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Potsdam Mohrenrondell steht in der Kritik
Lokales Potsdam Mohrenrondell steht in der Kritik
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15:10 25.03.2014
Zum Rondell gehörende „Büste einer Mohrin“. Quelle: MAZ
Potsdam

Das Mohrenrondell im Park Sanssouci wird wohl weiter so heißen. Der Stadtverordnete Andreas Menzel (Grüne) stieß am Mittwoch auf Unverständnis mit seiner Frage, wie Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die Verwendung dieser Bezeichnung durch die Schlösserstiftung bewerte. Jakobs nannte Menzels Anliegen „vollkommen irrelevant“. Die Bezeichnung stamme aus friderizianischer Zeit und sei damit historisch: „Ich finde es in Ordnung, wenn sie auch weiter verwendet wird.“

Menzel insistierte, ihn würde in Potsdam als der Stadt des Toleranzedikts „schon interessieren, mit welchen Worten wir Dinge und Plätze benennen“. Man müsse durchaus darüber nachdenken, ob Mohrenrondell noch ein angemessener Name sei. Er verwies auf die bekannte Süßigkeit aus Eiweißschaum, die ja auch nicht mehr Negerkuss, sondern Schokokuss genannt werde. Jakobs entgegnete, die Stadt habe über diese Bezeichnung nicht zu befinden.

Im Park von Sanssouci in Potsdam wimmelt es von Skulpturen. MAZonline zeigt eine Auswahl der schönsten Statuen im Park.

Laut Schlösserstiftung ist das Wort „Mohr“ bereits im Althochdeutschen belegt. Zunächst bezog es sich auf die Mauren, seit dem 16. Jahrhundert auf Menschen mit dunkler Hautfarbe überhaupt. Stiftungssprecher Frank Kallensee erklärte, dass der Begriff üblicher Sprachgebrauch war, als Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1685 das Edikt von Potsdam erließ. Das erste Potsdamer Toleranzedikt war ein Niederlassungs- und Schutzangebot an die in Frankreich verfolgten protestantischen Hugenotten.

Die vier Skulpturen des Mohrenrondells sind laut Kallensee seit 1694 in der Brandenburgisch-kurfürstlichen Kunstkammer nachweisbar und vermutlich italienischer Herkunft. Die Originale, die seit 1999 im Schloss Caputh ausgestellt sind, wurden 1992 bis 1997 durch Kopien ersetzt. In der 1775 von Matthias Oesterreich veröffentlichten „Beschreibung und Erklärung der Statuen, welche die Sammlung Sr. Majestät, des Königs von Preußen, ausmachen“, seien sie als „Büste eines Mohren“ beziehungsweise als „Büste einer Mohrin“ bezeichnet.

Rassismusverdacht

  • Historische und kulturell verankerte Bezeichnungen wie das Mohrenrondell sorgen in der auf Respekt bedachten modernen Gesellschaft immer wieder für Irritation.
  • Der jüngste Fall bezog sich auf das Sinterklaasfest. Der Besuch des holländischen Weihnachtsmannes war über Jahre ein Höhepunkt des Potsdamer Advents. Doch 2013 stellte eine Kommission der Uno den Brauch wegen der Sinterklaas begleitenden „Zwarten Pieten“ unter Rassismusverdacht.
  • Abgesagt wurde das Sinterklaasfest in Potsdam 2013 allerdings wegen Erschöpfung der Veranstalter.

Die BezeichnungMohrenrondell“ sei deshalb eine ausschließlich historische und werde auch nur in diesem Sinne – für das Mohrenrondell als Kunstwerk – verwendet. Sie widerspreche dem Neuen Potsdamer Toleranzedikt von 2008 genauso wenig wie Heinrich Heines Gedicht „Mohrenkönig“ (1844), Shakespeares „Othello, der Mohr von Venedig“ (1604) oder Schillers bissigem Satz aus seinem „Fiesco“ (1783): „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.“ Zudem wies der Stiftungssprecher darauf hin, dass es in Berlin seit 1700 eine Mohrenstraße gibt.

Eine spezielle Namenskonstellation wurde von Jakobs angeführt. Er verwies Menzel an den Golmer Ortsvorsteher und sagte: „Warum fragen sie nicht mal Herrn Mohr, wie er es findet, dass er so heißt?“

Von Volker Oelschläger

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