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Potsdam Nach Geburt im Auto: So schildern die Eltern die dramatischen Minuten
Lokales Potsdam Nach Geburt im Auto: So schildern die Eltern die dramatischen Minuten
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00:21 05.01.2019
Marcel und Kathrin Miserius mit ihrer fünf Tage alten Tochter Anna. Mutter und Kind sind nach der dramatischen Geburt wohlauf. Quelle: Foto: Saskia Kirf
Potsdam

Die kleine Anna ist erst fünf Tage alt, sie weiß noch nicht, dass ihre Geschichte die ganze Stadt bewegt: Anna wurde am vergangenen Freitag geboren, im Auto, mitten in der winterkalten Brandenburger Vorstadt. Ihre Eltern Kathrin und Marcel Miserius hatten es nicht mehr ins Krankenhaus geschafft, wenige hundert Meter trennten sie noch vom Kreißsaal.

„Ich wusste beim Losfahren, es könnte knapp werden“, sagt Kathrin Miserius (31). Die Hebamme hat bereits am Nachmittag bei der Stahnsdorferin festgestellt, dass alle Zeichen auf Geburt stehen. Anna ist das dritte Kind für sie und ihren Mann Marcel (36). „Man denkt ja, es könnte einen nichts mehr überraschen“, sagt Kathrin Miserius.

In der Badewanne werden die Wehen stärker

Nach dem Besuch der Hebamme will Marcel Miserius ein wenig mit der größeren Tochter Lotta (2) spazieren gehen, Sohn Paul (9) war nach Weihnachten gleich bei den Großeltern geblieben. „Kathrin sollte sich mal ein bisschen entspannen, deshalb ist sie in die Badewanne gegangen“, erzählt der Vater. „Dort merkte ich dann, dass es ernst wird“, sagt Kathrin Miserius.

Marcels Schwester soll als Babysitter für Lotta einspringen, muss jedoch erst aus Zehlendorf nach Stahnsdorf ins Haus der Familie anreisen. Die Wehen werden stärker, kommen in immer kürzeren Abständen, Kathrin Miserius kann kaum noch laufen. „Wir haben da ernsthaft ganz kurz überlegt, Lotta mit ins Krankenhaus zu nehmen“, sagt sie, „Zum Glück haben wir uns dann aber anders entschieden.“ Die Ankunft der Schwester wird nicht mehr abgewartet, Lotta verbringt die wenigen Minuten bis dahin bei den Nachbarn – und Marcel Miserius gibt Gas.

Hoffen auf die Polizei vergebens

„Ich hab den Warnblinker angeschaltet und bin ich Richtung Potsdam gefahren“, sagt er. Zwischendurch ruft er im Kreißsaal des Josefs-Krankenhauses an, dort ist die Geburt angemeldet. „Ich hab denen gesagt: ,Jungs, wir sind in zehn Minuten da und es muss dann schnell gehen.’“. Seine Frau Kathrin sitzt zu diesem Zeitpunkt neben ihm auf dem Beifahrersitz. Doch schon nach wenigen Minuten muss sie sich in den Fußraum des Wagens knien, stützt sich auf dem Sitz ab. „Da bin ich langsam panisch geworden“, sagt Marcel Miserius. „Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass irgendwo die Polizei vorbeifährt und auf uns aufmerksam wird.“

Doch die Polizei ist an diesem Freitagabend nicht zwischen Stahnsdorf und Potsdam unterwegs, Familie Miserius muss allein weiterfahren. Das Paar verlässt die Nutheschnellstraße, passiert die Spielbank in der Breiten Straße. Dann passiert es: Die Fruchtblase platzt, nun ist die Geburt definitiv nicht mehr aufzuhalten. Im Auto wissen Kathrin und Marcel Miserius nicht mehr weiter. „Ich habe auf einmal gedacht, wir müssten doch jetzt ins Bergmann-Klinikum fahren, weil es näher dran wäre“, sagt Kathrin Miserius, „vollkommen absurd, ich habe ja gar nichts gesehen und hatte keine Ahnung, wo wir waren.“ Alles, was sie noch gemerkt habe, sei die Geburt gewesen.

Der Vater gerät endgültig in Panik

Marcel Miserius fährt weiter in Richtung Josefs-Krankenhaus, seine Frau neben ihm windet sich vor Schmerzen. „Ich habe dann auch noch die Orientierung verloren und bin falsch abgebogen“, sagt er. Die Angst um Frau und Kind waren zu viel. „Und dann sagte Kathrin, ich solle anhalten, das Köpfchen sei schon da.“ Ihm bleibt keine Wahl, Marcel Miserius fährt rechts ran – 350 Meter von der Zufahrt zur Notaufnahme entfernt. Kathrin Miserius klettert auf die Rückbank des Autos, tatsächlich ist Annas Köpfchen zu sehen. Doch das Kind schreit nicht. Marcel Miserius verfällt endgültig in Panik, er sucht verzweifelt Hilfe, sieht die hell erleuchteten Scheiben des Restaurants Quendel, rennt hinein.

Potsdams neue Gesichter 2019

Das Neujahrsbaby ist Casper Can, der im Potsdamer Ernst von Bergmann Klinikum am 1. Januar um 4.12 Uhr zur Welt kam.

Insgesamt wurden in Potsdam am ersten Tag des Jahres 2019 elf Kinder geboren.

Sechs Babys starteten im Ernst-von-Bergmann-Klinikum ins Leben, zwei davon waren Mädchen und vier Jungen.

Große Frauenpower gab es am zweiten großen Potsdamer Klinikum: Fünf neue Bürger konnte das Sankt-Josefs-Krankenhaus begrüßen – vier Mädchen und einen Junge.

Zum Vergleich: Am ersten Januar 2018 erblickten in Potsdam sieben Kinder – fünf Jungs und zwei Mädchen – das Licht der Welt.

Am 1. Januar 2018 war das Neujahrsbaby ebenfalls ein Junge. Emil Bastian war um 1.07 Uhr Potsdams erster neuer Bürger.

Alle Entbindungen fanden im vorigen Jahr im Ernst-von-Bergmann-Klinikum statt. Das Josefs-Krankenhaus verzeichnete keine Neuzugänge. Die ersten Geburten gab es erst am 2. Januar 2018.

Im zurückliegenden Jahr gab es 2838 Geburten in Potsdam.

„Die Menschen dort waren unglaublich“, sagt Marcel Miserius. Quendel-Chef Alexander Stüver übernimmt nun die Regie. „Er hat eine unglaubliche Ruhe ausgestrahlt, mich ein bisschen runtergeholt, den Krankenwagen gerufen und eine Kinderkrankenschwester rausgeklingelt, die neben dem Restaurant wohnt“, sagt Marcel Miserius. Binnen Minuten stehen zahlreiche Helfer mit Decken und Handtüchern bereit. Im Auto wird währenddessen Anna geboren – in die Hände der herbeigeholten Krankenschwester. Nun schreit das Baby auch, es ist kerngesund. „Ich konnte nichts machen, ich bin nur herum gerannt“, erinnert sich Vater Marcel Miserius. „Und ich habe kaum Erinnerungen, ich weiß noch, dass ich immer wieder beruhigt wurde, aber alles ist sehr verschwommen“, sagt Kathrin Miserius. Wenige Minuten nach der Geburt ist der Notarzt vor Ort. Er durchtrennt die Nabelschnur, bringt die Familie nun endlich in den Kreißsaal, wo Mutter und Tochter versorgt werden.

„Solche Fälle sind gar nicht so selten“

„Solche Fälle sind gar nicht so selten“, sagt Kerstin Laß, die als Hebamme die Familie zu Hause betreut. „Ich kann nur empfehlen, im Zweifel die Hebamme anzurufen und rechtzeitig loszufahren“, sagt sie. Es sei besser, noch einmal umzudrehen oder spazieren zu gehen, wenn man zu früh im Kreißsaal sei, als eine Geburt allein zu bewältigen. Das sehen auch die frisch gebackenen Dreifacheltern so: „Wenn man von oben drauf schaut und weiß, was da alles hätte schief gehen können, wird einem ganz anders“, sagt Marcel Miserius.

Sie hatten Glück: Mama Kathrin und Tochter Anna sind wohlauf, die Kleine misst 52 Zentimeter und bringt 3300 Gramm auf die Waage. Nach einigen Stunden unter Beobachtung darf die Familie wieder nach Hause fahren. Und Eines steht für sie jetzt schon fest: Annas erster Geburtstag wird im Restaurant Quendel gefeiert.

Von Saskia Kirf

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