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Potsdam Nach Krampnitz-Offenbarung wird Aufklärung gefordert
Lokales Potsdam Nach Krampnitz-Offenbarung wird Aufklärung gefordert
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19:46 14.05.2019
Am Jungfernsee endet die Straßenbahn gen Norden. Wann und wie es weitergeht, ist offen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Krampnitz

Die Verzögerung des Straßenbahn-Baus nach Krampnitz hat am Dienstag heftige Reaktionen in der Politik ausgelöst – zugleich herrschte große Zurückhaltung bei den Verantwortlichen.

Von den Verkehrsbetrieben gibt es vorerst keine Reaktion

„Wir stimmen uns gerade mit allen Beteiligten zu den Planungen der Tram nach Krampnitz ab“, kommentierte Göran Böhm, Sprecher der Verkehrsbetriebe (ViP). Beim Entwicklungsträger für den neuen Stadtteil, der unmittelbar betroffen ist, hält man sich ebenfalls zurück: „Ob es überhaupt Auswirkungen hat, wird sich zeigen. Wichtig ist, dass der Oberbürgermeister sich hinter das Tramprojekt gestellt hat“, erklärte Pro Potsdam-Sprecherin Anna Winkler.

Wohnungskonzern „Deutsche Wohnen“ war informiert

Auch der Wohnungskonzern Deutsche Wohnen (DW), dem ein Viertel der Entwicklungsfläche in Krampnitz gehört und der dort 1400 Wohnungen errichten will, glättet die Wogen. „Wir sehen erst einmal keine Auswirkungen auf unsere Pläne. Die Verzögerung ist nicht schön, denn wir wünschen uns die Tram möglichst schnell. Doch unsere ersten Mieter ziehen Ende 2021 auch im Bewusstsein ein, dass es erst einmal nur eine Busverbindung gibt“, erklärt Marko Rosteck, Sprecher des Wohnungskonzerns, auf MAZ-Anfrage. „Inwiefern unser Zeitplan für das Gesamtprojekt sich verändert, analysieren wir jetzt“, so Rosteck.

Er stellte zudem klar, dass man das Quartier „gemeinsam mit der Stadt entwickeln und nicht in Vertragsstreitigkeiten geraten“ wolle. In den Verträgen der Stadt Potsdam mit der DW gibt es laut Rathaus keine rechtliche Zusicherung einer Tramverbindung. Die DW wurde von der Verzögerung auch nicht überrascht. „Das wurde uns bereits kommuniziert“, sagte Rosteck. Man sei „in Abstimmung“ mit der Stadtverwaltung.

„Die Stadtverordneten müssen unverzüglich beteiligt werden“

Anders die Potsdamer Stadtpolitik, aus der am Dienstag heftige Kritik an der Informationspolitik des Rathauses geäußert wurde: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein so wichtiger Vorgang angehängt an die Fortsetzung der letzten Stadtverordnetenversammlung publik wird“, erklärte Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sichtlich verärgert. Nachdem die MAZ am Montag die Nachricht von der Verzögerung verbreitete, informierte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) die Stadtverordneten in der letzten Sitzung der Wahlperiode.

„Ich habe beantragt, dass das Thema zum Gegenstand der Hauptausschuss-Sitzung gemacht wird. Die Stadtverordneten müssen unverzüglich beteiligt werden“, sagte Scharfenberg.

Rasche Aufklärung der Zusammenhänge mit Entlassung der ViP-Chefs gefordert

Das Bürgerbündnis nannte es ein „massives Versäumnis“, dass das Planfeststellungsverfahren für die Tramtrasse noch immer nicht auf den Weg gebracht sei, weil dies auch die Bebauung in Krampnitz verzögere. „Das ist ein schwerer Rückschlag im Bestreben der Stadt, die angespannte Lage des Wohnungsmarkts für alle Potsdamer zu verbessern“, teilte die Wählergruppe mit. Man erwarte zudem „eine rasche Aufklärung der Zusammenhänge auch hinsichtlich der Absetzung der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe“. Den vergangenen Freitag entlassenen ViP-Chefs wurden Verstöße im Vergaberecht vorgeworfen, doch auch die Probleme beim Krampnitz-Projekt wurden im Hintergrund als Gründe genannt.

Um möglichst wenig Zeit beim Ausbau der Strecke zu verlieren, plädiert das Bürgerbündnis für eine Personalaufstockung im Planungsbereich des Rathauses. Außerdem solle die Stadt jetzt „auf Augenhöhe mit den Eigentümern der für die Tramtrasse benötigten Flächen verhandeln, anstatt sich auf langwierige Enteignungsverfahren einzulassen.“ Das fordert auch die CDU. Schon jetzt müsse die Verwaltung „den Dialog mit den Besitzern, Nutzern und Anwohnern der benötigten Flächen zu führen, sonst drohen Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang“, sagte CDU-Fraktionschef Matthias Finken.

CDU äußert Zweifel am autoarmen Verkehrskonzept

Er stellte sogar das Verkehrskonzept von Krampnitz, welches gerade erst mit dem Masterplan von den Stadtverordneten beschlossen war, in frage. „Krampnitz weiterhin so extrem ,autoarm‘ zu planen wie bisher, ist nicht zu verantworten. Hier müssen Kompromisse gefunden werden, wenn das neue Wohngebiet wirklich so attraktiv werden soll, wie es möglich ist. Ein erster Schritt wäre, die Stellplatzzahl zu erhöhen und den Eingangsbereich für den Durchgangsverkehr zu optimieren“, erklärt Finken. Im Konzept kommt auf jede Wohnung nur ein halber Parkplatz.

Clemens Viehrig stellt Straßenbahn insgesamt infrage

CDU-Spitzenkandidat Clemens Viehrig äußerte angesichts der Kosten zudem Zweifel an einem Straßenbahn-Ausbau insgesamt: „Wir müssen möglicherweise für die ÖPNV-Anbindung weitere Ideen denken. Muss es eine Tram sein? Könnten auch Elektrobusse, O-Busse oder eine eigenständige ÖPNV-Spur ein Lösungsweg sein?“, fragt er.

„Wirklich überraschen konnte die Nachricht nach der Trennung von den ViP-Geschäftsführern niemanden, allenfalls diejenigen, die an der Personalie festhalten wollten“, sagt dagegen SPD-Fraktionschef Pete Heuer. „Offenbar wurden die Voruntersuchungen zur Trassenführung, die den Stadtverordneten vor einigen Jahren vorgelegt worden waren, nicht konsequent weiterverfolgt“, kritisiert Heuer die ViP-Spitze.

Das Ausbautempo in Krampnitz zu bremsen halte er für „eine richtige Entscheidung“. Ein Vorverkehr mit Bussen sei „immer solange vorgesehen, bis die kritische Zahl an Fahrgästen für die leistungsstarke aber auch teure Tram erreicht wird, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu sichern.“

„Hiobsbotschaft“ – Aufgabe wurde von Jann Jakobs unterschätzt

Groß Glienickes Ortsvorsteher Winfried Sträter nannte die Verzögerung „eine richtige Hiobsbotschaft“, weil die Anbindung von Krampnitz an die Straßenbahn gar nicht schnell genug gehen könne. „Die Menschen, die dorthin ziehen, dürfen nicht verführt werden, mit dem Auto zu fahren und sich daran zu gewöhnen. Wenn die Tram nicht kommt, funktioniert das verkehrsarme Konzept des Stadtteils nicht“, fürchtet er. „Es ist aber richtig, dass Schubert das Projekt in der Verwaltung neu aufstellt. Die Herausforderungen, die die Trasse bedeutet, wurde von seinem Vorgänger Jann Jakobs unterschätzt“, so Sträter.

Von Peter Degener

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