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Potsdam Wieland Niekisch: „Keine ,Rachearchitektur’, sondern Wiedergutmachung“
Lokales Potsdam Wieland Niekisch: „Keine ,Rachearchitektur’, sondern Wiedergutmachung“
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19:48 05.01.2020
Wieland Niekisch hält nichts von dem Vorschlag, das halbe Rechenzentrum zu erhalten und auf das Kirchenschiff zu verzichten. Quelle: CDU
Potsdam

„Mein Potsdam“? Niemandem gehört die Stadt allein. Besitzanzeigende Fürwörter erinnern an Reden von „unserem Staat oder unseren Bürgern“ der DDR. Ausgrenzungen samt der damit verschwisterten Intoleranz sind die Folge. Wie keine andere Stadt ist Potsdam in den letzten 100 Jahren von Ab- und Zuwanderung ganzer Bevölkerungsschichten geprägt. Fast in jeder Familie gibt es dafür Beispiele.

>>>Gastbeitrag von Christian Näthe

Jüngst ist die Stadt wieder um Zehntausende gewachsen. Sie und wir alle sind vielfach noch auf dem Weg von bloßen Einwohnern zu Bürgern Potsdams, die sich vor allem ihre Baugeschichte aneignen. Das braucht Zeit, Toleranz und Verzicht auf radikal-verletzende Fantasien wie den Abriss des wiedererstehenden Wahrzeichens der Stadt, der Garnisonkirche.

Rom an der Havel“ zu großen Teilen zerstört

Mit den Schlösserensembles ist das größte UN-Welterbedenkmal Deutschlands entstanden. Ergänzt durch eine unverwechselbare Innenstadt der Bürgerhäuser, dreier Kirchen, der Synagoge und des Stadtschlosses und -kanals. Durch NS-Terror und Krieg, aber auch durch ideologisch motivierte Kulturbarbarei ist zwischen 1944/45 und 1974 das „Rom an der Havel“ zu großen Teilen zerstört worden, auf das jüngst der Botschafter Italiens mit Blick auf Potsdams Bürgerhäuser liebevoll anspielte. Viele Fassaden hatten die uns vertraute Italiensehnsucht geziert. Eine „sozialistische“ Innenstadt entstand, die leider an die typischen Maßstäbe Potsdams nicht heranreichte.

>>>Zum Gastbeitrag von Barbara Kuster

Aber gemach, man steige auf den Turm der nachempfundenen Heiligengeist-Kirche und sieht, dass Potsdam deutlich durch Barock- und DDR-Zeit geprägt wird. Und wenn jetzt einige traditionelle Häuserzeilen neu entstehen, ist das keine „Rachearchitektur“, sondern Wiedergutmachung. Bausünden gab es auch in den letzten 30 Jahren: die Zerstörung des Werner-Alfred-Bads oder der Abriss der Schwimmhalle am Brauhausberg. Die gleiche Halle erfreut sich in Dresden eines modern praktischen Nutzens: denkmalgeschützt, saniert, durch Ergänzungsbauten zum zweitgrößten Schwimmkomplex Deutschlands optimiert.

Kompromiss besteht

Und an der Breiten Straße existiert schon ein vernünftiger Kompromiss: Die Garnisonkirche kann mit Kirchenschiff neu aufgebaut werden. Das Rechenzentrum wird durch ein neues Kulturzentrum überzeugend ersetzt. Allein Potsdams OB reißt die sich schließende Wunde erneut auf und dekretiert: halbes Kirchenschiff und halbes Rechenzentrum! So, wie es halbschwanger nicht gibt, ergibt zweimal halbschwanger nicht einmal schwanger und damit keinen lebensfähigen Frieden.

Wieland Niekisch ist Stadtverordneter der CDU und Vorsitzender des Bauausschusses Potsdam

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Von Wieland Niekisch

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