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Potsdam Mögliches Garnison-Glöckchen in der Prignitz
Lokales Potsdam Mögliches Garnison-Glöckchen in der Prignitz
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18:48 25.06.2014
Harald Vorbringer mit Glöckchen Nummer 8. Quelle: Claudia Bihler
Potsdam/Streckenthin

"Ich wäre nie darauf gekommen, dass sie zum Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche gehören könnte." Das bestand ursprünglich einmal aus 40 kleinen und großen Glocken.

Schon seit Jahren hat das Ehepaar Vorbringer die geheimnisvolle Glocke in der Anrichte stehen. Vorbringer hatte jahrelang als Leiter der Fahrbereitschaft der Volkspolizei am Alexanderplatz gearbeitet. "Manchmal mussten wir auch andere Aufträge übernehmen, mal Schutt fahren, mal andere Touren." Einer seiner Kollegen wusste, dass Vorbringer "alten Krempel" mag: "Wegen der Handwerkskunst, und weil sie eine Geschichte haben." Kurz nach den Weltfestspielen im Jahr 1973 brachte der Kollege ihm die Glocke mit.

"Ich habe über all die Jahre immer wieder davor gesessen, geläutet, und gerätselt, wo sie her ist", erinnert er sich. Das Metall ist leicht verbeult, sodass die Glocke nicht mehr exakt kreisförmig, sondern leicht flach gedrückt aussieht. "Ich vermute, dass sie bei einem Bombenangriff beschädigt wurde", sagt der Rentner aus Streckenthin. Trotz aller "Wunden": Ihr Klang ist nach wie vor hell und klar.

Vorbringer würde die Glocke gerne wieder zur Verfügung stellen - wenn sie tatsächlich Glocke "Nummer Acht" des Geläuts der Garnisonkirche ist. "Allerdings möchte ich sie persönlich übergeben, falls sie abgeholt wird und sie nicht per Post versenden." Und er ist sich auch sicher: "Es wäre ja schade, wenn sie wegkäme, ansonsten legt ja niemand richtig Wert darauf." Etwas skeptisch ist er jedoch, wenn er über die Geschichte der Kirche nachdenkt: Schließlich fand am 21. März 1933 in der Potsdamer Garnisonkirche der Festakt zur konstituierenden Sitzung des Reichstages statt. An diesem "Tag von Potsdam" ließen sich Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg beim Abschiedshandschlag fotografieren - ein Foto, das bis heute als Symbol für die Versöhnung von National-Konservativen und Nationalsozialisten gilt. 14. April 1945 ging die Garnisonkirche nach einem britischen Luftangriff in Flammen auf, die Kirche wurde zur Ruine. "Eigentlich bin ich nicht für einen Wiederaufbau,", sagt Vorbringer, "weil die Kirche an so viele schreckliche Dinge erinnert. Gut wäre es, wenn sie als Mahn- und Gedenkstätte gewidmet würde." Damit stimmt Vorbringer mit der evangelischen Kirche überein, die den Aufbau mit Nutzung als Stadtkirche und Versöhnungszentrum befürwortet.

Von Claudia Bihler

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