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Potsdam Mehr Sozialwohnungen im Potsdamer Norden
Lokales Potsdam Mehr Sozialwohnungen im Potsdamer Norden
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19:24 08.01.2020
2019 sind im Bornstedter Feld 165 Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein fertiggestellt worden. Durch weitere Bauprojekte steigt diese Zahl. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Künftig sollen im Potsdamer Norden deutlich mehr Sozialwohnungen entstehen. Die Stadt ist dazu in Verhandlungen mit dem Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV) zur Ausweitung der sogenannten Fördergebietskulissen, wie Gregor Jekel, Fachbereichsleiter für Wohnen im Potsdamer Rathaus, der MAZ sagte.

In Golm und in großen Teilen des Potsdamer Nordens, etwa im stark wachsenden Fahrland sieht Jekel großen Bedarf. „Wir sind für Krampnitz guter Hoffnung. Es gibt eine Zusage, aber das ist noch nicht schriftlich“, sagt Jekel. Dort dürfte derzeit kein Fördergeld des Landes für besonders günstige Mieten eingesetzt werden.

>>>Kommentar: Beteiligt Investoren an Sozialwohnungen

Das Infrastrukturministerium bestätigt auf MAZ-Anfrage, dass die Stadt Potsdam „alle im Flächennutzungsplan dargestellten für Wohnungsbau geeigneten Flächen“ anführt.

Bornstedter Feld wird Schwerpunkt für sozialen Wohnungsbau

Bislang liegen die Stadtteile, in denen Landesförderung für Sozialwohnungen eingesetzt werden darf, vor allem im Kerngebiet und im Süden der Stadt. Die Verwaltung hat auf Anfrage exemplarisch Zahlen für einzelne Stadtteile genannt (siehe Karte). Durch zahlreiche Bauprojekte wird in den nächsten Jahren auch das Bornstedter Feld zu einem Schwerpunkt.

„Sinnvoll wäre es natürlich, wenn es in jedem Stadtteil Zugang zu günstigem Wohnraum gebe. Aber es darf im Schlaatz nicht weniger sozialer Wohnraum zur Verfügung stehen, nur weil wir mehr solche Wohnungen im Norden schaffen“, sagt Jekel. Er hält es sogar für sinnvoll, das gesamte Stadtgebiet als Förderkulisse auszuweisen, um überall Fördermittel einsetzen zu können.

Das LBV will allerdings durch genaue Festlegung der Förderbereiche gewährleisten, dass die Förderung dort eingesetzt wird, wo auch die entsprechende Infrastruktur für Kinderbetreuung, Bildung, Sport und Kultur bereitgestellt wird.

Fördermittel reichen nicht mehr aus, um Bestand zu halten

Ein weiteres Problem sieht der Fachbereichsleiter in der Höhe der Fördertöpfe für sozialen Wohnraum. „Es gibt Signale vom Land, dass das bereitgestellte Fördervolumen von 100 Millionen Euro im Jahr nicht mehr ausreicht, um alle Anträge zu bewilligen.

Allein die geplanten 350 Sozialwohnungen der Pro Potsdam am früheren Tramdepot an der Heinrich-Mann-Allee schlucken fast die Hälfte des Jahresbudgets. Dabei sind wir aber nur eine Kommune im Land“, sagt Jekel. Zugleich sinkt der Zuschuss des Bundes an das land ab diesem Jahr.

Gregor Jekel ist Fachbereichsleiter Wohnen der Stadtverwaltung Potsdam Quelle: Peter Degener

Zahl der Sozialwohnungen sinkt ohne Gegenmaßnahmen bis 2027 auf ein Viertel

Im Moment gibt es genau 6172 Sozialwohnungen in Potsdam. Weil aber nach einigen Jahren die subventionierten Mieten auslaufen, schmilzt dieser Wert stetig ab. So sind 2019 rund 600 neue Sozialwohnungen hinzugekommen, aber je nach Entwicklung der Förderbudgets sinkt die Zahl langfristig deutlich.

Auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten und Potsdamer Stadtverordneten Isabelle Vandre (Linke) teilte das Land in dieser Woche mit, dass sich die Summe bis 2025 auf rund 3500 und bis 2027 auf nur noch 1500 Wohnungen reduzieren wird.

Um dieses Abschmelzen der Mietpreisbindungen wenigsten aufzufangen, müssten jährlich hunderte neue geförderte Wohnungen errichtet werden. In diesem Jahr wird laut Gregor Jekel allerdings „kein einziges Bauvorhaben“ fertig, erst 2021 entstehen wieder im großen Stil neue Sozialwohnungen, etwa in Waldstadt 1 und im Bornstedter Feld.

Am Brauhausberg sind 2019 insgesamt 141 Sozialwohnungen zum Bestand hinzugekommen. Quelle: Bernd Gartenschläger

40.000 Haushalte hätten Anspruch auf Sozialwohnung

Rund 40.000 Haushalte haben in Potsdam ein Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein. Das entspricht etwa 40 Prozent aller Haushalte. Bei Alleinerziehenden liegt die Quote sogar bei 80 Prozent. Der größte Teil fällt zudem in die niedrige Einkommensgruppe, die nur 5,50 Euro Nettokaltmiete zahlen müsste.

„Das hat Auswirkungen auf das Förderverhalten. Wir ändern nun den Verteilungsschlüssel“, kündigt Jekel an. Anstelle jeweils zur Hälfte Wohnungen für die niedrige und die höhere Einkommensgruppe mit den Eigentümern der Wohnungen zu vereinbaren, werden künftig zwei Drittel der Wohnungen für die Gruppe mit niedrigem Einkommen bereitgestellt.

Mehr sei wegen der Baukosten wirtschaftlich nicht zu leisten. Erstmals soll der neue Schlüssel beim Pro-Potsdam-Projekt am früheren Tramdepot in der Heinrich-Mann-Allee angewandt werden.

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