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Mercure Das "Mercure" von Dresden bleibt stehen
Lokales Potsdam Mercure Das "Mercure" von Dresden bleibt stehen
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18:57 03.04.2018
Der Blick übers Dresdner Elbufer mit Frauenkirche, Sekundogenitur, Kunstakademie – und dem Plattenbau-Hotel am Terrassenufer (von rechts). Quelle: Dominik Brüggemann
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Potsdam/Dresden

Ein Hotelhochhaus in historischer Stadtsilhouette – das gibt’s nicht nur in Potsdam. Auch in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden ragt ein Plattenbau-Monolith in die verspielte Barock-Kulisse, die einst Welterbestatus genoss – ein Prädikat, das die Stadt im Jahr 2009 durch den Bau der umstrittenen Waldschlösschenbrücke einbüßte.

Das Dresdner Hotel-Hochhaus steht am berühmten Elbufer mit Brühlscher Terrasse, Kunstakademie und Sekundogenitur; im Blickfeld ist auch die wieder erstandene Frauenkirche. Der 1963/64 errichtete Zwölfgeschosser soll, wenn man den städtebaulichen Plänen der Stadt folgt, abgerissen werden. Als Ersatz für das Hotel ist eine kulturelle Einrichtung im Bebauungsplan vorgesehen – eine Schule, Forschungseinrichtung oder Bibliothek, ein Museum oder ein Theater kommen in Frage. Doch der Rechtsstreit zwischen Stadt und Hotelbetreiber scheint nun entschieden.

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Auch das "Mercure" in Potsdam steht in historischer Kulisse. Quelle: Jürgen Stich

Ein Hotel-Mitarbeiter konnte es nicht abwarten. Noch während Susanne Dahlke-Piel, Präsidentin des Verwaltungsgerichts Dresden, am Dienstag ihr Urteil begründete, brüllte der Mann freudestrahlend in sein Handy: „Die Klage ist abgewiesen!“, und übertönte kurzzeitig die Vorsitzende. Er telefonierte mit seinen Kollegen, die gejubelt haben dürften. Hoteldirektor Dino Filpi wahrte die Contenance und reckte erst nach der mündlichen Urteilsbegründung die Faust: „Ich bin verantwortlich für 40 Mitarbeiter, die in den vergangenen Wochen unter einem hohen Druck gestanden haben. Für sie freue ich mich am meisten“, erklärte er.

Das zwölfgeschossige Hotel am Terrassenufer 12 bleibt stehen. Die 7.Kammer des Gerichts wies eine Klage der Landeshauptstadt Dresden ab. Die Stadt hatte den Inhaber des Hotels verklagt und den Abriss des 1964 eröffneten Plattenbaus gefordert. In ihrer Klage berief sich die Stadt auf einen 1993 abgeschlossenen städtebaulichen Vertrag, in dem der Abriss vereinbart worden sei.

Susanne Dahlke-Piel meinte zu dem Vertrag kurz, knapp und vernichtend: „Da steht viel Lyrik drin.“ So heißt es in dem Dokument lediglich lapidar, dass der Käufer des Hotels Verständnis für den Standpunkt der Stadt zeige. „Die Kammer hat nicht darüber zu befinden, ob es schönere städtebauliche Lösungen als das Hotel gibt“, stellte Dahlke-Piel klar. „Wir müssen darüber entscheiden, ob der Abriss vertraglich vereinbart wurde.“ Die Stadt bewege sich auf juristisch dünnem Eis.

Erste Wette zum Mercure

  • Die Zukunft des Mercure-Hotels könnte zum Fall für Buchmacher werden. Wie jetzt im Hauptausschuss bekannt wurde, gibt es eine erste Wette zwischen Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg und Baudezernent Matthias Klipp (Grüne). Scharfenberg nimmt an, das Mercure steht noch mindestens 20 Jahre, Klipp hält dagegen. Der Preis: Ein Kasten Bier.
  • Eine wichtige Rolle spielt das Mercure auch im Streit um einen Neubau für die Weiße Flotte. Die Linke dringt auf Genehmigung eines temporären Baus mit 20-Jahresfrist, weil die Investition über eine kürzere Zeit für die Flotte nicht finanzierbar sei. Klipp ist dagegen, weil damit Tatsachen geschaffen würden. Er verweist auf das anstehende Werkstattverfahren zur weiteren Gestaltung des Lustgartens.
  • Im Hauptausschuss warf Scharfenberg Klipp vor, in Sachen Weiße Flotte weit unter dem zu bleiben, was dem Unternehmen früher zugestanden worden sei. Seine Fraktionskollegen Birgit Müller und Rolf Kutzmutz hätten nach Akteneinsicht mitgeteilt, dass sogar ein Erbpachtvertrag über 50Jahre für die Flotte im Raum stand. Eine neue Lage habe es erst nach Hasso Plattners Offerte gegeben, den Abriss des Hotels zugunsten seines Kunsthallenneubaus zu finanzieren.

Hotelbetreiber Max Trapp kaufte das Gebäude seinerzeit nicht von der Stadt, sondern von der Treuhand. „Auf den Kaufvertrag hatten wir keinen Einfluss“, erklärte eine Vertreterin des Rechtsamtes. Den städtebaulichen Vertrag schlossen die Stadt und Trapp ab, weil der Investor die Genehmigung für den Bau des Frühstückspavillons und eines zweiten Treppenhauses dringend benötigte. Im Gegenzug verpflichtete er sich dazu, Verständnis für die Belange der Stadt zu zeigen.

Sollte eines Tages die Stadt einen Bebauungsplan aufstellen, so der Vertrag, so sollte Trapp die Option erhalten, das Grundstück Terrassenufer 14 zum Verkehrswert zu erwerben. Auf diesem Gelände stand ein Zwölfgeschosser, der 2005 abgerissen wurde. Dort könne Trapp wieder ein Hotel errichten. Es seien aber auch andere attraktive Nutzungen möglich.

„Der Vertrag ist zu unbestimmt. Die Stadt erhält alles, der Hotelbetreiber nichts. Die Voraussetzungen für eine Abrissverpflichtung liegen nicht vor“, erklärte Dahlke-Piel. „Wir sind erleichtert“, sagte Trapp. Abriss sei die schlechtere Lösung. Das Hotel könne saniert und dabei die Fassade neu gestaltet werden. „Wir wollen sie kleinteiliger entwickeln und den monolithischen Block aufbrechen.“ Einen Zeitplan für den Umbau des Hauses mit 196 Zimmern, das zu 60 Prozent ausgelastet sei, gebe es aber noch nicht.

Während die Linken-Stadtratsfraktion das Urteil begrüßte und erklärte, eine geplante architektonische Bilderstürmerei sei gescheitert, äußerten sich die Grünen enttäuscht. „Trapp hat immer gewusst, dass das Hotel abgerissen werden soll“, sagte Fraktionschef Thomas Löser. Die Umbaupläne seien nicht akzeptabel. Es müssten mindestens drei Etagen abgerissen werden.

Von Thomas Baumann-Hartwig und Nadine Fabian

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