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Potsdam Mehr Knöllchen als Hundekot-Strafzettel
Lokales Potsdam Mehr Knöllchen als Hundekot-Strafzettel
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18:54 23.07.2014
Setzt die Stadtverwaltung in ihrer Ordnungspolitik die falschen Schwerpunkte?
Setzt die Stadtverwaltung in ihrer Ordnungspolitik die falschen Schwerpunkte? Quelle: Julian Stähle / dpa
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Potsdam

Tretminen, Bakterien-Hochburgen, Stinkbomben – den Kampf gegen den Hundekot hat Potsdams Verwaltung praktisch aufgegeben. Lediglich 74 "Verstöße gegen die Stadtordnung" sind im vergangenen Jahr geahndet worden – und das angesichts mehr als 6000 gemeldeter Hunde im Stadtgebiet. Ganz anders die Offensive gegen Autofahrer: Satte 128.000 Knöllchen haben die Ordnungsamts-Mitarbeiter im selben Zeitraum wegen Falschparkens verteilt. Diese erstaunlichen Zahlen gehen aus der Antwort der Ordnungs-Beigeordneten Elona Müller-Preinesberger (parteilos) auf eine Bürgerbeschwerde hervor. Darin empört sich ein passionierter Jogger und MAZ-Leser: "Ich sehe Ordnungsamtskräfte nur im Einsatz gegen Falschparker. Noch nie sah ich einen bei der Kontrolle einer Hundemarke oder beim Verwarnen wegen Hundekots."

Setzt die Stadtverwaltung in ihrer Ordnungspolitik die falschen Schwerpunkte? Sind ihr die Haufen auf Gehwegen und Spielplätzen wurst, weil anderswo – am Straßenrand – einfachere Beute auf die Politessen wartet? Tatsache ist: Die Beigeordnete räumt ein, dass Falschparker eben viel problemloser zu überführen sind als Hundehalter, die Bellos Hinterlassenschaften dem Stadtbild überantworten. So schreibt Müller-Preinesberger: "Eine durchgängige Überwachung von Hundehaltern ist kaum möglich". Was rechtlich klar geregelt sei, "lässt sich oft in der Praxis kaum umsetzen." Hundehalter könnten nur bestraft werden, "wenn der Hundebesitzer bei der Durchführung der 'Tat seines Hundes' erwischt" werde. Hingegen reiche bei Falschparkern ein Blick aufs Nummernschild.

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„Ich wohne am Volkspark, dort lassen viele Hundebesitzer das Geschäft ihrer Tiere liegen.“Ursula Borgmann (68), Rentnerin, Potsdam„Mir fällt besonders oft am Bahnhof Babelsberg liegen gelassener Kot auf. Das ist eklig.“Lisa Rauch (19), Azubi, Potsdam„Ich sehe häufig, dass Hundekot weggemacht wird. Das Ordnungsamt muss nicht strenger sein.“InesSchmidt (49), Krankenschwester, Saarmund„Hundebesitzer achten gegenseitig darauf, dass Hinterlassenschaften weggemacht werden.“Karsten Calek (49), Informatiker, Potsdam Quelle: MAZ

Das nervt auch die Auto-Lobby: Für "relativ hoch" hält der ADAC Berlin-Brandenburg die Knöllchen-Zahl in der Landeshauptstadt. Das sagt Jörg Becker, Leiter Verkehr des Automobilclubs. Um Missverständnissen vorzubeugen: Parkraumbewirtschaftung müsse sein, betonte Becker, aber: "Es wäre allerdings wichtig zu prüfen, ob Potsdam genügend Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Parkdisziplin betreibt", so Becker.

Wie berichtet, hatten sich MAZ-Leser empört, dass am vergangenen Sonntag – einem der heißesten Tage des Jahres – acht Ordnungsamtsmitarbeiter am Waldbad Templin Strafzettel an die zahlreichen Falschparker verteilt hatten. Das Bad hat 300 Parkplätze, es kamen aber 3500 Besucher. Der Einsatz der Ordnungs-Truppe sei unangemessen und Abzocke der Bürger, so die Kritik. Die Stadt argumentiert, sie habe für Sicherheit und Ordnung sorgen müssen.

Zurück zu den Hunden: Dass deren Verdauungsrückstände zum Himmel stinken, weiß man auch in der Stadtverwaltung. Hundehaltung habe sich, so schreibt die Ordnungsbeigeordnete Müller-Preinesberger, "in vielen Städten zu einem gesellschaftlichen Problem entwickelt". Doch unternimmt die Stadt laut Statistik wenig dagegen. Lediglich 48 Mal wurde ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren gegen Hundehalter eingeleitet. 82 Besitzer wurden verwarnt, weil sie ihre Steuer nicht bezahlt hatten.

Autos und Hunde

  • 74.000 zugelassene Kraftfahrzeuge gibt es in Potsdam. Auf jedes entfiel nach Schätzungen des Internetportals Preisvergleich 2011 ein Bußgeld von 28 Euro – aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Als bundesweite Knöllchen-Hochburgen gemessen an der Zahl der zugelassenen Kfz galten in der Studie Ulm, Schwerin, Bielefeld und Köln, die auf 65 bis 61 Euro kamen.
  • 6000 Hunde sind in der Stadt gemeldet – macht geschätzt 12.000 Häufchen täglich. Dabei sprach das Ordnungsamt im Jahr 2013 nur 74 Verwarnungen gegen Hundehalter aus, die ihre Tiere gewähren ließen.

Dabei sind die Haufen selbst in der Brandenburger Vorstadt ein Problem, obgleich es dort Hunde-Toiletten gibt. Was viele Hundebesitzer wenig kümmert. "Die eine Hälfte hält sich dran, der anderen Hälfte ist es scheißegal", bringt Helmut Krüger – er macht Stadtführungen – seine Beobachtungen auf den Punkt.

Dass die Stadtverwaltung Autos und Hunden so unterschiedlich viel Aufmerksamkeit widmet, könnte auch ganz menschliche Gründe haben: Hundehalter-Kontrollen gelten – im Gegensatz zu Kfz-Knöllchen – als gefährlich: Im Jahr 2013 streckte ein Hundebesitzer, der sein Tier nicht angeleint hatte, einen Amtsmitarbeiter in Babelsberg per Kopfstoß nieder.

Von Ulrich Wangemann

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