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Potsdam Mehr Weihnachtsmarkt: Blauer Lichterglanz in Potsdam ist gewachsen
Lokales Potsdam Mehr Weihnachtsmarkt: Blauer Lichterglanz in Potsdam ist gewachsen
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18:03 25.11.2019
Neu auf dem Potsdamer Weihnachtsmarkt „Blauer Lichterglanz“ ist das Riesenrad. Quelle: Friedrich Bungert
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Innenstadt

Zehn Stände mehr und das erste Riesenrad seit über 20 Jahren –so ist der traditionelle Potsdamer Weihnachtsmarkt auf der Brandenburger Straße am Montag in seine diesjährige Saison gestartet. Zusammen mit dem Weihnachtsmarkt ließ sich Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) mit dem Weihnachtsmann in einer Kutsche vom Rathaus aus durch die Einkaufs- und Marktstraße fahren, um nach einem Halt an der alljährlichen Pyramide dann am Luisenplatz – wie jedes Jahr – den Riesenstollen anzuschneiden; die Bäckerei Schröter hatte ihn gebacken.

Veranstalter, Obebürgermeister und Weihnachtsmann in der Kutsche vorm Rathaus. Quelle: Friedrich Bungert

Jedes Jahr dasselbe – diesen Vorwurf kann Eberhard Heieck vom Cottbuser Marktveranstalter Coex nachvollziehen. „Aber Tradition ist das Lebenselixier aller Weihnachtsmärkte“, sagt er: „Die Händler und Schausteller wollen immer auf dieselben Plätze, die sie schon seit Jahren haben. Und die Stammkunden suchen sie genau dort.“ So hat Glühweinanbieter Teodosio Giacomio aus der italienischen Partnerstadt Perugia schon am allerersten Tag mehrere erstaunte Wiedersehenstreffen mit Kunden gehabt, die an einem anderen Standort auf der Brandenburger Straße erwartet hatten.

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Tradition ist wichtig für Händler und Besucher

„Wenn ein Stand oder ein Karussell verschwindet, wird meist vermutet, dass es nicht gut lief“, sagte Heieck der MAZ, „wenn er aber über Jahre dort bleibt, ist das ein Zeichen von Zuspruch und Erfolg.“ Neuerungen gebe es also selten. Vor ein paar Jahren habe es richtig Ärger gegeben, als man einem Berliner Glögg-Glühwein-Anbieter absagte, weil es ein gleichwertiges Angebot aus Potsdam gab: „Das hat immer Vorrang.“

Erstmals mit Riesenrad und traditionelle mit Kutsche und Stollen-Anschnitt – der Potsdamer Weihnachtsmarkt in der Innenstadt hat eine Menge zu bieten.

Für die 170 Stellplätze gab es Heieck zufolge rund 250 Bewerbungen, darunter so gut wie alle angestammten Betreiber:. „Wenn einer schon vier, fünf Jahre da ist, ist er um Grunde schon gesetzt.“ Es kann aber auch sein, dass ein Standbetreiber von sich aus verzichtet; dann kommt ein anderer: Jürgen Tschötschel aus Berlin etwa, der Figuren, Buchstaben, Zahlen und Ornamente aus Holz anbietet, alle selbst gesägt und geschliffen.

Ein Riesenrad auf dem Bassinplatz

Ein Experiment ist das große Riesenrad auf dem Bassinplatz; ein kleines steht ja seit Jahren auf dem Luisenplatz. Dort hat nach Kenntnis des Potsdamer Schaustellers Betreibers Christoph Meyer kein echtes Riesenrad mehr gestanden, seit die Tiefgarage gebaut wurde. „Man fürchtete, die Abdeckung der Garage könne das Gerät nicht tragen“, sagte er der MAZ. Immerhin 40 Tonnen wiegt es, verteilt auf nur etwa zehn Quadratmeter Grundfläche.

Mit vier Lasten kam das gemietete Fahrgeschäft aus Worms; die Auflieger der Trucks sind im Unterbau versteckt. „Das Riesenrad baut sich eigtentlich von alleine auf“, sagt Meyer: „Nur mit Winden und Hydraulik, ganz ohne Kran.“ Fünf Leute brauchen dafür einen Tag.

Machen Sie mit beim MAZ-Glühweintest 2019!

Das hat schon Tradition: Eine Jury aus MAZ-Lesern sucht den besten Glühwein unter Potsdams „Blauem Lichterglanz“.

In vorigen Jahr siegte der Stand „Glögglich“ mit seinem „Glögg“. 2017 wurde der Jack-Daniels-Stand zum Gewinner gekürt. Wer wird nun die Gaumen der MAZ-Jury überzeugen?

Das Prozedere ist einfach: Die Jury trifft sich auf dem Markt und sucht sich ausgewählte Glühwein-Anbieter aus, bei denen sie das Heißgetränk probiert und anhand einer Checkliste bewertet.

Sie wollen dabei sein?Der Test findet am Montag, 2. Dezember, statt. Bitte bewerben Sie sich bis zum 28. November per Mail an potsdam-stadt@maz-online.de, Betreff Glühweintest.

„Dass Riesenräder vermietet werden, ist üblich in Deutschland. Wir probieren das hier aus, glauben aber fest, dass es läuft. Riesenräder rechnen sich, überall in Deutschland.“ Das Schaustellerunternehmen Meyer will sich selbst eins kaufen und muss dafür zwischen einer und vier Millionen Euro zahlen. Wenn Christoph Meyers dreijähriger Sohn mal das Geschäft übernehmen sollte, wäre das die siebte Generation.

„Weihnachtsmann, ich wünsch mit eine Nintendo Switch!“

Gemächlich zuckelte die Kutsche mit dem Oberbürgermeister und dem Weihnachtsmann am Nachmittag durch die schon gut besuchte Brandenburger Straße; beide verteilten nach links und rechts Kekse und Schokoriegel, mit Vorliebe natürlich an kleine Kinder.

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„Hey, Weihnachtsmann!“ ruft ein gestandenes Mannsbild: „Ich wünsch’ mir eine Nintendo Switch.“ Knecht Ruprecht stutzt und winkt dann ab: „Nee, Du bist zu alt.“ Aber ein paar Stände weiter stehen Kinder, die er beschenken kann, auch ein paar junge, hübsche Frauen. „Na?“ fragt er eine: „Hast Du schon ’n Freund?“ Die Antwort geht in Gelächter unter.

Oberbürgermeister schneidet den Riesenstollen an

Vor dem Brandenburger Tor steigen Schubert und der Weihnachtsmann aus, stehen brav an der Ampel und gehen durch die überraschten Menschenmassen hinüber zur Märchenbühne, wo der Riesenstollen wartet, den traditionsgemäß der Oberbürgermeister anschneidet.

Schubert gesteht am Mikrofon, dass Weihnachten für ihn beginnt mit dem Weihnachtsmarkt und er den blauen Lichterglanz nicht missen möchte, so sehr in Potsdam auch diskutiert werde, ob man das nicht ändern sollte. „Das ist Tradition“, sagt Schubert. Er dankt der Polizei, der Feuerwehr, dem Ordnungsamt für die Absicherung des Marktes.

Eröffnet wurde der Blaue Lichterglanz mit einem Anschnitt des Weihnachtsstollen. Quelle: Friedrich Bungert

Eine rein öffentliche Aufgabe, sagt Eberhard Heieck: „Dazu gab es Abstimmungsrunden. Die Polizei entscheidet selbst, ob ihre Leute nur mit Pistole patrouillieren oder mit der MPi.“ Die schwerere Bewaffnung wird seiner Erfahrung nach vor allem abends und am Wochenende angelegt. Seit nunmehr 22 Jahren organisiert der Lausitzer den Potsdamer Weihnachtsmarkt, seit 20 den Böhmischen in Babelsberg.

Von Rainer Schüler