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Potsdam Frühlingsputz im Park Babelsberg: Pizzaboxen und Drogentütchen
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Müll im Park Babelsberg: Freiwillige sammeln Abfall auf

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09:35 26.04.2021
Torsten Metzger beim Müllsammeln am Kindermannsee im Park Babelsberg.
Torsten Metzger beim Müllsammeln am Kindermannsee im Park Babelsberg. Quelle: Julius Frick
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Potsdam

„Ich bin gegen Müll“, sagt Torsten Metzger (53), der das erste Mal bei einer Saubermach-Aktion in einem Park mit dabei ist. „Ich finde das aber gut.“ Er sammelt am Sonntagvormittag Müll im Welterbe-Park Babelsberg und beteiligt sich damit am Frühjahrsputz-Flashmob, zu dem Jeanette Gruschke unter ihrem Alias-Namen Anna Front über Facebook aufgerufen hatte.

Torsten Metzger wohnt in der Nähe, der Park ist sozusagen sein Einzugsgebiet. Den Aufruf hat er auf dem Account von Gruschke gelesen. Organisiert hat er noch nie gesammelt, sagt er, aber durchaus auch schon mal im Vorbeigehen Müll von anderen mitgenommen.

Seit 2018 mit der Mülltüte unterwegs

Die Initiatorin und ihre Begleiterin, Anne Löhmer-Glöckner, wohnen ebenfalls gleich nebenan. Sie bezeichnen den Park Babelsberg als ihren „erweiterten Garten“. Jedes Mal, wenn sie hier sind, gehen sie mit einer vollen Mülltüte wieder raus – seit 2018 machen sie das so. „Wir verbinden das Nützliche mit dem Praktischen“, sagt Gruschke. 

Gefunden haben sie dabei schon allerlei Seltsames, einmal etwa die kompletten Zutaten einen Caipirinha, inklusive Limetten und Plastikmesser. Dazu eine ungeöffnete Packung Salzbrezeln. „Was man reinträgt, kann man auch wieder raustragen“, finden sie und ärgern sich über jene, die das nicht machen. Vor allem in den Sommermonaten häufe sich der Müll geradezu, bestimmte Hotspots kenne sie dabei schon. Auch Drogentütchen und leere Kapseln gehören zum Repertoire dessen, was sie häufig finden, sagen sie.

Jeanette Gruschke und Anne Löhmer-Glöckner mit dem Handwagen im Park. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Wir sind dafür, dass für Kronkorken und Pizzakartons ein Pfand eingeführt wird“, appellieren die Sammlerinnen. „Dann wären wir alle schon reich.“ Wobei das so nicht ganz stimmt, denn Pfand wird von den beiden ohnehin an den Nabu gespendet. Vorige Wochen waren es 3,70 Euro – kein Vermögen, aber immerhin besser als nichts. Dazu kommen hin und wieder noch ein paar Cent Bargeld. Abgesehen davon häufen sich auch Feuerzeuge, Masken, die sie mittlerweile zum Spaß mitzählen, und natürlich Glasscherben in ihrem Handwagen, mit dem sie unterwegs sind. Die sind besonders gefährlich, weil sich Hunde daran die Pfoten verletzten können.

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Gruschke legt Wert darauf zu betonen, dass sie nicht die Erfinderin der Idee ist. Matthias Gerlach, der Initiator einer noch laufenden Petition gegen die nächtliche Schließung des Parks, hatte dazu aufgerufen, dass Leute mit Mülltüten zum Sammeln in Park kommen sollten. Nun zog sie einfach nach. Die Begeisterung war groß, 400 Likes auf Facebook, die Zusage zur Unterstützung der Weißen Flotte gemeinsam mit den Plastikpiraten, die die Entsorgung des  Mülls am Sonntag auf Wunsch übernahmen.

Getroffen haben sich die einzelnen Sammler übrigens nicht. Ganz coronakonform sammelte jeder Haushalt für sich.

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