schulhalbjahr 2018/2019 eröffnet werden. Anschließend wird das bestehende Gebäude saniert und erweitert. Damit will man im Sommer 2020 durch sein.

Auf den Dächern des Schulneubaus werden rund 950 Quadratmeter, auf der Sporthalle sogar 1640 Quadratmeter mit Photovoltaik-Platten belegt. Den Bau bezahlt komplett ein großer Stromanbieter, der auch den erzeugten Strom verkauft, in diesem Falle an die Stadt und spürbar günstiger als auf dem freien Markt, denn Potsdam muss keine Nutzungsgebühren für ein Stromnetz zahlen.

Was Montessori ausmacht

Schon bevor die Stadtverordnetenversammlung festgelegt hat, dass der neue Schulstandort am Stern ein Montessori-Konzept bekommen soll, war die Errichtung einer Gesamtschule mit Primarstufe am Standort der jetzigen Coubertin-Oberschule beschlossen.

Künftig gibt es also zwei staatliche Montessorischulen in Potsdam. Die bisherige Oberschule an der Schlüterstraße in Potsdam-West bleibt in ihrer jetzigen Form bestehen, wird aber eng mit der neuen Einrichtung zusammenarbeiten.

Dass in der neuen Schule bis zum Abitur nach dem Montessori-Prinzip unterrichtet wird, ist selten in Deutschland. Bundesweit gibt es nur etwa 100 weiterführende Montessori-Schulen, von denen die meisten nur bis zur zehnten Klasse gehen. In der Sekundarstufe II am Stern werden Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 19 Jahren lernen.

Friedrich-Raabe ist noch stellvertretender Leiter der Schule in „West“ und zuständig für den Aufbau der neuen Einrichtung am Stern. Er will sich auf den dortigen Chefposten bewerben.

Das Montessori-Prinzip hatte eine Umplanung der inneren Raumaufteilung zur Folge. Jeweils fünf bis acht Klassen unterschiedlicher Jahrgangsstufen werden in so genannten Dörfern zusammengefasst, jedes mit einem eigenen Gemeinschaftsraum für Kunst, Musik und Werken sowie einer Küche als „Dorfzentrum“. So will man versuchen, die große Schule übersichtlich zu machen.

Die Lehrer der bisherigen Coubertin-Schule können sich „auf die Montessori-Prinzipien“ umschulen lassen und auf Stellen der neuen Schule bewerben. Nach Auskunft des dort kommissarischen Leiters Simon Friedrich-Raabe gibt es aber noch keine solchen Umorientierungsversuche.

Von den 35,3 Millionen Euro Gesamtivestition stammen 8 Millionen Euro aus Fördermitteln des Kommunalen Infrastrukturprogramms (KIP Schulinfrastruktur), den Rest finanziert der Kommunale Immobilien Service.

Die Stadtspitze eilt in diesen Tagen von einem Schul-Richtfest zum nächsten. Vergangene Woche wurde das Richtfest für die Klassenhäuser der Grundschule Bornim gefeiert, und am Donnerstag weiht Noosha Aubel offiziell das neue Flex- und Hortgebäudes der Grundschule am Humboldtring im Zentrum-Ost ein – ein eigentlich schon in Dienst gestelltes Haus, das seine Modulbauweise nicht erkennen lässt.

Insgesamt ist in der am 19. Dezember vorgelegten Investitionsplanung des Kis für das Jahr 2018 ein Gesamtvolumen von 65,3 Millionen Euro vorgesehen. In den kommenden vier Jahren sind 240,3 Millionen Euro Investitionen geplant.

Von Rainer Schüler

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