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Potsdam Mutter bringt Tochter auf dem Auto-Rücksitz zur Welt
Lokales Potsdam Mutter bringt Tochter auf dem Auto-Rücksitz zur Welt
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20:34 30.12.2018
Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Der Weg zum Kreißsaal war eigentlich nicht weit. Doch selbst für das kurze Stück von der Sellostraße bis zum Sankt-Josefs-Krankenhaus in der Brandenburger Vorstadt in Potsdam reichte die Zeit am Freitagabend nicht mehr aus: Eine junge Frau brachte ihr Töchterchen in ihrem Auto auf die Welt – unterstützt von engagierten Ersthelfern aus einem nahen Lokal.

Werdender Vater sucht Hilfe im Restaurant

Es ging auf 20 Uhr zu, als ein junger Mann in die Gaststätte „Quendel“ von Alexander Stüver gerannt kam. „Er war völlig aufgeregt und bat um Hilfe“, erzählt der Restaurant-Inhaber, der sofort den Notruf wählte, als er hört, dass eine Geburt im Pkw bevorstand.

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Wie drängend es war, wurde ihm kurz darauf klar. „Als wir zum Auto kamen, konnten wir schon das Köpfchen sehen“, berichtet Alexander Stüver der MAZ. Die werdende Mutter habe im Vierfüßler-Stand auf dem Rücksitz gehockt und hatte offensichtlich starke Wehen.

Ganz nahe beim Restaurant und Café Quendel in der Sellostraße kam das Kind zur Welt. Quelle: Joachim Liebe

Alexander Stüver, der mit seiner Frau selbst in wenigen Monaten ein Kind erwartet, organisierte sofort warme Decken und bat eine Krankenschwester im Nachbarhaus um Hilfe. Als zweite Helferin war Heike Schubert-Wähner dabei, die gemeinsam mit einer dritten Ersthelferin der jungen Frau im Auto beistanden.

Rettungsstelle leitet Helfer bei der Geburt übers Handy an

Über ein Handy waren die Helfer mit der Rettungsleitstelle Potsdam verbunden. „Dort übernahm eine sehr kompetente Mitarbeiterin das Gespräch mit uns und instruierte uns telefonisch, worauf wir achten sollten und was zu tun war“, berichtet Alexander Stüvert – etwa wann die werdende Mutter pressen sollte oder wie das Köpfchen des Neugeborenen zu halten war. Und plötzlich war das Kind geboren. „Es ging alles so schnell!“

Mutter und Kind sind wohlauf

Schneller als Rettungsdienst und Notarzt sein konnten. Sie trafen wenige Minuten nach der Geburt ein. Die Krankenschwester aus der Nachbarschaft hatte bis dahin die Erstversorgung des in warme Decken gewickelten Kindes übernommen. Die Feuerwehr verkündete die außergewöhnliche Geburt im Auto auf Twitter.

Mutter und Kind sind nach Auskunft der Feuerwehr wohlauf und wurden nach der Geburt ins Josefs-Krankenhaus gebracht. Wie die MAZ am Sonntagabend im Krankenhaus erfuhr, wurden Mutter und Tochter bei bester Gesundheit bereits nach Hause entlassen.

Ersthelfer hoffen, dass die Familie noch einmal vorbeischaut

Für die Ersthelfer um Alexander Stüver hatte das ausklingende Jahr damit noch einmal für einen Höhepunkt gesorgt. „So etwas erlebt man nicht zweimal. Das werde ich nie vergessen“, sagte er der MAZ. Nach der Geburt hatten sich die Helfer ins – zu dieser Zeit voll besetzte – Lokal zurückgezogen, um der jungen Familie ihre Ruhe zu gönnen. „Leider kenne ich die Familie nicht“, sagt Stüver, „aber ich hoffe, sie kommt noch einmal bei uns vorbei.“ Auch den Namen der so aufregend geborenen Potsdamerin kennen die Helfer nicht.

Von Jens Trommer und Alexander Engels