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Potsdam Schicksalstag fürs „Minsk“
Lokales Potsdam Schicksalstag fürs „Minsk“
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02:19 13.04.2018
Blick auf das Terrassenrestaurant Minsk am Potsdamer Brauhausberg. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Die Zukunft des Ex-Restaurants „Minsk“ steht heute auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung. Die MAZ beantwortet vorab die wichtigsten Fragen zum Aufregerthema.

Werden die Karten beim „Minsk“ neu gemischt?

Tatsächlich steht es momentan auf der Kippe, ob der seit Jahren geplante Verkauf des Grundstücks, auf dem sich das „Minsk“ befindet, sowie zweier Nachbarflächen auf dem Brauhausberg fortgesetzt wird. Möglich ist, dass die Stadtverordneten heute Nachmittag den Anträgen der Grünen und/oder Der Linken/Der Anderen zustimmen beziehungsweise diese in die zuständigen Ausschüsse überweisen und damit das Verfahren unter- beziehungsweise abbrechen. Hintergrund ist der überraschende Vorstoß der Grünen zum Erhalt des Ex-Terrassenrestaurants, der am späten Montagabend nach der Fraktionssitzung publik wurde und gestern für mächtig Wirbel sorgte.

- Offener Brief von Architekten und Künstlern: „Eine Perspektive für das Minsk

Was fordern die Grünen?

Die Grünen fordern den Stopp des Vergabeverfahrens und eine Neuausschreibung der drei Grundstückslose. Ihr Ziel: der Erhalt des seit Jahren ungenutzten Ex-Terrassenrestaurants. Darüber hinaus möchten sie den unverbauten Blick vom Bahnhofsvorplatz aus auf das Gebäude erhalten. Zu diesem Zweck solle der Bebauungsplan geändert werden. Er gestattet nämlich derzeit eine Bebauung, die – im Falle des „Minsk“-Erhalts – wie ein Bollwerk zwischen dem Bau und dem Betrachter am Bahnhof stehen würde.

Zu DDR-Zeiten war das „Minsk“ auf dem Brauhausberg ein beliebtes Ausflugsziel. Inzwischen ist das ehemalige Terrassenrestaurant marode. Nun gibt es einen Hoffnungsschimmer. Eine private Initiative will das ehemalige Restaurant auf dem kaufen und sanieren – geplant sind neben Wohnungen auch ein Café.

Wo liegt das Problem? Den Stadtwerken könnte bei einer Neuausschreibung eine Menge Geld durch die Lappen gehen. Immerhin soll mit dem Verkaufserlös der Grundstücke einiges gestemmt werden: die Refinanzierung des neuen Schwimmbads „blu“ am Brauhausberg, die Sanierung des Kiezbads am Stern und die Verlagerung des Strandbads Babelsberg. Momentan liegt das Höchstgebot für bei über 27 Millionen Euro – für das Gesamtpaket der drei Grundstücke. Allerdings wollen alle Höchstbieter das „Minsk“ für Wohnhäuser abreißen.

Das: Terrassenrestaurant ist seit Jahren vom Verfall bedroht. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wie sieht das Gebot für den Erhalt des „Minsk“ aus?

Der in Potsdam bekannte Investor Jan Kretzschmar hat ebenfalls für alle drei Grundstücke geboten und würde bei einem Zuschlag das „Minsk“ nach eigenen Aussagen erhalten. Allerdings bietet er nur 12,7 Millionen Euro. Ursprünglich wollte er im „Minsk“ ebenfalls Wohnungen bauen. Mittlerweile schließt er eine öffentliche Nutzung nicht mehr aus. Auf den laut B-Plan möglichen Bau von zwei Stadtvillen vor dem „Minsk“ würde er nach neuesten Aussagen verzichten, wenn die Baumassen auf die zwei anderen Grundstücke verteilt würden – oder wenn der Kaufpreis weiter herabgesetzt würde.

Wie reagiert die Grundstückseigentümerin – die kommunale Stadtwerke GmbH – auf die Grünen-Forderung nach einer Neuausschreibung?

Stadtwerkechef Horst Müller-Zinsius ist stinksauer. Er wirft den Grünen einen Sinneswandel in letzter Sekunde vor – nicht zuletzt mit Blick auf die bevorstehenden Wahlkämpfe. Immerhin hätte man anderthalb Jahrzehnte Zeit gehabt, andere Fakten zu schaffen, aber: „Sie haben zugesehen, wie das Minsk zerfällt, und über Jahre hinweg Planungen begleitet, die den Erhalt des Gebäudes nicht garantieren. Zudem haben die Grünen dereinst dem B-Plan zugestimmt, der Rechtskraft hat und nun plötzlich nicht mehr gelten soll.“ Müller-Zinsius ist verbittert, dass man die Stadtwerke ein Jahr am Verkauf habe arbeiten lassen. „Und plötzlich sagen die Grünen: ,Och nö, doch nicht!“ Sollte es zur Neuausschreibung kommen, wäre dies „mit riesigen finanziellen Verlusten verbunden“. Sollte es zu einer B-Plan-Änderung kommen, wäre „die Geschäftsführung der Stadtwerke GmbH auch verpflichtet, Schadensersatzforderungen gegen die Stadt zu prüfen“, so Müller-Zinsius. Allein für bundesweite Zeitungsannoncen zur Ausschreibung der Grundstücke am Brauhausberg sowie für die Präsentation auf der Immobilienmesse Expo Real hätten die Stadtwerke fast 100 000 Euro ausgegeben.

Früher war das Restaurant ein Besuchermagnet. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wer sind die Unterstützer des Minsk-Erhalts in der Stadtpolitik? „Besser spät als nie“, kommentierte Anja Heigl (Die Andere) gestern den Grünen-Vorstoß. Die Linken haben sich die Rettung des DDR-Baus ohnehin auf die Fahnen geschrieben. Wichtig sind Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg Fragen wie eine mögliche öffentliche Nutzung des „Minsk“ und die visuelle Erlebbarkeit des Gebäudes. Schützenhilfe fürs „Minsk“ gibt es von Sozialdezernent Mike Schubert, der sich in seiner Eigenschaft als SPD-Oberbürgermeisterkandidat im MAZ-Gespräch klar zum Aufregerthema geäußert hat. Er finde die Diskussion „ein Stück weit zu geldzentriert“ – immerhin gehe es beim Brauhausberg um den Eingangsbereich zur Stadt. . Derzeit wisse man nicht, wie die Entwürfe aussehen würden. Schuberts Forderung: „Wenn das Minsk stehen bleibt, dann nur mit einer öffentlichen Nutzung.“

Bei wem stoßen die Grünen auf Unverständnis?

„Die Kehrtwende der Grünen um 180 Grad ist nicht nachzuvollziehen“, sagte SPD-Fraktionschef Pete Heuer gestern. Seit der Schließung des Restaurants vor 20 Jahren wegen mangelnden Zuspruchs habe niemand „eine sinnvolle und umsetzbare Idee für die Wiederaufnahme des Betriebes“ gehabt. Die Offerte des weit unterlegenen Bieters Kretzschmar hat für ihn ein „Geschmäckle“. Auch CDU-Fraktionschef Matthias Finken plädiert im Hinblick auf die Refinanzierung des Badbaus für das Höchstgebot als Richtschnur – alles andere würde gegen die städtischen Interessen verstoßen. Wolfhard Kirsch (Bürgerbündnis) ist skeptisch, was die Nutzung des seit 20 Jahren leer stehenden Betongebäudes als Wohnhaus angeht. „Die Wohnungen hätten keine optimalen Grundrisse und es würde einige Millionen an vermindertem Grundstückswert kosten – das ist einfach Schwachsinn.“

Im Verfall. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Ildiko Röd und Jens Trommer

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