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Potsdam Garnisonkirche: Das ist die Mitteschön-Vision für das Kirchenschiff
Lokales Potsdam Garnisonkirche: Das ist die Mitteschön-Vision für das Kirchenschiff
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15:59 16.10.2019
Vision der Bürgerinitiative „Mitteschön“ für die Garnisonkirche als Multifunktionsgebäude. Quelle: Wolfram Baumgart
Innenstadt

Die Bürgerinitiative „Mitteschön“ hat eine Vision zur Nutzung eines künftigen Schiffes der Garnisonkirche. Ein Multifunktionsgebäude soll es werden: Kultur, Konzerte und Festveranstaltungen im riesigen Saal, Bildung im mehretagigen Dach. Es würde der größte Konzertsaal Deutschlands. Die Verfechter eines kompletten Wiederaufbaus sehen den Vorschlag von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), im Kirchenschiff ein internationales Jugendzentrum zu errichten, als „Anregung, die Diskussion zur Nutzung und Form zu eröffnen“.

„Auch wir finden, dass die Jugendarbeit ein wichtiger Aspekt der Kirchennutzung darstellen sollte“, so die Initiative am Mittwoch in Potsdam. Ihr Vorschlag bindet daher die Jugend mit ein: „Ein Ort sollte entstehen, wo sich junge Menschen mit der Vergangenheit, aber auch mit der Zukunft auseinandersetzen. Beides ist notwendig, um zu richtigen gesellschaftlichen Einschätzungen zu kommen.“ Man habe versucht, mit einer Nutzungsvision „die Kirche in ein modernes Potsdam mit seinen Erfordernissen zu integrieren“. Schon jetzt fänden in der so genannten Nagelkreuzkapelle neben der Turmbaustelle Bildungsveranstaltungen statt, die an die Geschichte dieser Kirche anknüpfen. In Modulen aufgebaut, erreicht man damit Schüler aller Altersgruppen. Die Vereinssprecherin und Kabarettistin Barbara Kuster hält das für ausbausfähig, falls man größere Räume dafür hat als bisher.

Die Bürgerinitiative „Mitteschön“ hat ihre Vision zur Nutzung eines künftigen Schiffes der Garnisonkirche in Potsdam vorgestellt.

„Mitteschön“ steht für den Wiederaufbau des Kirchenschiffs in seiner historischen Gestalt, weil sie aus städtebaulicher Sicht Turm und Schiff als „architektonische und harmonische Einheit“ sieht. Der Turm als „Campanile“ stehe „verloren im Stadtbild“, so Kuster. Es fehle ihm ein architektonisches Gegengewicht: „Ohne Schiff wird der Turm erschlagen“ von den modernen Bauten links und rechts, sagte die Sprecherin. Ursprünglich seien Garnisonkirche mit Schiff, Langer Stall und Plantage ein aufeinander abgestimmtes Ensemble gewesen. Das Schiff müsse aber kein hundertprozentig originalgetreuer Nachbau werden.

Es sei „das Wesentliche der Kirche, der Turm nur das Achtungszeichen“, findet der Gründer des Fördervereins für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, Hans-P. Rheinheimer. Wer einen architektonischen Bruch zeigen wolle, an dem man die Zeitschichten erkennt, sollte sich mit der heutigen Breiten Straße begnügen, so wie sie sich zeigt mit ihren Bauten aus der DDR-Zeit und der Nachwendezeit, so die Initiative: „Das ist der größte Bruch, den man sich denken kann. Da erübrigt sich eine Veränderung an der Architektur der Kirche!“

Kirche war ein Erkennungszeichen

Mit der originalgetreu wiederaufgebauten Kirche würde Potsdam ein historisches Gebäude zurück bekommen, das mal ein „architektonischen Erkennungszeichen der Stadt“ war. Ein Verzicht auf den Wiederaufbau des Schiffes oder ein Wiederaufbau des Kirchenschiffs in einer modernen Form würde potentielle Spender für das Schiff abschrecken und so auch die Vollendung des Turmes gefährden, warnt „Mitteschön“. Die Kirche stehe als Zeichen der wechselhaften Geschichte Potsdams und Deutschlands: „Der Turm ist nur Hinweis!“

Nur mit der vollständigen historischen Form werde Geschichte fassbar und konkret, findet „Mitteschön“. Nur mit eine kompletten Bauwerk könne eine Geschichte ganz erzählt werden, die nicht nur das 20 Jahrhundert umfasst. „Die Garnisonkirche denken wir als bedeutenden Teil der in Entstehung befindlichen Potsdamer Kulturmeile“, erklärte Kuster; dies werde „einen enormen Synergieeffekt für Potsdam entwickeln und allen Kultureinrichtungen zugute kommen.“

2800 Plätze für Konzerte

Das Kirchenschiff mit seinen einst etwa 2800 Plätzen wäre für rein kirchliche Zwecke allein nicht erforderlich, räumt „Mitteschön“ ein. Für große und übergemeindliche Kirchenkonzerte hingegen reiche das Platzangebot der übrigen Potsdamer Gotteshäuser nicht aus. Die Friedenskirche habe 800, die Erlöserkirche 1000, die Nikolaikirche 1000 und St. Peter und Paul 1200 Plätze. Der Nikolaisaal hat 725 Plätze. Die wachsende Stadt Potsdam verfüge über keinen ausreichend großen Versammlungs- und Konzertsaal für profane Veranstaltungen, meint „Mitteschön“.

Anknüpfend an eine große Tradition des 19. und 20. Jahrhundert sollte die Garnisonkirche wieder Aufführungsstätte großer kirchenmusikalischer Veranstaltungen sein, empfiehlt die Initiative. Das Gebäude böte neben der legendären Akustik des Barock-Raumes, die nur bei einer originalen Rekonstruktion gewährleistet wäre, genug Raum für große gemeinsame Aufführungen von Oratorien und Orchesterwerken: „Wir denken an Aufführungen gemeinsam mit Chören und Instrumentalisten anderer Potsdamer Gemeinden, aber auch an große internationale Chortreffen.“ Das Kirchenschiff der Garnisonkirche mit einem „schlichten, aber architektonisch schönen Innenausbau“ könnte auch für Großveranstaltungen der Stadt, für besondere Ehrungen, Neujahrsempfänge oder feierliche Großveranstaltungen der in Potsdam ansässigen Akademien und der Universität Potsdam genutzt werden.

Größter Konzertsaal Deutschlands

Beinahe in Sichtweite der Garnisonkirche liegt der Nikolaisaal. Programmdirektor Michael Dühn sieht „keinen Bedarf für einen so großen Konzertsaal. Ich würde ein großes Fragezeichen setzen, ob das sinnvoll zu betreiben wäre.“ Der größte Konzertsaal Deutschlands ist bislang das Gasteig in München mit 2572 Plätzen, gefolgt vom Festspielhaus Baden-Baden mit 2500, der Alten Oper Frankfurt/Main mit 2430 und der Berliner Philharmonie mit 2400 Plätzen; und die Bundeshauptstadt hat auch noch das Theater des Westens, das Konzerthaus, die Staatsoper und den Friedrichstadtpalast. Selbst die Elbphilharmonie in Hamburg bringt es nur auf 2100 Plätze.

Gotteshaus und Kulturkirche

Der Vorschlag von „Mitteschön“ ist als, das Kirchenschiff als „Gotteshaus und Kulturkirche“ zu nutzen. Es gebe zahlreiche Kirchen in Deutschland, die das so praktizieren, etwa in Frankfurt/Oder, in Prenzlau, in Wismar, die Universitätskirche Leipzig und als prominentestes Beispiel die gleichfalls wiederaufgebaute Dresdner Frauenkirche, wo es eine Bürgerstiftung gibt, die alle Bereiche abdeckt, die man auch in der Potsdamer Garnisonkirche unterbringen möchte.

Jugendbegegnungen im Dach

Der 17 Meter hohe Dachstuhl des Kirchenschiffs, der einst nur Luft enthielt, könnte als Jugendbegegnungszentrum genutzt werden. Drei bis vier Etagen wären hier zu schaffen. Kleinere Räume gäbe es für Jugendarbeit, Konferenzen, Teeküche und Sanitäranlagen, aber auch als Ergänzungsräume wie Künstlergarderoben und Proberäume für Chöre anderer Potsdamer Gemeinden. Hier besteht Kuster zufolge großer Raumbedarf, etwa der Erlösergemeinde.

Die Garnisonkirche könnte zudem als Bildungs- und Erinnerungsstätte entsprechend dem Wiederaufbaumotto „Geschichte erinnern – Verantwortung lernen – Versöhnung leben“ dienen, findet „Mitteschön“. Außerdem könne die Kirche zum Begegnungsort für Christen und Nichtchristen werde, ein „Anlaufpunkt für Suchende, ein Ort zum Nachdenken über moralische und ethische Grundwerte.“

Internationale Begegnungsstätte

Eine internationale Begegnungsstätte mit Schwerpunkt östliche Nachbarländer wäre in den Augen von „Mitteschön“ in dem Gebäude einzurichten, das sich „durch seine Geschichte anbietet, an die über Jahrhunderte bestandenen Gemeinsamkeiten anzuknüpfen.“ Gerade in der komplizierten politischen Lage mit Russland könnten hier auf menschlicher Ebene Kontakte geknüpft werden, die Versöhnung befördern. Russische und deutsche Soldaten könnten sich hier treffen, wie es in der Nagelkreuzkapelle schon geschehen ist. Wir stellen uns auch eine enge Zusammenarbeit mit dem im Umkreis der Garnisonkirche entstehenden Standort für die Kultur- und Kreativwirtschaft vor, insbesondere für Veranstaltungen, die einen größeren Raumbedarf erfordern“, so „Mitteschön“ am Mittwoch. Im unübersichtlichen Rechenzentrum mit Quadratmetermieten um die zehn Euro und einem enormen Sanierungsbedarf gebe es 5000 Quadratmeter Nutzfläche, verteilt auf überwiegend sehr kleine Räume, die früheren Büros. Ausstellungen etwa seien dort gar nicht machbar. Für das jetzt von der Stadt ausgeschriebene Ersatz-Kreativzentrum auf dem Gelände der früheren Feuerwache sind laut Mitteschön 4780 Quadratmeter geplant. „Mitteschön“ erneuert in dem Zusammenhang den Vorschlag zu einem modernen Nachbar des so genannten Langen Stalls, dessen von Unger geschaffenes Portal noch steht. In einer leichten Holzständerbauweise errichtet, könnte diese Gebäude 5500 Quadratmeter haben zu Mieten, die deutlich unter denen des Rechenzentrums liegen, sagte Ulrich Zimmermann vom Verein. Im neuen Langen Stall hätte man ebenerdigen Zutritt zu den Ateliers und Ausstellungsräumen.

Freifläche als Ausstellungsraum

Der denkmalgeschützte „Weltraum-Fries“ des Rechenzentrums könnte als eine Art Außenbegrenzung für ein Café links neben der Kirche dienen. Der vom Fries eingeschlossene Freiraum soll zudem ein Ausstellungsort für Exponate des Kreativzentrums genutzt werden.

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Von Rainer Schüler

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