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Potsdam Anita Tack: „Nun wird alles wie früher – und das soll Zukunft sein?“
Lokales Potsdam Anita Tack: „Nun wird alles wie früher – und das soll Zukunft sein?“
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19:45 05.01.2020
Anita Tack (Die Linke) hält ein Nebeneinander von Garnisonkirche und Rechenzentrum für möglich. Quelle: dpa
Potsdam

Ich bin sehr froh darüber, dass die MAZ Christian Näthe und damit einer Gruppe der Stadtbevölkerung eine Wortmeldung ermöglicht hat, von der sonst eher selten zu lesen ist. Und die Antwort von Barbara Kuster verleiht den bekannten Widersprüchen neue Kontur. Auf den Punkt gebracht lesen wir dort: Die stadtarchitektonischen Erinnerungen der Alten müssen im Stadtbild bewahrt sein – und sei es durch Errichtung von Kopien des im Krieg Zerstörten. Die Erinnerungen der Jungen dagegen sind bedeutungslos, ein Abriss dieser Nachkriegsarchitektur daher unbedenklich.

>>>Zum Gastbeitrag von Barbara Kuster

Diesen Standpunkt teile ich ausdrücklich nicht. Deshalb habe ich mich auch gegen den Abriss der Fachhochschule gewehrt und mich bei der kurzzeitigen Besetzung des Gebäudes 2018 durch die Studierenden vor Ort dafür eingesetzt, dass die Besetzung über Nacht geduldet wird, damit die jungen Leute noch einmal die Möglichkeit haben, mit ihrem Standpunkt zur Entwicklung der Stadtmitte gehört zu werden. Die Besetzung durch die Polizei zu beenden, empfand ich für die Kulturstadt Potsdam als würdelos und völlig unangemessen.

Früher soll die Zukunft sein?

Ich bin gemeinsam mit den zahlreich Protestierenden erfolglos geblieben. Die Chance, das Gebäude und den öffentlichen Raum zu erhalten und durch intelligente Sanierung zu einem neuerlich identitätsstiftenden, auch für die Besucher der Stadt einmaligen öffentlichen Ort in Potsdams Mitte zu entwickeln, wurde vertan. Jetzt wird alles – auf nunmehr privatisiertem Grund und Boden – „wie früher“. Und mit „wie früher“ ist das Vorkriegsfrüher gemeint. Und das soll Zukunft sein?

>>>Gastbeitrag von Christian Näthe

Christian Näthes Lied hatte – warum soll ich’s verschweigen – seine Premiere bei meinem Abschied aus der Berufspolitik Ende September 2019 und erhielt großen Beifall. Und dieser Abschied fand nicht zufällig im Rechenzentrum statt. Denn darum geht es jetzt: Den Fehler, der mit dem Abriss der FH gemacht wurde, beim Rechenzentrum nicht zu wiederholen.

Wir vom FÜR (Freundliche Übernahme Rechenzentrum) e.V. und viele aus der Stadtgesellschaft kämpfen für den Erhalt des Rechenzentrums, weil es ein gut funktionierendes sozio-kulturelles Zentrum und zugleich einen wichtigen architektonischen Bruch in der Stadtsilhouette darstellt. Das spannungsreiche Nebeneinander von Turmneubau, den ich im Übrigen nie wollte, und Rechenzentrum wäre ein wichtiges Signal für die zukünftige nachhaltige Stadtgestaltung.

Anita Tack, Dipl.-Ing. für Stadt - und Regionalplanung, langjährige Potsdamer Linken-Landtagsabgeordnete und Ministerin a.D.

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Von Anita Tack

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