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Potsdam Barberini plant weitere Impressionisten-Schau
Lokales Potsdam Barberini plant weitere Impressionisten-Schau
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00:19 16.12.2017
Henri-Edmond Cross: Stierkampf, um 1891/92. Quelle: Repro: Privatsammlung
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Potsdam

Potsdam kann sich auf eine weitere große Ausstellung mit impressionistischen Werken freuen. Vom 17. November 2018 bis zum 17. Februar 2019 plant das Museum Barberini eine Retrospektive des neoimpressionistischen Malers Henri-Edmond Cross (1856-1910), die wohl wieder mehr als hunderttausend Besucher anziehen dürfte. Zuvor ist die Schau im Impressionismus-Museum in Giverny zu sehen. Der Ort in der Normandie ist Kunstkennern ein Begriff, weil hier Claude Monet seinen berühmten Seerosen-Garten schuf, den er über viele Jahre immer wieder malte.

Symposium am Barberini zur Vorbereitung der Schau

In Vorbereitung auf die Cross-Schau mit dem Titel „Maler des Glücks“ fand am 13. Dezember in Potsdam ein Symposium statt. Die fünf gehaltenen Vorträge bilden den Grundstock für den Katalog. Cross gilt neben Georges Seurat und Paul Signac als wichtigster Vertreter des Pontillismus, einer Stilrichtung zwischen 1890 und 1910. „Die Neoimpressionisten selbst lehnten den Begriff ab, da er zunächst abwertend im Sinne von Kleckserei verwendet wurde“, erklärte die französische Kuratorin Marina Ferretti. Doch die Werke der Pointillisten, deren Motive sich aus Farbtupfern zusammensetzen, fanden zu Lebzeiten auch Anerkennung. Sogar in Deutschland – bei Kunstsammlern wie dem Schriftsteller Harry Graf Kessler (1868-1937), der Cross mehrfach besuchte und neun Gemälde von ihm kaufte. Cross malte für Kessler 1902 das Bild „La Plage ombragée“ (Schattiger Strand), auf dem auftragsgemäß „eine dionysische Stimmung mit Meer, Licht und Haut“ zu erleben ist.

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Aufmerksam geworden auf die Neoimpressionisten war Kessler durch den belgischen Architekten und Designer Henry van der Velde (1863-1957), der in Weimar die Kunstgewerbeschule leitete, aus der später das Bauhaus hervorging. Kuratorin Ferretti nannte mehrere Beispiele für die Nähe zwischen deutschen und französischen Intellektuellen vor 1914. Die Franzosen verehrten den Philosophen Friedrich Nietzsche. Die Deutschen stellten bereits 1898 Cross-Bilder in einer Berliner Galerie aus.

Kurator für die Cross-Schau: Daniel Zamani

Der Kunsthistoriker Daniel Zamani, der ab Januar 2018 als Kurator im Museum Barberini seine Arbeit aufnimmt und auch den Katalog betreuen wird, hielt einen mitreißenden Vortrag über die Utopie in den Landschaftsdarstellungen. Cross’ sonnendurchflutete Bilder von der französischen Riviera dürfen nicht nur als poetische und dekorative Naturidyllen gelesen werden. „Cross wollte den avantgardistischen Standpunkt vom Mittelmeer aus verteidigen“, so Zamani. Die süßlich-idealisierten Reigen von Bauern, Frauenakten oder Familien sollten die soziale Realität nicht verklären, sondern eine Zukunft ausmalen, in der „die reine Anarchie verwirklicht ist“, betonte der Spezialist für französische Kunst

Über die Mehrdeutigkeit des Begriffes „Anarchismus“ sprach zum Schluss Richard Thomson von der Universität Edinburgh. „Anarchisten waren für Cross keine Bombenleger, sondern Menschen, die an die Unkorrumpierbarkeit des Menschen durch Staat, Parteien oder Sitten glaubten.“ Seinen Vortrag hatte Thomson mit einem aktuellen Bekenntnis begonnen: „Der Brexit ist total dumm!“

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