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Potsdam Mit Seil und Karabiner zum Arbeitsplatz
Lokales Potsdam Mit Seil und Karabiner zum Arbeitsplatz
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18:59 18.08.2014
Lars Konzen (l.) seilt Hagen Klein sicher nach unten ab.
Lars Konzen (l.) seilt Hagen Klein sicher nach unten ab. Quelle: C. Köster
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Es ist wie der Weg zur Arbeit. Nicht alle gehen dorthin zu Fuß oder Fahren mit dem Auto. Andere müssen Wochen lang lernen, wie sie an ihren Arbeitsplatz kommen. Wo sie die Seile dran befestigen können, was bei stärkerem Wind zu beachten ist und wie die Flaschenzüge eingesetzt werden. Erst dann können sie mit ihrer eigentlichen Arbeit starten: Bei der Weiterbildung zum Industriekletterer lernen Arbeiter, wie sie ihren gelernten Beruf auch in etlichen Metern Höhe ausüben können. In Potsdam können angehende Kletterer das in einem ehemaligen Autohaus lernen. Hoch hinaus geht es in dem Turm an der Neuendorfer Straße, in dem früher Smarts ausgestellt wurden, allerdings nicht. Die wenigen Geschosse des gläsernen Turms ragen nur ein paar Meter in die Höhe. Für die Ausbildung ist das aber auch nicht relevant, die richtige Technik kann auch kurz über dem Erdboden gelernt werden. „Hier drin ist es sogar etwas einfacher, da hier kein Wind oder Regen die Bedingungen schwieriger werden lassen“, sagt Tim Reißland vom Berufskletterzentrum Potsdam. Der gelernte Wirtschaftsingenieur betreibt gemeinsam mit seinem Vater die Ausbildungsstätte.

Der gelernte Kfz-Mechaniker Lars Beger will mit dem Kletter-Zertifikat künftig mehr Aufträge bekommen. Der Seddiner ist selbstständig und baut auf Messen die Ton- und Lichtanlagen kurz unter den Hallendächern auf. Obwohl er dazu auf Arbeitsbühnen nach oben fährt, muss er sich dafür genau nach den Vorschriften anseilen. Denn wer in mehr als zwei Metern Höhe arbeitet, muss sich absichern – eigentlich. Auch wenn wohl nicht jeder Dachdecker, Gerüstbauer oder Veranstaltungstechniker genau nach dieser Vorschrift arbeitet, verlangen inzwischen immer mehr Arbeitgeber einen solchen Kletternachweis. Nach einer Woche bei Tim Reißland und bestandener Prüfung gibt es bereits den ersten Nachweis, nach weiteren Wochen gibt es noch Stufe zwei und drei. Am höchsten hinaus kam Lars Beger bisher bei einem Einsatz an einem Windrad: 80 Meter über dem Boden werkelte er an der Maschine herum. Mit mehr Kletterpraxis will er dort weitermachen – am liebsten auf Off-Shore-Windanlagen weit draußen im Meer.

Dabei ist der Weg nicht immer ganz klar, wie ein Kletterer an einen bestimmten Punkt gelangt. „Man muss manchmal ganz schön kreativ sein, um das Equipment richtig einzusetzen und trotzdem immer abgesichert zu sein“, sagt Tim Reißland. Denn auch wenn etliche Seile und Karabiner an dem Gurt hängen, müssen sie damit auskommen.

Wer sich bei dem Berufskletterzentrum anmeldet, möchte häufig nicht mehr nur Fenster von Innen putzen, sich auf die Wartung von Blitzanlagen spezialisieren oder künftig Häuser mit Werbepostern zuhängen. „Gerade aus Brandenburg kommen auch viele, die mit Windenergie zu tun haben und an Windrädern arbeiten“, sagt Tim Reißland. Wieder nach Hause geschickt wegen Höhenangst musste noch nie jemand: „Das überlegen sich die Leute schon vorher sehr genau.“

Von Lisa Rogge

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